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Nordwesten Afghanistans : Provinzregierung und Taliban vereinbaren Waffenruhe in Badghis

  • Aktualisiert am

Afghanische Soldaten am 7. Juli in der Provinz Badghis Bild: AP

Die Regierung der westafghanischen Provinz Badghis hat eine Waffenruhe mit den Taliban ausgehandelt. Mit der Einigung sollen weitere Angriffe auf die Provinzhauptstadt verhindert werden.

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          Die im Nordwesten Afghanistans gelegene Provinz Badghis hat sich nach offiziellen Angaben auf eine Feuerpause mit den radikal-islamischen Taliban verständigt. Mit der Einigung wolle man weitere Angriffe auf die Provinzhauptstadt Kala-e-Naw durch die islamistischen Aufständischen verhindern, obgleich afghanische Streitkräfte derzeit die Kontrolle zurückgewännen, sagte Provinzgouverneur Hussamuddin Schams am Donnerstag. Die Feuereinstellung sei von Stammesältesten ausgehandelt worden. Der Vereinbarung zufolge sollen sich die Taliban in den Außenbereich der Stadt zurückziehen. Ein Taliban-Sprecher dementierte, dass es eine Einigung auf eine Feuerpause gegeben habe. Dennoch hätten die Taliban die Stadt verlassen, um zivile Opfer zu vermeiden.

          Die Taliban waren vor gut einer Woche in die Stadt vorgerückt. Kurzzeitig brachten sie nach offiziellen Angaben unter anderem das Polizeipräsidium unter ihre Kontrolle und lösten Panik unter der Bevölkerung aus. Die Taliban rücken seit Wochen innerhalb von Afghanistan vor und haben bereits zahlreiche Bezirke erobert.

          Abzug ausländischer Truppen

          Nach Angaben aus afghanischen Regierungskreisen konzentriert sich die Armee des Landes mittlerweile darauf, die größeren Städte, wichtige Straßen sowie Grenzposten gegen den Vormarsch der Islamisten abzusichern. Zuletzt hatten die Taliban angegeben, inzwischen 85 Prozent des Landes zu kontrollieren. Diese Darstellung kann allerdings nicht unabhängig überprüft werden und wird von der Regierung in Kabul bestritten.

          Vorausgegangen war der Beginn des Abzuges ausländischer Truppen. Die Vereinigten Staaten planen, ihre Soldaten bis zum August vollständig zurückzuholen. Der wichtigste Luftwaffenstützpunkt Bagram wurde bereits an die afghanischen Sicherheitskräfte übergeben. Von dort aus waren in den 20 Jahren des Afghanistan-Krieges zahlreiche Angriffe gegen die Taliban und andere islamistische Gruppen gestartet worden. Die Bundeswehr, die in Kundus im Norden stationiert war, hatte am 30. Juni ihren Einsatz beendet und die letzten Soldaten abgezogen.

          Von 1996 bis zu ihrem Sturz durch die US-geführten Truppen 2001 hatten die Taliban Afghanistan beherrscht und die Menschenrechte, vor allem die Rechte der Frauen, massiv beschnitten. Die USA intervenierten in Afghanistan an der Spitze eines Nato-Bündnisses kurz nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

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