https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/pussy-riot-aktivist-wersilow-zur-behandlung-in-berlin-15790434.html

Möglicherweise vergiftet : Pussy-Riot-Aktivist zur Behandlung in Deutschland

  • Aktualisiert am

Pjotr Wersilow wird beim WM-Finale am 15. Juli in Moskau vom Spielfeld gezogen. Bild: dpa

Als Protest-Flitzer hatte Pjotr Wersilow das Moskauer WM-Finale gestört. Weil er nun in Lebensgefahr schweben soll, wird er in Berlin behandelt.

          1 Min.

          Ein möglicherweise vergiftetes Mitglied der russischen Polit-Punk-Band Pussy Riot ist zur Behandlung nach Berlin geflogen worden. Die „Bild“-Zeitung berichtete, Pjotr Wersilow sei am späten Samstagabend mit einem Ambulanz-Flieger in Berlin-Schönefeld gelandet und solle nun von Spezialisten behandelt werden. Wersilows Partnerin, Nadja Tolokonnikowa, veröffentlichte Tweets, auf denen offenbar die Ankunft in Berlin zu sehen ist.

          Der 30 Jahre alte Wersilow war beim Finalspiel der Fußball-WM Mitte Juli mit drei anderen Mitgliedern in Uniformen auf das Feld gerannt, um unter anderem gegen Polizeigewalt zu demonstrieren. Die „Flitzer“ wurden daraufhin zu Arreststrafen verurteilt.

          Verdacht der Vergiftung

          Am Donnerstag war Wersilow in ein Moskauer Krankenhaus gebracht worden. Pussy Riot-Mitglieder hatten gemutmaßt, er sei vergiftet worden und schwebe in Lebensgefahr. Er habe nach einem Gerichtstermin zwei Tage zuvor kaum noch sehen, sprechen oder sich bewegen können. Er habe auch das Bewusstsein verloren. Nach Medienberichten fanden Ärzte in seinem Blut starke Psychopharmaka.

          Tolokonnikowa sagte der „Bild“-Zeitung auf dem Flughafen Schönefeld, sie gehe davon aus, dass ihr Partner mit Absicht vergiftet worden sei und dass es entweder um Einschüchterung oder sogar einen Mordanschlag gehe.

          Veronika Nikulschina, eine Freundin von Wersilow, hatte am Samstag der Internetzeitung „Meduza“ gesagt, ein Freund seines Vaters, der in einer Berliner Klinik arbeitet, solle die Behandlung außerhalb Russlands angeboten haben. Wersilows Mutter Elena und die Freundin wollten ihn nach Berlin begleiten.

          Pussy Riot ist mit spektakulären Aktionen gegen Justizwillkür und Korruption weltweit bekannt geworden. Tolokonnikowa war 2012 nach einem „Punk-Gebet“ in einer Kirche verhaftet und wegen „Rowdytums aus religiösem Hass“ zu Haft verurteilt worden. Sie kam Ende 2013 frei.

          Wersilow ist Gründer der Website MediaZona, die über Gerichtsverfahren gegen Menschenrechtsaktivisten berichtet. In jüngster Zeit arbeitete er an einem Dokumentarfilm über einen der drei russischen Journalisten, die im August bei Recherchen über eine russische Söldnergruppe in der Zentralafrikanischen Republik getötet worden waren.

          Weitere Themen

          Die Partei und die Sekte

          Japan nach Mord an Abe : Die Partei und die Sekte

          Japans Ministerpräsident forciert eine Trennung zwischen seiner Regierungspartei und der religiösen Sekte der Vereinigungskirche. Denn seine Umfragewerte sind auf einem bisherigen Tiefstand.

          Topmeldungen

          Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) am Mittwoch in Berlin

          Entlastungspaket : Lindner kann sich nicht zerpflücken lassen

          Olaf Scholz hat guten Grund, Christian Lindners Vorschläge wenigstens „grundsätzlich“ zu begrüßen. Der heiße Herbst könnte sonst zum Herbst seiner Kanzlerschaft werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.