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Nach Massendemonstrationen : Puerto Ricos Gouverneur steht angeblich vor Rücktritt

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Der puerto-ricanische Gouverneur Ricardo Roselló vor einer Woche in San Juan Bild: dpa

Nach tagelangen Massenprotesten gegen seine Regierung soll der puerto-ricanische Gouverneur Ricardo Rosselló zur Amtsaufgabe bereit sein, berichtet eine Zeitung. Auslöser der Proteste waren Korruptionsvorwürfe.

          Nach massiven Protesten gegen ihn wird Puerto Ricos Gouverneur Ricardo Rosselló nach Informationen der Zeitung „El Nuevo Día“ zurücktreten. Er habe nach Angaben verschiedener Quellen eine Abschiedsbotschaft aufgenommen, die vor Mittwochmittag ausgestrahlt werde, berichtete das Blatt am späten Dienstagabend. Neue Regierungschefin werde verfassungsgemäß die Justizministerin Wanda Vázquez.

          Seit Ende vorvergangener Woche waren in San Juan, der Hauptstadt des amerikanischen Außengebiets, jeden Tag immer größer werdende Menschenmengen auf die Straße gegangen, um Rossellós Rücktritt zu fordern. Die bislang größte Demonstration gab es am Montag mit geschätzt rund 500.000 Teilnehmern, darunter einige prominente Puerto Ricaner. Das Karibikarchipel hat 3,2 Millionen Einwohner.

          Auslöser der Proteste waren ein Korruptionsskandal in der Regierung sowie die Veröffentlichung von Nachrichten einer privaten Chat-Gruppe zwischen Rosselló und elf Vertrauten, in denen sie sich abschätzig über mehrere Personen äußerten. Nach Meinung Vieler waren manche der Bemerkungen frauen- und schwulenfeindlich sowie respektlos gegenüber den zahlreichen Opfern des verheerenden Hurrikans María von 2017.

          Auch in anderen Teilen des Außengebiets der Vereinigten Staaten, das seit Jahren in einer schweren Finanzkrise steckt, sowie in Amerika und auch einigen europäischen Städten gab es bereits Demonstrationen gegen Rosselló. Prominente Politiker wie Bernie Sanders und führende Angehörige von Rossellós eigener Partei schlossen sich den Rücktrittsforderungen an. Präsident Donald Trump nannte Rosselló am Montag einen fürchterlichen Gouverneur.

          Mehrere Regierungsangehörige – darunter der Vizegouverneur, der auch Mitglied der Chat-Gruppe war – zogen Konsequenzen und räumten inzwischen ihre Posten. Rosselló hatte einen Rücktritt bisher immer abgelehnt. Er erklärte allerdings am Sonntag in einer Fernsehansprache, bei der nächsten Wahl im kommenden Jahr nicht mehr anzutreten. Er trat zudem als Chef seiner Neuen Progressiven Partei (PNP) zurück. Der 40 Jahre alte Rosselló regiert seit 2016. Er ist der Sohn eines früheren Gouverneurs.

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