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Treffen in Moskau : Putin und Erdogan kommen sich wieder näher

  • Aktualisiert am

Zeigen sich einträchtig: Wladimir Putin und Recep Tayyip Erdogan in Moskau Bild: AP

Beim Treffen des russischen und des türkischen Präsidenten in Moskau ist von der einstigen Feindschaft nichts mehr zu spüren. Eine Rolle spielt dabei auch türkisches Gemüse in Russland.

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          Mit einer Geste der Entspannung hat Russland den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan empfangen. Die Regierung in Moskau hob am Freitag Sanktionen gegen die Türkei teilweise auf. Kremlchef Wladimir Putin lobte die Zusammenarbeit mit Ankara im Syrienkonflikt als vertrauensvoll und effektiv. Die Beziehungen seien wieder „die einer echten Partnerschaft, mit einer vielfältigen Zusammenarbeit". Russland betrachte die Türkei „als unseren wichtigsten Partner", sagte Putin am Freitag bei einer Pressekonferenz mit Erdogan.

          „Russland und die Türkei haben ein solides Potenzial, (...) um auf eine neue Ebene der Zusammenarbeit zu kommen“, so der türkische Präsident.. „Wir sind entschlossen, die wichtigen und besonderen Beziehungen zwischen den beiden Ländern noch zu verbessern", sagte er. Nun warte er darauf, dass Russland die Sanktionen gegen die Türkei vollständig aufhebe. Es ist Erdogans zweiter Besuch in Russland seit August 2016. Dabei kam es zu einer gemeinsamen Sitzung zahlreicher Regierungsvertreter.

          Der Abschuss eines russischen Kampfjets durch das türkische Militär 2015 hatte zu einem Zerwürfnis zwischen Moskau und Ankara geführt. Seit Sommer 2016 stehen die Zeichen aber wieder auf Partnerschaft. Russische Experten sagen, dass Erdogan auch wegen Spannungen mit dem Westen den Schulterschluss mit Moskau suche.

          Putin sprach sich dafür aus, den Syrienkrieg mit Hilfe mehrerer „ernstzunehmender Spieler“ zu beenden - auch der USA. Es sei eine gemeinsame Aufgabe, die territoriale Ganzheit Syriens wie auch des Iraks zu erhalten, sagte Erdogan. Im Syrienkrieg treten Russland und die Türkei als Garantiemächte für eine Ende Dezember vermittelte Waffenruhe auf. Im Januar und Februar hatten sie in Kasachstan Gespräche zwischen Regierungs- und Oppositionsvertretern vermittelt. Eine neue Runde soll kommenden Dienstag und Mittwoch (14./15.3.) in Astana beginnen.

          Gemeinsamer Kampf gegen den IS

          Erdogan betonte nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu, es sei wichtig, Geschlossenheit beim Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) und andere Milizen in Syrien zu zeigen. „In dieser Hinsicht erwarten wir besonders, dass die PYD, die der Arm der PKK in Syrien ist, ihre Aktivitäten in Moskau beendet.“ Die Kurdenpartei PYD ist der syrische Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK. Die Türkei betrachtet die PYD als Terrororganisation. In der Krise mit der Türkei hatte Moskau der PYD die Eröffnung eines eigenen Büros erlaubt.

          Erdogan sagte, auf das Wort „Normalisierung“ der Beziehungen könne künftig verzichtet werden. „Wir haben dieses Stadium überwunden“, sagte er russischen Agenturen zufolge. Vor allem die großen gemeinsamen Energieprojekte kämen gut voran. Russland will die Gasfernleitung Turkish Stream durch das Schwarze Meer und das Kernkraftwerk Akkuyu im Süden der Türkei bauen. Über Turkish Stream will Russland Erdgas auch nach Südeuropa verkaufen.

          Der Politologe Amur Gadschijew von der russischen Akademie der Wissenschaften wertete Erdogans Besuch auch als Signal an den Westen. „Die Türkei will nicht mehr die Rolle des Staates im Hinterhof Europas spielen.“ Mit einer stärkeren Orientierung an Russland wolle die Türkei dem Druck aus Brüssel ausweichen.

          Russland lockert Importverbote für Gemüse

          Als Zeichen der Wiederannäherung lockerte die russische Regierung ein Einfuhrverbot für Obst und Gemüse. Unter anderem dürfen wieder Zwiebeln, Nelken, Blumenkohl und Brokkoli aus der Türkei nach Russland geliefert werden. In Kraft bleibt Berichten zufolge aber ein Importverbot für Tomaten, eines der wichtigsten türkischen Exportprodukte.

          Mit dem Embargo hatte Russland 2016 auf den Abschuss seines Militärjets reagiert. Erst nach einer Entschuldigung Erdogans im Juni 2016 normalisierte sich das Verhältnis wieder. Bereits im Oktober hatte Moskau das Embargo für einzelne Agrarerzeugnisse aufgehoben.

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