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Proteste in Myanmar : Offline in den Kampf

Dreifinger-Gruß eines Demonstranten am 7. Februar in Yangon Bild: Reuters

Eine Internetblockade kann den Protest gegen den Militärputsch in Myanmar nicht aufhalten. Im Land herrscht die Sorge vor einem blutigen Ende wie 1988 und 2007.

          4 Min.

          Zehntausende Demonstranten marschieren am Sonntag durch das Zentrum von Yangon (Rangun). Sie trommeln und schreien Parolen, vorbeifahrende Autos fallen hupend in den Chor mit ein. „Wir wollen keine Militärdiktatur! Wir wollen Demokratie!“, rufen die Demonstranten. Sie protestieren gegen die Machtübernahme des Militärs und die Entmachtung der vom Volk gewählten Zivilregierung. Viele von ihnen tragen rote Flaggen oder T-Shirts, auf denen ein im Angriff begriffener Pfau zu sehen ist, das Symbol der „Nationalliga für Demokratie“ (NLD). Es ist die Partei der am vergangenen Montag festgenommenen Staatsrätin Aung San Suu Kyi.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die meisten Demonstranten sind junge Studenten, aber es seien auch Familien dabei und sogar einige Staatsbedienstete, berichtet die dreißig Jahre alte Demonstrantin Khin Sandar der F.A.Z. Die Menschen heben die Hände zum sogenannten Dreifinger-Gruß. Die Geste geht auf den Film „Die Tribute von Panem“ zurück. Sie war schon bei den Demokratieprotesten in Thailand als Zeichen des Widerstands zum Einsatz gekommen.

          Die größten Proteste seit der „Safran-Revolution“ 2007

          Die Proteste sind die größten seit der „Safran-Revolution“ im Jahr 2007. Nach Tagen des „zivilen Ungehorsams“, der Arbeitsniederlegung in verschiedenen Berufsgruppen und des abendlichen Töpfe- und Pfannenschlagens wird zunehmend klar, dass viele Menschen in Myanmar (Burma) den Putsch nicht stillschweigend akzeptieren werden.

          Als sie am Montag zu der Nachricht von der Machtübernahme des Militärs und der Verhaftung Aung San Suu Kyis aufgewacht sei, habe sie wie alle anderen erst unter Schock gestanden, sagt Khin Sandar am Telefon aus Yangon. Dann habe sie mit Freunden aber schnell den Entschluss gefasst, dass etwas gegen den Putsch getan werden müsse. „Dies ist das 21. Jahrhundert. Wir haben genug davon. Sie sollten nicht ihre Macht mit Gewehren beweisen“, sagt sie über die herrschenden Generäle, während im Hintergrund die Sprechchöre zu hören sind.

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          In einem Dutzend anderer Städte wird ebenfalls demonstriert, darunter auch in Mandalay, Myanmars zweitgrößter Stadt. Die Proteste laufen weitgehend friedlich ab. Die Polizei hält sich zurück. Die Militärregierung versucht, den Widerstand auf anderen Wegen in Schach zu halten. Nachdem schon Facebook, Twitter und Instagram gesperrt worden waren, hat das Regime eine komplette Internetblockade angeordnet. Dem Internetdienst Netblocks zufolge erreicht der Internetverkehr am Sonntag bisweilen nur noch 14 Prozent seines normalen Umfangs. „Die Generäle versuchen, die Widerstandsbewegung der Bürger zu lähmen und die Außenwelt im Dunkeln zu lassen, indem sie praktisch den gesamten Internetzugang kappen“, sagt Tom Andrews, der UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in Myanmar.

          „Ich hoffe, es endet nicht wie 1988“

          Später wird der Zugang dann teilweise doch wiederhergestellt. „Wir sind wieder online!“, schreibt der Vertreter einer deutschen Stiftung in Yangon. Er habe gerade erst wieder eine Verbindung bekommen, sagt auch der Direktor des Tampadipa Institute und frühere politische Gefangene Khin Zaw Win. Er komme gerade von der Demonstration in Yangon zurück, berichtet er der F.A.Z.: „Alle sind herausgekommen, um mitzumarschieren, einige Anwohner standen daneben und haben geklatscht und Trinkwasser und Essen verteilt.“ Der Mann fühlt sich an die Studentenbewegung im Jahr 1988 erinnert, als auch Aung San Suu Kyi ihren ersten Auftritt an der Shwedagon-Pagode von Yangon gehabt hatte. „Ich war 1988 dabei. Ich hatte heute ein richtiges Déjà-vu-Gefühl. Aber ich hoffe, es endet nicht wie 1988“, sagt Khin Zaw Win.

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