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Wachleute verprügelten ihn : Proteste nach gewaltsamem Tod eines Schwarzen in Brasilien

  • Aktualisiert am

Nach dem gewaltsamen Tod eines Schwarzen demonstrierten Brasilianer am Freitag in São Paulo. Bild: dpa

In Brasilien sollen Wachleute einen Schwarzen in einem Supermarkt zu Tode geprügelt haben. In São Paulo und anderen Städten gingen wütende Demonstranten auf die Straße.

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          Der gewaltsame Tod eines von weißen Sicherheitsleuten verprügelten Schwarzen hat wütende Proteste in Brasilien ausgelöst. In der Wirtschaftsmetropole São Paulo gingen am Freitag hunderte Menschen auf die Straße. Der 40 Jahre alte Mann war gestorben, nachdem weiße Sicherheitsleute eines Supermarkts in Porto Alegre ihn verprügelt und dabei wiederholt auf den Kopf und ins Gesicht geschlagen hatten. Ein Video von der Tat verbreitete sich rasch in sozialen Netzwerken und den brasilianischen Medien.

          Die Demonstranten in São Paulo marschierten zu einem Laden der betroffenen französischen Supermarktkette Carrefour und schlugen mit Steinen das Schaufenster ein. Danach stürmten sie das Geschäft und verwüsteten es, wie Augenzeugen berichteten. Auch zu dem Supermarkt in Porto Alegre, in dem sich der Vorfall am Donnerstagabend ereignet hatte, zogen Demonstranten. Die Polizei setzte Tränengas und Blendgranaten ein, um die Menge auseinanderzutreiben, wie ein örtlicher Fernsehsender berichtete.

          Weitere Proteste wurden aus der Hauptstadt Brasília sowie aus Belo Horizonte und Rio de Janeiro gemeldet. Dort trugen viele Demonstranten Plakate mit der Aufschrift „Das Leben von Schwarzen zählt“.

          Die Militärpolizei im Budesstaat Rio Grande do Sul erklärte, der Mann habe eine Mitarbeiterin des Supermarkts in Porto Alegre bedroht, die daraufhin den Wachschutz gerufen habe. Durch die Schläge der zwei Wachleute verlor er das Bewusstsein und starb trotz Wiederbelebungsversuchen von Sanitätern noch vor Ort.

          Eine Mitarbeiterin eines Supermarktes in São Paulo versucht am Freitag ein von Demonstranten gelegtes Feuer zu löschen.
          Eine Mitarbeiterin eines Supermarktes in São Paulo versucht am Freitag ein von Demonstranten gelegtes Feuer zu löschen. : Bild: dpa

          Die zwei Wachleute wurden festgenommen. Bei einem von ihnen handelt es sich um einen Militärpolizisten, der Teilzeit in dem Supermarkt arbeitete. Carrefour verurteilte das Vorgehen der Sicherheitsleute und kündigte ein Ende der Zusammenarbeit mit der betreffenden Wachschutzfirma an.

          Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro schrieb auf Twitter, ohne die tödliche Prügelattacke konkret zu nennen, Brasiliens Probleme lägen „jenseits von Rassenfragen“. Das „große Übel“ im Land sei vielmehr die „moralische, soziale und politische Korruption“. Bolsonaros Vize Hamilton Mourao erklärte, der Tod des Mannes in Porto Alegre habe nichts mit Rassismus zu tun. „Für mich gibt es in Brasilien keinen Rassismus“, erklärte er.

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