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Botschaftsöffnung in Jerusalem : Generalstreik vor angekündigten Massenprotesten

  • Aktualisiert am

Palästinensische Demonstranten protestieren am Montag, nahe der israelischen Grenze, gegen die Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem. Bild: AFP

Heute Nachmittag soll die amerikanische Botschaft in Jerusalem unter großen Sicherheitsvorkehrungen eröffnet werden – bereits Stunden zuvor ist es an der Grenze zum Gazastreifen zu Protesten gekommen. Schulen und Geschäfte bleiben wegen eines Generalstreiks geschlossen.

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          Rund fünf Monate nach der umstrittenen Ankündigung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump wird am Montag die amerikanische Botschaft in Jerusalem eröffnet. Die Einweihungszeremonie soll um 15 Uhr mit rund 800 geladenen Gästen stattfinden – Trump selbst ist nicht nach Jerusalem gereist. Angesichts erwarteter massiver Proteste der Palästinenser sind die israelische Polizei und das Militär im Großeinsatz. Das Terrornetzwerk Al Qaida rief Muslime vor dem Hintergrund der Botschaftseröffnung zum Dschihad gegen die Vereinigten Staaten auf.

          Die Proteste haben bereits Stunden vor der Eröffnung der amerikanischen Botschaft begonnen: 28 Palästinenser seien bei Konfrontationen mit israelischen Soldaten verletzt worden, teilte der palästinensische Rettungsdienst Roter Halbmond mit. Mehr als 20 seien durch Schüsse verletzt worden, zwei davon lebensgefährlich.

          Zahlreiche Palästinenser setzten im Grenzbereich Reifen in Brand – dichter schwarzer Rauch stieg in den Himmel. Nach Berichten von Augenzeugen versuchten mehrere Männer, den Grenzzaun zu Israel zu durchschneiden.

          Vor den angekündigten Massenprotesten im Gazastreifen sind am Montagmorgen wegen eines Generalstreiks Geschäfte, Schulen und die Universitäten geschlossen geblieben. Busse sammelten Menschen von den Straßen auf und über Moschee-Lautsprecher wurde zur Teilnahme an den Massenprotesten aufgerufen. Zu dem Streik hatten alle politischen Fraktionen in dem Küstengebiet aufgerufen, einschließlich der radikalislamischen Hamas.

          Die israelische Armee hat am Montag Flugblätter über dem Palästinensergebiet am Mittelmeer abgeworfen. Darin würden die Einwohner auf Arabisch davor gewarnt, sich dem Grenzzaun zu Israel zu nähern, ihn zu beschädigen oder Anschläge zu verüben, teilte die israelische Armee mit. An der Gaza-Grenze werden Zehntausende von Demonstranten erwartet. Israels Armee hat die Zahl seiner Soldaten an der Grenze verdoppelt. Seit Ende März sind bei gewaltsamen Konfrontationen von Palästinensern und israelischen Soldaten an der Gaza-Grenze 55 Palästinenser getötet und Tausende verletzt worden.

          Man habe an die Menschen appelliert, sich nicht von der im Gazastreifen herrschenden Hamas missbrauchen zu lassen, hieß es in der Mitteilung der Armee. Die Hamas wird von Israel, der Europäischen Union und Vereinigten Staaten als Terrororganisation eingestuft und hat sich die Zerstörung des Staates Israel auf die Fahne geschrieben. „Erlaube es der Hamas nicht, Dich auf zynische Weise als ihre Marionette zu missbrauchen“, heißt es auf einem der Flugblätter. „Halte Dich fern vom Sicherheitszaun, terroristischen Aufrührern und gewalttätigen Demonstranten!“ und „Rette Dich selbst und setze lieber darauf, Dir eine gute Zukunft aufzubauen!“

          Hochkarätige Gäste bei der Eröffnungszeremonie

          An der Einweihung des Botschaftsgebäudes in Jerusalem, welches bislang ein Konsulatsgebäude war, nimmt eine Delegation des Weißen Hauses teil, zu der Trumps Tochter und Beraterin Ivanka und ihr Ehemann Jared Kushner zählen. Auch Vizeaußenminister John Sullivan und Finanzminister Steven Mnuchin nehmen an der Eröffnungszeremonie teil.

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