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Prozess gegen Ehefrau Bo Xilais : Nach der Vertuschung die Verklärung

  • -Aktualisiert am

Die schönsten Zeiten des Paares: Gu Kailai und Bo Xilai im Jahre 2007 Bild: REUTERS

Chinas Staatsmedien stilisieren den Prozess gegen die Frau des entmachteten Parteifunktionärs Bo Xilai zum Triumph der Rechtsstaatlichkeit. Am Donnerstag ist der Prozess nach nur einem Tag zu Ende gegangen.

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          Am 15. November vergangenen Jahres wurde der britische Geschäftsmann Neil Heywood tot in einem Hotel der zentralchinesischen Metropole Chongqing aufgefunden. An diesem Donnerstag wird Gu Kailai, die Frau des ehemaligen Politbüromitglieds Bo Xilai, wegen Mordes vor Gericht erscheinen müssen. Unwiderlegbar seien die Beweise für Gu Kailais Beteiligung an dem Mord an Heywood, behaupten die chinesischen Medien, die bislang Informationen über den Fall nur sehr sparsam veröffentlicht haben.

          Der Prozess verspricht eine der am intensivsten beachteten Gerichtsverhandlungen in Chinas jüngster Geschichte zu werden, geht es in ihm doch nicht nur um Mord, sondern um einen Politskandal, wie ihn das Land seit Jahrzehnten nicht erlebt hat. Der Mordfall Heywood hat dunkle Geschäfte und Finanztransaktionen des Ehepaars Bo Xilai/Gu Kailai, Korruption und Machtmissbrauch in Chinas Führungsspitze ans Licht gebracht.

          Bo Xilai steht unter Hausarrest

          Noch im März dieses Jahres trat Bo Xilai beim Nationalen Volkskongress als jemand auf, der sich Hoffnungen auf den Aufstieg in Chinas oberste Führungsspitze, den Ständigen Ausschuss des Politbüros, beim Parteikongress im Herbst machte. Jetzt ermittelt die Partei gegen ihn wegen schwerer Verstöße gegen die Parteidisziplin. Er steht unter Hausarrest, hat alle seine Ämter verloren und kann allenfalls unter Polizeibewachung in einer Villa in einem Vorort Pekings den Prozess gegen seine Frau beobachten, der bei einer Verurteilung die Todesstrafe droht.

          Vor dem Giftmord in einem Hotelzimmer von Chongqing, der nach offizieller Darstellung von Frau Gu mit Hilfe eines Hausangestellten verübt wurde, stand eine langjährige geschäftliche, aber auch persönliche Beziehung zwischen dem Opfer Neil Heywood und dem Ehepaar Bo-Gu. Heywood wurde von Bo Xilai in den achtziger Jahren als Mittelsmann angeworben. Damals war Bo noch in der nordchinesischen Industriemetropole Dalian Parteichef. Gu Kailai war damals eine erfolgreiche Anwältin, die von der Machtposition ihres Mannes profitierte. Zu den persönlichen Gefälligkeiten, die Heywood dem Ehepaar erwies, gehörte es, ihrem Sohn Bo Guagua einen Platz in der exklusiven britischen Privatschule Harrow zu verschaffen.

          Neil Heywood

          Die ersten Informationen über den Fall besagten, Gu Kailai und Heywood hätten nach fast zwanzig Jahren geschäftlicher und privater Kontakte einen Streit über Geschäftsinteressen gehabt. In Ermangelung weiterer offizieller Informationen kamen allerdings schnell immer neue Gerüchte auf. Es hieß im chinesischen Internet, dass Heywood über Jahre dabei behilflich gewesen sei, das riesige Vermögen der Familie Bo-Gu illegal außer Landes zu schaffen und im Ausland zu investieren. Von 600 Millionen Yuan war die Rede.

          Vor seinem Tod soll Frau Gu Heywood gebeten haben, eine größere Summe ins Ausland zu transferieren. Zum Streit sei es gekommen, weil Heywood einen zu großen Anteil an dem Betrag für diesen Dienst verlangt habe. Viele Chinesen haben Zweifel an dieser Darstellung geäußert. Andere Berichte sprechen davon, dass Gu Kailai und Heywood eine Affäre hatten und der Streit, der zum Tod Heywoods führte, mehr persönlicher Natur war. Berichte, nach denen Heywood für den britischen Geheimdienst gearbeitet habe, wurden in London dementiert.

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