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Moskaus Reaktion : Von Rowdys und anderen Piloten

Putin war somit – bei aller Schärfe im Ton – mithin darum bemüht, die Affäre auf die Türkei zu begrenzen. In dieses Horn stieß auch Außenminister Sergej Lawrow. Er sagte eine Reise in die Türkei ab und empfahl, Flüge in das Land auszusetzen nach dem Muster Ägyptens – was ein Schlag für die Tourismus wäre. Vor der türkischen Botschaft in Moskau erschienen Demonstranten. Einer hielt ein Plakat: „Die Rache ist unausweichlich.“

Bis zum Beginn der Luftschläge in Syrien hatte sich Russland eigentlich bemüht, die Beziehungen zu Ankara zu verbessern. Das gelang auch nach den westlichen Sanktionen im Zuge der Annexion der Krim und des Krieges in der Ostukraine, obwohl Ankara offiziell als Schutzmacht der Krimtataren auftritt. Man sprach über umfangreiche Gasgeschäfte. Verwiesen wurde auf Parallelen im autoritären Herrschaftsstil Putins und Recep Tayyip Erdogans. Mit Putins Eingreifen zugunsten des syrischen Machthabers Baschar al Assads waren diese Bemühungen flugs überholt – und die Türkei wieder zum Gegner geworden. Nun trifft der Abschuss des Kampfflugzeugs Putin in einem Moment, in dem er eigentlich gerade zu einer robusten Charmeoffensive angesetzt hat. Er bietet sich nach den Terroranschlägen von Paris neuerlich als Partner im Kampf gegen den IS an. Am Donnerstag wird Frankreichs Staatspräsident François Hollande in Moskau erwartet. Als Einstimmung warf Putins Luftwaffe laut Aufnahmen des Verteidigungsministeriums über Syrien eine Bombe ab, auf der „Für Paris“ geschrieben stand. Russlands Innenministerium schenkt Frankreich einen neuen Polizeihund, nachdem „Diesel“ vorige Woche in Saint-Denis im Kampf gegen den Terror fiel. Rache und Tiere sind Putins Mittel der Stunde, um die Herzen zumindest der Franzosen zu erobern.

Nato geht von Verletzung des Luftraums aus

Auch die Reaktion im politischen Nato-Hauptquartier fiel am Dienstag eher verhalten aus. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte nach einer auf Antrag Ankaras einberufenen Sondersitzung: „Ich rufe zu Ruhe und Deeskalation auf“. Er verwies aber auch auf die Erkenntnisse mehrerer Nato-Partner hin, die – wie von Ankara dargelegt – auf eine Verletzung des türkischen Luftraums durch das russische Kampfflugzeug hindeuteten. Der Zwischenfall zeige, wie wichtig es sei, über Vereinbarungen zu verfügen, die solche Zwischenfälle in Zukunft verhindern könnten. Er wies auch auf kommende Gespräche zwischen Ankara und Moskau hin.

Zu diesem Eindruck trug auch bei, dass sich die Türkei am Dienstag nicht auf Artikel 4 des Nato-Vertrags berief. Er sieht Konsultationen der Nato-Partner für den Fall vor, dass „die Unversehrtheit des Gebiets, die politische Unabhängigkeit oder die eigene Sicherheit bedroht ist“. Diesen Passus hatte Ankara nach einem dem IS zugeschriebenen Terroranschlag, der im Juli im Osten der Türkei mindestens 30 Menschenleben gefordert hatte, bei der Beantragung einer Nato-Sondersitzung in Anspruch genommen.

Detailliert sollen sich die Nato-Außenminister bei ihrer Brüsseler Herbsttagung in der kommenden Woche mit den Beziehungen zu Russland, aber auch mit der Sicherheitslage an der Süd- und Südostflanke der Allianz befassen. Dabei sollte es – unabhängig von dem jüngsten Zwischenfall – um eine Bewertung des russischen Engagements in Syrien und mögliche Konsequenzen daraus gehen. In vorbereitenden Sitzungen der Allianz ist zudem darüber gesprochen worden, wie die Nato vor dem Hintergrund der jüngsten Zuspitzung der Lage in der Region zur Sicherheit der Türkei beitragen kann.

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