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Peking droht Demonstranten : Sie wissen, was sie letztes Wochenende getan haben

Kerzen für die Freiheit: Demonstranten am Sonntag in Peking Bild: Getty

Ein Pekinger Paar spricht nach den Protesten über Wut, Mut, Angst und Risiken. Derweil kündigt die Parteiführung ein hartes Durchgreifen an. Die Polizei greift zur Einschüchterung zum Telefon.

          3 Min.

          Zwei Tage nach den Protesten gegen die Null-Covid-Politik sandte die chinesische Führung eine unmissverständliche Botschaft an die Demonstranten. Die für den Sicherheitsapparat zuständige Parteikommission kündigte an, „gegen kriminelle Handlungen, die die soziale Ordnung stören, hart durchzugreifen“. Der zuständige Parteisekretär Chen Wenqing sprach auch von „Infiltration und Sabotage durch feindliche Kräfte“, um die Demonstranten zu diskreditieren. Er berief sich dabei auf Beschlüsse des Zentralkomitees. Aufhorchen ließ, dass er sagte, die Kommission habe sich in ihrer Sitzung mit den Aufgaben der „nächsten Phase“ befasst. Das klang nach einer länger anhaltenden Repressionskampagne.

          Friederike Böge
          Politische Korrespondentin für China, Nordkorea und die Mongolei.

          Am Montag und Dienstag erhielten zahlreiche Personen, die am Sonntag an einer Kundgebung in Peking teilgenommen hatten, einen Anruf von der Polizei. Manche wurden aufgefordert, eine schriftliche Aussage auf einem Polizeirevier abzugeben. Andere verschwanden. Auch Jake, der hier nur mit seinem englischen Namen genannt werden will, bekam einen Anruf. Und zwar am Montagabend um 23.30 Uhr. „Sie haben gefragt, ob wir bei der Demonstration waren.“ Jake und seine Frau Lisa waren vorbereitet. Mehrere ihrer Freunde hatten vorher schon ähnliche Anrufe bekommen. Offenbar waren ihre Handys während der Versammlung geortet worden. „Ihre Botschaft lautet: ‚Wir wissen, wer du bist und wo du warst‘.“

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