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Proteste in Hongkong : Tage des Zorns

Ein Polizist schießt in Hongkong eine Tränengasgranate ab Bild: AP

In Hongkong schaukelt sich die Gewalt immer weiter hoch. Die Polizei setzt auf Härte, und auch die Aktivisten greifen zunehmend zu gefährlichen Taktiken.

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          Die Gewalt in Hongkong eskaliert weiter. Am Sonntagabend ging die Polizei erstmals in einer geschlossenen U-Bahn-Station mit Tränengas gegen Demonstranten vor. Zuvor hatten die Verkehrsbetriebe mitgeteilt, dass in der Station Kwai Fung nur noch leere Züge halten würden, um die dort eingeschlossenen Passagiere abzuholen. Im Internet wurden Videos verbreitet, die mutmaßlich zeigten, wie Polizisten fliehende Aktivisten mit Schlagstöcken eine Rolltreppe herunterprügeln und ein Polizist aus einem Abstand von einem Meter Gummigeschosse auf Demonstranten abfeuert. Nach Berichten lokaler Medien befanden sich die Aktivisten auf dem Weg zu einer nicht genehmigten Versammlung vor einer Polizeistation.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Im Distrikt Wan Chai, einem anderen Teil der Stadt, warfen Demonstranten mit Brandbomben und Pflastersteinen auf Polizisten. Es gab zahlreiche Verletzte auf beiden Seiten. Zwei davon befinden sich nach Angaben der Gesundheitsbehörden in einem kritischen Zustand. In sozialen Netzwerken kursierten Bilder einer Frau, die stark aus einem Auge blutete. Nach Angaben von Aktivisten wurde sie von einem Polizeigeschoss getroffen. Ein Polizist wurde mit Brandverletzungen ins Krankenhaus eingeliefert.

          Festnahmen durch Polizisten in Zivil

          Am Sonntagnachmittag hatten sich zunächst Tausende zu einer genehmigten Demonstration im Victoria-Park versammelt. Zu den Zusammenstößen kam es später, als Aktivisten das von der Polizei für die Demonstration genehmigte Gebiet verließen. Wie schon in der Woche zuvor bewegten sie sich in kleinen Gruppen durch verschiedene Stadtteile, um eine Bündelung von Polizeikräften zu vermeiden.

          Lokale Medien berichteten von zahlreichen Festnahmen durch Polizisten in Zivil, die sich unter die Aktivisten gemischt hätten. Für Verunsicherung sorgten Berichte, wonach die Festgenommenen in ein Untersuchungsgefängnis nahe der Grenze zum chinesischen Festland gebracht worden seien.   

          Die Demonstranten werfen der Bereitschaftspolizei einen exzessiven Einsatz von Gewalt vor und fordern eine unabhängige Untersuchung ihres Vorgehens durch eine richterliche Kommission. Die Regierung lehnt das ab. Zur Begründung heißt es, dies würde die Moral der Polizei schwächen. In der Öffentlichkeit gibt es inzwischen immer mehr Stimmen, die eine  grundlegenden Reform der Polizei verlangen.

          Die befürchteten Zusammenstöße zwischen Bewohnern des Hongkonger Stadtteils North Point und Demonstranten blieb hingegen aus. Der Stadtteil ist dafür bekannt, dass viele der Bewohner die Kommunistische Partei Chinas unterstützten und enge Verbindungen zu ihrer Heimatprovinz Fujian halten. Vor einer Woche war eine Gruppe unbekannter Männer mit Bambusstöcken dort gegen Aktivisten vorgegangen. Seitdem gibt es aus den Reihen der Aktivisten Forderungen nach Rache. Zugleich machten Gerüchte die Runde, ein durch North Point verlaufender Demonstrationszug könnte angegriffen werden. Angesichts massiver Polizeipräsenz kam es aber lediglich zu verbalen Auseinandersetzungen.   

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