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Proteste in Serbien : Toter bei Angriff auf Botschaften in Belgrad

  • Aktualisiert am

Serbische Nationalisten attackieren die amerikanische Botschaft in Belgrad Bild: AFP

Beim Angriff auf Botschaften in Belgrad ist mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Randalierer hatten nach einer Demonstration gegen die Unabhängigkeit des Kosovos die amerikanische Vertretung angezündet. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Gewalt.

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          Bei gewaltsamen Protesten gegen die Unabhängigkeit des Kosovos ist am Donnerstag in der serbischen Hauptstadt Belgrad mindestens ein Mensch ums Leben gekommen. Eine Sprecherin der amerikanischen Botschaft bestätigte, dass aus dem in Brand gesteckten Gebäude eine Leiche geborgen worden sei. Dabei handele es sich nicht um einen amerikanischen Botschaftsangehörigen. Der UN-Sicherheitsrat, die Vereinigten Staaten und der EU-Außenbeauftragte Javier Solana verurteilten die Ausschreitungen scharf.

          Nach einer Kundgebung von rund 150.000 Menschen am Nachmittag hatten jugendliche Randalierer am Abend mehrere Botschaften attackiert, unter anderem die Vertretungen Kroatiens, Großbritanniens und der Türkei. Dabei wurden mindestens 90 Menschen verletzt, darunter mehr als 30 Polizisten. Auch die deutsche diplomatische Vertretung wurde angegriffen. Fensterscheiben gingen zu Bruch, berichteten Augenzeugen. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte, es sei Sachschaden entstanden. Es seien aber keine Demonstranten in das Gebäude eingedrungen.

          Polizei tauchte erst verspätet auf

          Die meist jugendlichen Gewalttäter raubten zwei ausländische Bankfilialen aus und plünderten ein Kaufhaus. Ein amerikanisches Hamburger-Restaurant wurde verwüstet. Im gesamten Zentrum brannten Müllcontainer, zahlreiche Kioske wurden kurz und klein geschlagen. Wenigstens zwei Dutzend Autos brannten ebenso wie eine Straßenbahn und fünf Linienbusse. Der öffentliche Nahverkehr wurde eingestellt. In dutzenden Geschäften wurden die Schaufenster eingeschlagen und Waren wie Schuhe, Schmuck und Textilien gestohlen.

          Serbische Nationalisten attackieren die amerikanische Botschaft in Belgrad Bilderstrecke

          Spezialverbände der serbischen Polizei tauchten erst mit Verzögerung auf und drängten die Gewalttäter mit gepanzerten Fahrzeugen und massivem Einsatz von Tränengas in die Seitenstraßen ab. In den Krankenhäusern mussten fast 100 Verletzte behandelt werden. Am späten Abend beruhigte sich die Lage, so dass die Feuerwehr neben den Bränden in und an den Botschaften auch noch rund 100 weitere kleinere Feuer löschen konnte.

          Amerika kritisiert mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen

          Der UN-Sicherheitsrat verlangte von der serbischen Regierung wirkungsvolle Maßnahmen, um ausländische Diplomaten zu schützen. „Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates verurteilen auf das Schärfste die Angriffe, die von Menschenmengen gegen Botschaften in Belgrad verübt wurden, die Schaden an den Gebäuden anrichteten und das diplomatische Personal in Gefahr brachten“, sagte der amtierende Ratsvorsitzende, der panamaische Botschafter Ricardo Alberto Arias. Er erinnerte an „das Grundprinzip der Unverletzlichkeit diplomatischer Vertretungen und die Verpflichtung der Gastgeberländer“, diese zu beschützen.

          Auch das amerikanischen Außenamt protestiert heftig gegen die Ausschreitungen in der serbischen Hauptstadt. Es sei „unerträglich“, dass die Demonstranten die amerikanische Botschaft in der serbischen Hauptstadt attackieren und in Brand setzen konnten, sagte Außenamtssprecher Sean McCormack am Donnerstagabend in Washington. Die Nummer drei des Außenministeriums, Nicholas Burns, habe noch am Abend mit dem serbischen Regierungschef Vojislav Kostunica und Außenminister Vuk Jeremic telefoniert. Dabei habe er gegen die unzureichenden Sicherheitsvorkehrungen durch die serbische Polizei protestiert.

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