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Eröffnung der Krim-Brücke : Allen Stürmen zum Trotz

Jeder Herausforderung standhalten: Die neue Brücke über die Meerenge von Kertsch. Bild: dpa

Die Brücke zwischen Russland und der Krim ist eröffnet. Sie soll unter anderem die Wirtschaft beleben – doch auf der Krim sind auch deutsche Firmen.

          Feierlich und doch in Zivil, in Jeans und schwarzer Jacke, eröffnete Wladimir Putin am Dienstag die neue Brücke vom russischen Festland zur ukrainischen Halbinsel Krim. Russlands Präsident setzte sich dazu ans Steuer eines orangefarbenen Baufahrzeugs und steuerte es an der Spitze einer Kolonne aus Dutzenden weiteren Lastwagen über die Meerenge von Kertsch. So zeigten es jedenfalls Bilder des russischen Staatsfernsehens. Es filmte Putin beim knappen Austausch mit zwei Bauarbeitern auf den Beifahrersitzen. Moderatoren im Studio schwärmten, von diesem historischen Moment werde man noch den Kindern und Enkeln erzählen. Die neue Brücke sei wichtig für alle slawischen Völker, hieß es weiter. Russland und die Ukraine könne niemand trennen. Das Publikum jubelte. Es folgten Äußerungen der Rührung über Größe und Bedeutung der Brücke und Russlands allgemein.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Putins Ausflug ans Schwarze Meer galt der Eröffnung des Teils der 19 Kilometer langen Brücke, über den von diesem Mittwochmorgen an Autos auf die im März 2014 annektierte Krim fahren können. Einstweilen sind nur Personenkraftwagen und Busse erlaubt, im Herbst sollen Lastwagen folgen. Die parallel zur Straße laufende Bahnverbindung soll Ende kommenden Jahres fertig werden. Bewohner der Krim hoffen darauf, dass mit mehr Güterlieferungen auf den Fahrbahnen und Schienen der Brücke Lebensmittel und andere Produkte, deren Versorgung vom ukrainischen Festland nach der Annexion endete, wieder günstiger werden. Denn die Fährverbindung aus Russland ist wetterbedingt verzögerungsanfällig, der Transport mit dem Flugzeug teuer.

           Russlands Präsident Vladimir Putin und sein Jugendfreund Arkadij Rotenberg

          Die Brücke hat besondere politische Bedeutung als Teil der „Heimholung“ der Krim, die als Putins Großtat dargestellt wird. Des Präsidenten Jugendfreund Arkadij Rotenberg baute sie in gut zwei Jahren für mehr als drei Milliarden Euro; für so viel Staatsgeld, dass dafür der Bau einer anderen wichtigen Brücke, die über den Fluss Lena im sibirischen Jakutien führen soll, aufgeschoben wurde. Ein weiterer Weggefährte Putins, Gennadij Timtschenko, war auch am Krim-Prestigeprojekt interessiert, nahm aber, wie er erklärte, wegen der Schwierigkeit des Unterfangens davon Abstand. Denn die Brücke verläuft durch erdbebengefährdetes Gebiet. Es stürmt oft und heftig. Zudem besteht der Meeresboden auf vielen Metern aus Schlamm und Sand. Arbeiter trieben mehr als 6500 Pfähle zur Stabilisierung in den Grund, auf dass die 595 Pfeiler der Brücke halten. Das Staatsfernsehen schwärmte nun, das Bauwerk werde jeder Herausforderung standhalten.

          Projekt „Einbindung der Krim“

          Die Brücke soll die ukrainische Halbinsel besser an Russland anbinden. Auch sollen Touristen bequemer auf die Halbinsel gelangen und einen der wenigen Wirtschaftszweige beleben. Im vergangenen Jahr waren es 5,39 Millionen Urlauber; die Machthaber auf der Krim hoffen künftig dank der Brücke auf acht bis zehn Millionen. Allerdings fehlen auf Seiten der Krim noch Straßen, allen voran eine neue Bundesstraße, welche Kertsch im Osten der Halbinsel mit den Städten Simferopol und Sewastopol verbinden soll. Auch auf russischer Seite der Meerenge, in der Region Krasnodar, sind die Zubringerstraßen noch nicht für das erwartete Verkehrsaufkommen ausgelegt. Vorerst werden Krim-Besucher trotz der Brücke damit weiter mit Staus auf beiden Seiten der Meerenge zu kämpfen haben.

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