https://www.faz.net/-gpf-9q0as

Hongkong in Aufruhr : Legende von den fremdgesteuerten Protesten

Tausende gegen Polizeigewalt: Junge Demonstranten am Montag in der Ankunftshalle des Flughafens Hongkong Bild: dpa

Peking bietet seinen gesamten Propagandaapparat auf, um die Demonstrationen in Hongkong zu diskreditieren – als Verschwörung der Vereinigten Staaten.

          4 Min.

          William Jones ist nicht nur ein gern gesehener Talkshowgast im chinesischen Staatsfernsehen. Er ist auch Washingtoner Bürochef der amerikanischen Zeitschrift „Executive Intelligence Review“, die vor allem dafür bekannt ist, Verschwörungstheorien zu verbreiten. Zu ihren berühmtesten Thesen gehört jene, dass Queen Elizabeth II der Kopf eines internationalen Drogenschmuggler-Kartells sei. Eine andere lautet, Prinzessin Diana sei Opfer eines Mordkomplotts geworden. Auch Kreml-Propaganda greift das Blatt gern auf. Am Montag stellte sich William Jones als Kolumnist in den Dienst der chinesischen Sache. In einem Gastkommentar für die Website des Staatsfernsehens erklärte er dem geneigten Englischsprachigen Publikum, dass niemand anderes als Amerika die verborgene Hand hinter den Protesten in Hongkong sei.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Angesichts der wachsenden ökonomischen Stärke Chinas machten „amerikanische politische Eliten Überstunden, um eine strategische Flanke zu finden“, an der sie China angreifen könnten, schrieb Jones. Eine dieser Flanken sei Hongkong, weil die Stadt als Finanzplatz wichtig für die Finanzierung der neuen Seidenstraße sei. Als „Beleg“ führte Jones unter anderem an, dass die amerikanische Stiftung National Endowment of Democracy (NED) pro-demokratische Kräfte in Hongkong finanziell unterstütze, was freilich für eine politische Stiftung, die sich der Förderung demokratischer Werte verschrieben hat, nicht ungewöhnlich ist. Unter Verschwörungstheoretikern ist es allerdings seit langem üblich, die NED als verlängerten Arm der CIA zu verunglimpfen.

          Jones’ Gastbeitrag ist Teil einer systematischen Kampagne Chinas, die Demonstranten in Hongkong als fremdgesteuert und fremdfinanziert zu diskreditieren. In diese Strategie passt auch der Umgang mit der amerikanischen Diplomatin Julie Eadeh, die sich vergangene Woche mit dem Demokratieaktivisten Joshua Wong getroffen hatte. Pro-Pekinger Medien wie die Zeitung „Ta Kung Pao“ veröffentlichten daraufhin nicht nur Fotos des Treffens, sondern auch persönliche Details wie die Namen der Kinder der Diplomatin. Das State Department sprach von „unverantwortlichen bis gefährlichen“ Berichten. „Die chinesischen Behörden wissen ganz genau, dass unsere akkreditierten konsularischen Mitarbeiter nur ihre Arbeit tun, so wie Diplomaten aus jedem anderen Land“, äußerte die Sprecherin des Außenministeriums in Washington auf Twitter.

          Verbreitung von Falschnachrichten

          Ähnlich war es zuvor schon weniger geschützten Ausländern in Hongkong ergangen. Ein pro-Pekinger Abgeordneter und die Zeitung „Ta Kung Pao“ verbreiteten Bilder und Videos, die den Eindruck vermittelten, die Ausländer seien Agenten, die die Aktionen der Hongkonger Aktivisten per Mobiltelefon steuerten. Darunter war ein Mitarbeiter der „New York Times“ und ein Wissenschaftler, der nun um die Sicherheit seiner Familie fürchtet. Wer es wagt, an dieser Darstellung Zweifel zu äußern, wie der Politikwissenschaftler Zhu Feng von der Nanjing-Universität, wird von den Parteimedien im Internet als „Verräter“ denunziert.

          Weitere Themen

          Türkischer Präsident tobt über Charlie Hebdo Video-Seite öffnen

          Erdogan-Karikatur : Türkischer Präsident tobt über Charlie Hebdo

          Im Streit zwischen der Türkei und Frankreich um Meinungsfreiheit und den Islam streut „Charlie Hebdo“ Salz in die Wunden: Das französische Satireblatt druckt auf der Titelseite eine Karikatur von Recep Tayyip Erdogan ab. Der türkische Präsident schäumt.

          Topmeldungen

          Champions League : Darum ist Dortmund kein absolutes Top-Team

          Der Champions-League-Start ging durch die Niederlage in Rom daneben. Nun steht Dortmund gegen Zenit St. Petersburg schon unter Druck. Mats Hummels glaubt zu wissen, warum es beim BVB noch nicht ganz rund läuft.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.