https://www.faz.net/-gpf-9a4lv

Nach Protesten im Gazastreifen : Erdogan bezeichnet Israels Vorgehen als „Genozid“

  • Aktualisiert am

Gewaltsamer Protest im Gazastreifen: Mindestens 52 Palästinenser sind von israelischen Sicherheitskräften getötet worden. Bild: EPA

An der Grenze zu Israel sind die Proteste gegen die Verlegung der amerikanischen Botschaft nach Jerusalem eskaliert, mindestens 52 Palästinenser wurden getötet. Der türkische Präsident reagiert darauf mit einem schweren Vorwurf.

          Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat das Vorgehen Israels im Gazastreifen als „Genozid“ bezeichnet. „Das was Israel macht, ist ein Genozid. Egal von welcher Seite er kommt, von Amerika oder von Israel, ich verfluche dieses humanitäre Drama, diesen Genozid“, sagte Erdogan nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Montagabend. Der türkische Vizeregierungschef Bekir Bosdag schrieb bei Twitter, die amerikanische Regierung sei genauso wie die israelische Regierung für das „Massaker verantwortlich“. Erdogan ordnete drei Tage Trauer für die am Montag getöteten Palästinenser an.

          Bei Massenprotesten gegen die Verlegung der amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem sind am Montag mindestens 52 Palästinenser getötet worden, wie das Gesundheitsministerium des Gazastreifens mitteilte. Unter den Getöteten sollen sich mindestens acht Kinder unter 16 Jahren befinden, hieß es vom palästinensischen UN-Botschafter in New York. Mehr als 2400 Menschen seien verletzt worden, knapp die Hälfte davon durch Schüsse. Damit wäre es der Tag mit den meisten Todesopfern seit dem Gaza-Krieg 2014. Offenbar flog Israels Luftwaffe am Montag auch einen Angriff auf die radikalislamische Hamas im Gazastreifen, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Armeekreise berichtete.

          Die Bundesregierung zeigte sich besorgt über die jüngsten Entwicklungen. Die Eröffnung der amerikanischen Botschaft in Jerusalem dürfe „kein Anlass sein für Gewalt“, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Montag in Berlin. Zugleich sei auch Israel verpflichtet, „das Prinzip der Verhältnismäßigkeit zu wahren“. Der amerikanische Präsident Donald Trump, der den Botschaftsumzug im Dezember verfügt hatte, sprach in einer Twitternachricht von einem „großen Tag für Israel“. Washington gab der radikal-islamischen Hamas die Schuld an der Gewalt. Die Hamas provoziere absichtlich und zynisch die Reaktion Israels, sagte ein Sprecher des Präsidialamtes.

          Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprach von einem „Massaker“ im Gazastreifen. Er kündigte am Montag eine dreitägige Staatstrauer an. Den neuen Standort der Botschaft nannte Abbas einen „amerikanischen Siedler-Außenposten“. Die umstrittene Botschaftsverlegung fällt zusammen mit den Feierlichkeiten zur Gründung des Staates Israel vor 70 Jahren.

          Als Reaktion auf die tödlichen Gaza-Proteste rief Südafrika seinen Botschafter in Israel zurück. Das Land fordert eine unabhängige Untersuchung der Geschehnisse. Kuwait beantragte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats zu den blutigen Unruhen im Gazastreifen.

          Deutscher Botschafter nahm nicht an Eröffnung teil

          Die Vereinigten Staaten eröffneten am Montagnachmittag ihre Botschaft in Jerusalem – rund 70 Kilometer von den Unruhen in Gaza entfernt. „Vor 70 Jahren hat David Ben Gurion die Unabhängigkeit (des Staates Israel) erklärt“, sagte der amerikanische Botschafter David Friedman. „70 Jahre später gehen die Vereinigten Staaten endlich den nächsten Schritt.“ Dieser historische Moment sei „dem Mut einer Person“ zu verdanken: dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach auf Facebook ebenfalls von „einem historischen Moment“.

          Weitere Themen

          Zehntausende trotzen Demo-Verbot Video-Seite öffnen

          Hongkong : Zehntausende trotzen Demo-Verbot

          In Hongkong sind erneut zehntausende Menschen für ihre demokratischen Rechte auf die Straße gegangen. Die Aktivisten setzten sich wie in der Vergangenheit über ein Demonstrationsverbot hinweg.

          Topmeldungen

          Braunkohlekraftwerk Jänschwalde hinter dem ehemaligen Braunkohletagebau Cottbus-Nord

          Details des Klimapakets : Wer hat’s erfunden?

          Kommenden Freitag soll das Klimapaket beschlossen werden. Um die entscheidenden Details wird bis zuletzt gerungen: Offen ist vor allem die Frage, wie viel die Tonne CO2 kosten soll.
          Der frühere türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu trat am Freitag mit fünf anderen Politikern aus der AKP aus.

          Austritte aus der AKP : Rebellion gegen Erdogan

          Einige prominente Politiker sind aus der türkischen Regierungspartei AKP ausgetreten, um ihre eigenen Bewegungen zu gründen. Für den türkischen Präsidenten Erdogan könnte es eng werden.
          Schild vor dem Trump Hotel in Washington, 21. Dezember 2016

          Klage von Hoteliers : Hat Donald Trump die Verfassung gebrochen?

          Trump schädige ihr Geschäft, indem er Diplomaten nötige, in seinen Hotels abzusteigen, monieren Gaststättenbetreiber. Damit haben sie vor einem New Yorker Gericht einen Etappensieg errungen. Nun könnte der Surpreme Court den Fall an sich ziehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.