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Reise nach Syrien und Ägypten : Umarmung für Putin

Auf einer Wellenlänge: Baschar al Assad und Putin besuchen am Montag russische Truppen in Syrien. Bild: AFP

Zum ersten Mal besucht Putin russische Soldaten in Syrien. Seine Botschaft ist klar: Wir haben den IS besiegt. Die Leistung des Westens verschweigt er.

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          Syrien, Ägypten, Türkei: Ein imposantes Reisepensum hatte sich Russlands Präsident Wladimir Putin für Montag aufgegeben. Für das russische Publikum gab es wieder einmal erbauliche Botschaften von siegreich heimkehrenden Soldaten. Nach außen untermauerte Putin Russlands neue Führungsrolle im Nahen Osten.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Die Bilder und Nachrichten des ersten Reiseziels wirkten vertraut. Syriens Gewaltherrscher Baschar al Assad begrüßte Putin und dankte russischen Soldaten für deren Dienst in Syrien. Das hatte es gerade gegeben: am 20. November in Sotschi. Wie an der russischen Schwarzmeerküste beugte sich der große Diktator am Montag nieder, um Putin zu umarmen. Es ist eine Geste, die keinen Zweifel lässt, wer Herr ist und wer Vasall. Putin reiste erstmals zu seinen Soldaten auf Russlands nordwestsyrische Luftwaffenbasis Hmeimim. Mit freudiger Kunde: Ein „bedeutender Teil“ der Truppen in Syrien werde abgezogen, da Russlands Ziele dort „insgesamt erreicht“ seien. Es gab Bilder mit Soldaten, Glückwünsche Putins zum Sieg und zum neuen Jahr im Kreise von Familie und Freunden in der Heimat.

          Rückblick: Putin in Syrien : Krieg und Frieden auf russisch

          „Geopolitischer Neid des Westens“

          Schon Mitte März vorigen Jahres hatte Putin verkündet, die Ziele des russischen Einsatzes – Kampf gegen Terroristen und für die Bewahrung syrischer Staatlichkeit – seien großenteils erreicht. Schon damals hatte er versprochen, ein „wesentlicher Teil“ der Soldaten werde abgezogen.

          Tatsächlich wurde der Einsatz gegen verschiedene Gegner des Assad-Regimes dann ausgeweitet. Wenn nun tatsächlich viele Soldaten abgezogen werden sollten, dann, weil Russland das Assad-Regime zusammen mit iranischen Kämpfern stabilisiert hat. Aufhänger des neuerlich versprochenen Truppenabzugs ist, dass schon am vergangenen Donnerstag der russische Generalstab und dann Putin verkündet hatten, zusammen mit den Regimetruppen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) in Syrien besiegt zu haben. Einige Widerstandsnester könne es noch geben, doch sei die Arbeit insgesamt getan, hieß es. Die internationale Koalition gegen den IS unter Führung der Vereinigten Staaten, die seit 2014 Luftangriffe gegen den IS fliegt, erwähnte man nicht. Der französische Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian warf Moskau deshalb vor, sich den Sieg über den IS zu Unrecht „anzueignen“. Moskau deutete diese Kritik nun als Intrige. Die Sprecherin des Außenministeriums brachte sie in Verbindung mit Washingtoner Sanktionen wegen russischer Einmischung in den Wahlkampf 2016 und mit der Aberkennungen olympischer Medaillen wegen Doping-Nachkontrollen: Jetzt gehe es wohl darum, Russlands militärische Erfolge zu klauen. Der Außenpolitiker Konstantin Kossatschow aus dem Oberhaus sprach von „geopolitischem Neid des Westens“. Doch habe „heute Russland gewonnen. Und diesen Sieg nimmt uns niemand.“

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