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Hilferuf aus Katalonien : Barcelona, die Welthauptstadt des Feuers?

Demonstranten am 27. Februar in Barcelona Bild: AP

Katalanische Unternehmer fordern eine Ende der Krawalle nach der Inhaftierung des Rappers Pablo Hasél. Sie fürchten, dass die Koalitionsverhandlungen scheitern könnten – und wollen endliche eine stabile Regierung.

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          Es war ein ungeduldiger Hilferuf aus Barcelona. „Es reicht! Konzentrieren wir uns auf den Wiederaufbau“, fordern 300 katalanische Unternehmer und Wirtschaftsvertreter. Sie haben genug von Gewalt und politischem Stillstand. Seit den Regionalwahlen vor knapp drei Wochen kehrt auf den Straßen Kataloniens keine Ruhe ein. Die katalanische Regierung müsse endlich ihre „demokratische Autorität und ihre Verantwortung ohne Komplexe“ ausüben, um wieder ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen, verlangen die Firmen- und Verbandschefs; sie repräsentieren gut 90 Prozent der katalanischen Wirtschaft: Trotz Corona hatten sich 300 von ihnen mit großem Sicherheitsabstand der Halle des stillgelegten Nordbahnhofs von Barcelona versammelt.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          „Die Regierung muss verhindern, dass Barcelona die Welthauptstadt des Feuers wird“, mahnte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Foment del Treball, Josep Sánchez Llibre im Gespräch mit der Zeitung „El País“: Fünf Tage habe es gedauert, bis die separatistische Regierung den Vandalismus verurteilte.

          Attacken auf fünf Banken, ein Zara-Geschäft und ein Hotel

          Während die Unabhängigkeitsbefürworter um eine neue Regierung unter der Führung der ERC ringen, hatte die Inhaftierung des Rappers Pablo Hasél tausende wütende Demonstranten auf die Straßen gebracht. Vor allem in Barcelona endeten die Demonstrationen, die meist friedlich begannen, in Krawallen und Plünderungen. Barrikaden brannten, am vergangenen Samstag ging ein Polizeifahrzeug in Flammen auf. Der Fahrer konnte sich rechtzeitig retten.

          An den Protesten beteiligen sich nicht nur Unabhängigkeitsbefürworter. Für viele katalanische Demonstranten ist die Freiheitsstrafe für den Rapper jedoch ein Beweis dafür, wie repressiv und undemokratisch Spanien ist, von dem sie sich lösen wollen. Auch das wird in Barcelona als ein Grund dafür genannt, dass es besonders Separatisten und Linken schwer fiel, sich eindeutig von den Randalierern zu distanzieren – trotz der vielen Verletzten und der großen Schäden: Am Samstag wurden neben den Polizisten auch fünf Banken, ein Zara-Geschäft und ein Hotel attackiert.

          Sechs Italiener und ein Franzose festgenommen

          Dabei spielen offenbar auch ausländische Anarchisten eine Rolle. Die Polizei nahm inzwischen sechs Italiener und einen Franzosen fest, die angeblich nur ein Teil einer größeren Gruppe sind. Ihnen wird wegen des Angriffs auf das den Polizeiwagen versuchter Mord vor. Sie lebten längere Zeit in einer besetzen Fabrik in der Nähe von Barcelona und hatten sich offenbar an früheren gewaltsamen Protesten beteiligt. Nach dem Willen des inhaftierten Rappers sollen sie weitergehen. Seine Unterstützer zitierten ihn im Internet mit einem Aufruf, den Kampf zu verstärken und veröffentlichten ein Gedicht mit dem Titel „Feuer auf den Straßen“.

          In den Koalitionsgesprächen der separatistischen Parteien geht es jedoch weniger um die Krawallmacher, sondern vor allem um die Regionalpolizei (Mossos). Ihren Beamten wirft die kleine radikal-separatistische CUP-Partei vor, dass sie zu hart gegen die Demonstranten vorgehe. Für ihre Unterstützung der neuen Regierung macht die CUP eine grundlegende Polizeireform zur Bedingung. Nicht nur unter den Unternehmern wächst daher die Sorge, dass die Koalitionsverhandlungen scheitern könnten, obwohl die Separatisten die meisten Stimmen und Mandate erhalten haben. Das wichtigste Ziel in Katalonien müsse eine stabile und aktive Regierung sein, die die dafür sorge, dass die Region nach der Covid-Krise wieder in Gang kommt, fordern sie in ihrem Manifest.

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