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Proteste in Kiew : Wir werden kämpfen, wenn es nötig wird

  • Aktualisiert am

Es brennt in Kiew Bild: dpa

Drei Stunden lang hatten Oppositionspolitiker mit Präsident Janukowitsch gesprochen, um ein Ende der Gewalt in Kiew zu erreichen. Vergeblich. Jetzt droht Vitali Klitschko mit einer Offensive der Demonstranten.

          Nach den tödlichen Schüssen auf Regierungsgegner in der Ukraine demonstrierten in Kiew an diesem Mittwoch mehr als 50.000 Menschen gegen Polizeigewalt. Bei den Protesten auf dem Unabhängigkeitsplatz - dem Maidan - rief der Oppositionspolitiker Vitali Klitschko zum Widerstand gegen die prorussischen Führung um Präsident Viktor Janukowitsch auf. „Wir werden weiter auf dem Platz stehen und kämpfen, wenn es nötig wird“, sagte er. Er rief die Polizei auf, zur Opposition überzulaufen. Die Kundgebung begann mit einer Schweigeminute für die Opfer des Volksaufstands. Die Opposition beklagt sieben Tote.

          Klitschko warnte die Demonstranten, dass die Polizei eine Räumung des Platzes vorbereite. „Wir müssen alles unternehmen und sie daran hindern, uns zu vertreiben“, rief er der jubelnden Menge zu. Am Abend hielten noch Hunderte Menschen in klirrender Kälte dort aus. Einige Demonstranten setzten Autoreifen in Brand. Dicke schwarze Rauchwolken zogen in die Reihen der Bereitschaftspolizisten.

          Der über Wochen friedliche Machtkampf war in brutale Gewalt mit mehreren toten Demonstranten und Hunderten Verletzten umgeschlagen. Oppositionspolitiker Vitali Klitschko gab dem an Russland orientierten Präsident Viktor Janukowitsch die Schuld. „Heute schießt die Regierung als Antwort auf die Forderungen der Menschen auf das eigene Volk“, sagte Klitschko vor prowestlichen Anhängern in Kiew. Er drohte der Regierung mit einer „Offensive“ der Demonstranten. Wenn Präsident Janukowitsch keine Zugeständnisse mache, „gehen wir morgen in die Offensive“, erklärte Klitschko. Janukowitsch könne die Krise friedlich lösen, indem er vorgezogene Neuwahlen ansetze, sagte er weiter.

          Ergebnislose Gespräche

          Mehrere Oppositionspolitiker, darunter Klitschko, hatten sich über drei Stunden mit Staatschef Janukowitsch getroffen, um ein Ende der Gewalt zu erreichen. Die Gespräche seien ergebnislos verlaufen, hieß es im Anschluss.

          Die Opposition teilte am Abend mit, dass sie mittlerweile Informationen über sieben getötete Regierungsgegner habe. Die Zahl der Erschossenen sei von drei auf fünf gestiegen, sagte der Koordinator des medizinischen Dienstes des Regierungsgegner in Kiew, Oleg Mussi. Er sprach von mehr als 300 verletzten Regierungsgegnern bei den Zusammenstößen mit der Polizei. Zudem seien in einem Wald bei Kiew zwei Leichen mit Folterspuren gefunden worden, wie ukrainische Medien berichteten. Die Behörden äußerten sich nicht zu den Angaben.

          Generalstaatsanwaltschaft nennt keine Täter

          Die Regierung warf der Opposition vor, die Menschen zu Unruhen aufgewiegelt zu haben. Außenminister Frank-Walter Steinmeier zeigte sich besorgt über die Entwicklung in der Ukraine. Die EU drohte der Regierung in Kiew mit „Konsequenzen“.

          Das amerikanische Außenministerium betonte, die Spannungen seien die direkte Folge der Weigerung der Regierung, einen echten Dialog mit ihren Gegnern zu führen. Die bislang friedlichen Proteste waren Ende November ausgebrochen, nachdem Janukowitsch auf Druck Russlands den Abschluss eines EU-Partnerschaftsabkommens auf Eis gelegt hatte.

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