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Russischer Besuch im Vatikan : Was Putin mit dem Papst verbindet

Bedächtig: Papst Franziskus und der russische Präsident Wladimir Putin am Donnerstag im Vatikan. Bild: dpa

Putin und der Pontifex sind um gute Beziehungen bemüht. Aus gutem Grund. Denn in gewissen Fragen sind sie aufeinander angewiesen.

          Den Papst lässt man nicht warten – außer man heißt Wladimir Putin. Der traf am Donnerstag mit fast einer Stunde Verspätung bei Franziskus im Vatikan ein. Und das war nicht das erste Mal. Schon zu seiner letzten Privataudienz im Juli 2015 war er mit mehr als 70 Minuten Verspätung gekommen. Dabei dürfte Putin in letzter Zeit in Europa selten mit so freundlichen Worten empfangen worden sein, wie im Vatikan.

          Thomas Jansen

          Redakteur in der Politik.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Auf die Frage, wie er sich das Interesse Putins am Papst erkläre, antwortete Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin vor einigen Tagen in einem Interview: „Der Präsident der russischen Republik gilt als religiöser Mann und ich denke daher, dass er den Papst als Verkörperung jener Werte betrachtet, die er für sein Leben als wichtig erachtet.“

          Nach Audienzen im November 2013 und Juli 2015 war dies schon das dritte Treffen des russischen Präsidenten mit Franziskus. Während seiner ersten beiden Amtszeiten als Präsident, 2000 bis 2008, war Putin dreimal im Vatikan, bei Johannes Paul II. und später bei Benedikt XVI.

          Aus Moskauer Sicht war die Audienz im Vatikan vom Donnerstag besonders wertvoll. Die Beziehung Putins zu Franziskus sei „warm“, ihr „ausführliches Gespräch über Angelegenheiten der Welt“ dauere üblicherweise mehr als eine Stunde, hatte Russlands Botschafter beim Heiligen Stuhl vor dem Treffen gesagt. Es wurde dann doch nur eine Stunde, was aber für eine Privataudienz eines Staatsoberhaupts bei Franziskus schon ein Spitzenwert ist. Über die Inhalte des Gesprächs wurde zunächst nichts bekannt.

          Ein Berührungspunkt von Putin und Franziskus ist die Christenverfolgung im Nahen Osten. Putin stellt sich als Schutzpatron der Christen in der Region dar. Der Militäreinsatz zugunsten des syrischen Gewaltherrschers Baschar al Assad seit Herbst 2015 wurde in der Anfangszeit unter anderem damit begründet. Der Papst vermeidet seinerseits Kritik an Russlands Rolle in Syrien, auch mit Rücksicht auf die Beziehungen zur Russischen Orthodoxen Kirche. Diese waren lange spannungsreich.

          Spannungen zwischen Rom und Russisch Orthodoxer Kirche

          Ein Reibungspunkt sind unter anderem die rund fünf Millionen Angehörigen der griechisch-katholischen Kirche in der Ukraine, einer eigenständigen katholischen Kirche, die ihre Messe nach dem byzantinischen Ritus feiert, jedoch den Papst als Oberhaupt anerkennt. Das Moskauer Patriarchat beansprucht auch die Ukraine als ihr „kanonisches“ Gebiet, hat dort Tausende Gemeinden und störte sich lange am angeblichen „Proselytismus“ katholischer Missionare.

          1998 führte Widerstand der Russischen Orthodoxen Kirche dazu, dass Johannes Paul II. eine Einladung von Präsident Boris Jelzin nach Russland nicht annahm. 2001 gab es in Russland Demonstrationen gegen einen Besuch des Papstes in Kiew. Vor der Reise Putins nach Rom vom Donnerstag teilte das Patriarchat in Moskau mit, „derzeit“ sei ein Besuch des Papstes „im kanonischen Raum“ der Russischen Orthodoxen Kirche unmöglich.

          Ausdruck von Entspannung war ein Treffen des Papstes mit Patriarch Kirill im Februar 2016 in Kuba, dem ersten der Oberhäupter der beiden Kirchen überhaupt. Die Begegnung am Flughafen von Havanna wäre ohne das Plazet Putins nicht denkbar gewesen: Kirill gilt als Marionette des Präsidenten, die Russisch Orthodoxe Kirche ist faktisch zur russischen Staatskirche geworden. Für Putin ist der Schulterschluss mit dem Papst auch hilfreich für die Inszenierung Russlands als Bollwerk gegen westliche „Dekadenz“ und „Pseudowerte“, wie sie Patriarch Kirill ständig beklagt. Das Pochen auf „traditionellen Werten“ für Ehe und Familie verbindet Moskau mit Franziskus.

          Um die christliche Religiosität in Russland ist es allerdings nicht so weit her wie von Putin und seiner Kirche suggeriert: Zwar bezeichnen sich die meisten Russen – 75 Prozent laut Moskauer Patriarchat, 65 Prozent laut einer Umfrage – als Orthodoxe. Aber wenige Russen gehen in die Kirche und noch weniger regelmäßig, zwischen einem halben und zwei Prozent sollen es sein. Dass dennoch ständig neue Kirchen errichtet werden, liegt auch daran, dass ihr Bau für reiche Stifter ein Weg ist, Loyalität zum Regime zu zeigen.

          Im Anschluss an das Treffen mit dem Papst kam Putin zunächst mit Präsident Sergio Mattarella und anschließend mit Ministerpräsident Giuseppe Conte zusammen. Danach waren Gespräche mit den beiden stellvertretenden Regierungschefs Luigi Di Maio von der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung und Matteo Salvini von der Lega geplant.

          Matteo Salvini, Parteichef der rechtsnationalistischen Lega, hatte Russlands Annexion der Krim als „Befreiung“ bezeichnet und die von Russland annektierte ukrainische Halbinsel zur Freude Moskaus und zum Ärger Kiews bereist. Er hatte sich auf dem Roten Platz in einem T-Shirt mit aufgedrucktem Putin-Konterfei gezeigt.

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