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Venezuela : Maduro bricht Beziehungen zu Kolumbien ab

  • Aktualisiert am

Demonstranten stoßen in der venezolanischen Grenzstadt Ureña einen ausgebrannten Bus um. Bild: AFP

Das Verhältnis Venezuelas zu Kolumbien verschlechtert sich weiter. Nach der Schließung der Grenze bricht Venezuelas Präsident nun alle Beziehungen zu dem Nachbarland ab. Bei Auseinandersetzungen sollen zwei Menschen gestorben sein.

          Der umstrittene venezolanische Präsident Nicolás Maduro den Abbruch aller diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien verkündet. Den Schritt begründete Maduro damit, dass das Nachbarland aktiv daran mitgewirkt habe, Hilfslieferungen nach Venezuela zu transportieren. In der kolumbianisch-venezolanischen Grenzstadt Ureña kam es am Samstag derweil zu gewaltsamen Protesten, bei denen mehrere Menschen verletzt wurden.

          Venezolanische Sicherheitskräfte setzten bei den Auseinandersetzungen Tränengas und Gummigeschosse gegen Demonstranten ein, die gegen die Schließung der Grenze zum Nachbarland Kolumbien protestiert haben. Die Demonstranten zündeten Autoreifen auf den Straßen an und bewarfen die Polizei mit Steinen. Einem Bericht des Senders CNN Español zufolge handelte es sich bei den Protestierenden vor allem um Bewohner des Grenzgebiets, die täglich die Grenze überqueren, entweder zum Einkaufen oder zur Arbeit. Augenzeugen zufolge sollen zwei Panzer auf venezolanischer Seite Barrieren zerstört haben, mit denen die Grenzbrücke „Simon Bolívar“ blockiert wird. Diese Brücke verbindet Venezuela und Kolumbien.

          Am Samstagmittag (Ortszeit) durchbrachen zudem vier Lastwagen mit Hilfsgütern für die notleidende Bevölkerung eine Barriere nahe Ureña. Sicherheitskräfte des Staatschefs Nicolás Maduro beschossen den Konvoi und die sie zu Fuß begleitenden Menschen daraufhin mit Tränengas und Gummigeschossen. Mindestens sechs Menschen wurden verletzt, wie die Sender VPI-TV und CNN en Español berichteten. Die Lastwagen passierten nur eine erste Barriere in der Mitte der Grenzbrücke Francisco de Paula Santander, dann wurden sie auf venezolanischer Seite von den Sicherheitskräften angehalten.

          In der venezolanischen Stadt Santa Elena de Uairen an der Grenze zu Brasilien soll es nach Zusammenstößen mit den Sicherheitskräften zwei Tote gegeben haben. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf eine Klinik, in die die beiden Personen gebracht worden waren. Auch die Menschenrechtsorganisation „Foro Penal“ spricht von zwei Toten an der venezolanisch-brasilianischen Grenze, darunter ein 14 Jahre alter Junge. Des Weiteren habe es dort mehrere Verletzte gegeben.

          Maduro bricht alle Beziehungen zu Kolumbien ab

          Die ohnehin explosive Lage im Grenzgebiet spitzte sich am Samstag auch politisch weiter zu. Auf einer Veranstaltung in der venezolanischen Hauptstadt Caracas teilte der umstrittene Präsident Nicolás Maduro mit, alle diplomatischen Beziehungen zu Kolumbien abzubrechen. „Die faschistische Regierung von Kolumbien“ habe die vom selbsternannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó initiierten Hilfslieferungen nach Venezuela aktiv unterstützt, kritisierte Maduro. Binnen 24 Stunden müssen die kolumbianischen Diplomaten deshalb das Land verlassen.

          Die kolumbianische Regierung forderte Maduro wenig später auf, sich für die Sicherheit der Botschaftsmitglieder verantwortlich zu zeichnen. Das Außenministerium in Bogota erklärt, man werde Maduro zur Verantwortung ziehen für jedwede Aggression oder Rechtsverletzungen, die kolumbianische Offizielle in Venezuela erleiden müssten.

          Zuvor hatte Maduro bereits die Grenzübergänge schließen lassen. Er will damit verhindern, dass internationale Hilfsgüter in das Land kommen. Anhänger des selbst ernannten Übergangspräsidenten Juan Guaidó wollen an diesem Wochenende mehrere Tonnen Nahrungsmittel, Medikamente und Hygieneartikel von einem Lager in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta nach Venezuela bringen.

          Auch in der Armee, einer wichtigen Stütze Maduros, scheint der Rückhalt für den Präsidenten zu bröckeln. Die kolumbianische Einwanderungsbehörde erklärte am Samstag, elf weitere venezolanische Soldaten sowie zwei Polizisten seien desertiert und über die Grenze nach Kolumbien geflohen. Die Sicherheitskräfte, zu denen auch ein Major zähle, sollten nun befragt werden, hieß es in der Mitteilung.

          Guaidó: Erste Hilfsgüter in Venezuela angekommen

          Venezuela leidet unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Aus Mangel an Devisen kann das einst reiche Land kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs für die Not leidende Bevölkerung einführen. Viele Menschen hungern, mehr als drei Millionen Venezolaner haben ihre Heimat bereits verlassen.

          Maduro will die humanitäre Hilfe nicht ins Land lassen. Aus seiner Sicht ist sie ein Vorwand für eine militärische Intervention und einen Umsturz. Die gezielte Verteilung von Lebensmitteln an Anhänger ist für Maduros Regierung ein Mittel, soziale Kontrolle auszuüben. Maduros Macht würde weiter eingeschränkt, wenn die Opposition in der Lage wäre, die Not der Bevölkerung zu lindern.

          Unterdessen ist in der brasilianischen Grenzstadt Pacaraima der erste von zwei Lastwagen mit Hilfsgütern für Venezuela eingetroffen. Wie das Nachrichtenportal G1 am Samstag weiter berichtete, transportieren die beiden Fahrzeuge mit venezolanischen Kennzeichen rund sieben Tonnen Lebensmittel und Medikamente. Am Nachmittag teilte Guaidó mit, dass bereits erste Hilfsgüter über die brasilianisch-venezolanische Grenze ins Land gekommen sind.

          Venezuelas Regierung hat die Grenze zu Brasilien geschlossen, um die Einfuhr der Hilfsgüter zu verhindern. Brasilien hat insgesamt 200 Tonnen Hilfsgüter für Venezuela bereitgestellt. Brasiliens Außenminister Ernesto Araújo erklärte am Samstag auf einer Pressekonferenz in Pacaraima, dass die Hilfsgüter nicht auf brasilianischer Seite stationiert, sondern in Venezuela ausgeliefert werden sollen.

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