https://www.faz.net/-gpf-a2cyq
Bildbeschreibung einblenden

Proteste in Belarus : Sie umarmen die Soldaten

Eine Demonstrantin umarmt am Freitag in Minsk einen Soldaten. Bild: Reuters

Die Bilder der friedlichen Proteste am Freitag dürften viele Belarussen motivieren, am Wochenende gegen Lukaschenka auf die Straße zu gehen. Selbst die einflussreiche Russische Orthodoxe Kirche ruft das Regime auf, auf Gewalt zu verzichten.

          1 Min.

          In Belarus gehen an diesem Samstag wieder Zigtausende Menschen auf die Straße, um für freie und faire Neuwahlen zu protestieren. Die Bilder vom Freitagabend aus Minsk, wo junge Frauen und auch  einige Männer Soldaten umarmten, die ihre Schilder vor den Demonstrantenmassen senkten; die Bilder Tausender, die sich in Minsk und in vielen anderen Städten des Landes friedlich und fröhlich versammelten,  sie dürften noch einmal viele motivieren, auf die Straßen zu gehen.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Von vielen Seiten erreichen das Regime von Autokrat Aleksandr Lukaschenka Aufrufe, auf Gewalt zu verzichten. Auch von Seiten der einflussreichen Russischen Orthodoxen Kirche, deren Patriarch, Kirill, Lukaschenka noch zur angeblichen Wiederwahl gratuliert hatte. Nun aber sagte Mitropolit Pawel, der Vertreter der Kirche in Minsk, er hoffe, „unsere Macht hört auf die Stimme einfacher Leute und tut alles, um den Frieden auf der gesegneten belarussischen Erde zu bewahren“. Alles andere würde die Leute von ihrer Kirche entfremden.

          Aber Lukaschenka wirkt weiter weltfremd. Er hielt am Freitagabend eine Sitzung seines Sicherheitsrats ab und wiederholte das Mantra, die „Organisatoren“ der Proteste seien „Leute aus dem Ausland“. Vorne in den Reihen der Demonstranten ständen „Leute mit krimineller Vergangenheit“.

          Als Konzession an die Zigtausenden Belarussen, die Gewaltverzicht fordern und über die Bilder in Polizeigewahrsam misshandelter Demonstranten schockiert sind, sagte der Machthaber nur: „Wir sind doch, wie sagt man das hier in dieser Situation, Slawen. Slawen oder nicht Slawen, man kann sagen, russische Leute. Wenn schon ein Mensch hingefallen ist und liegt, dann muss man ihn nicht schlagen. Das heißt, es muss eine bestimmte Bremse geben.“

          Er appellierte aber vor allem an die Belarussen, nicht auf die Straßen zu gehen: „Erinnert euch daran, dass man euch und unsere Kinder als Kanonenfutter benutzt.“ Das aber glauben die allermeisten Belarussen nicht und sie lassen sich davon auch nicht stoppen.

          Ein Demonstrant steckt am Freitag in Minsk Blumen in den Schild eines Soldaten.
          Ein Demonstrant steckt am Freitag in Minsk Blumen in den Schild eines Soldaten. : Bild: AP

          Als erste Großversammlung beginnt an diesem Vormittag die Beerdigung von Aleksandr Tarajkowskij, eines jungen Mannes, der in Minsk am Montag getötet wurde – nach Angaben der Sicherheitskräfte detonierte ein selbstgebauter Sprengsatz in seiner Hand.

          Beobachter vermuteten an dem Tag hingegen, er sei von einer Lärm- und Blendgranate tödlich getroffen worden. Rechercheure des russischen Conflict-Intelligence-Teams äußerten zuletzt den Verdacht, Tarajkowskij sei womöglich von einem Spezialkräfte-Soldaten erschossen worden.

          Weitere Themen

          Dieses Mal war Scholz vorbereitet

          Das letzte Triell : Dieses Mal war Scholz vorbereitet

          Baerbock, Scholz und Laschet hatten nochmals die Chance, ihre Schlagfertigkeit zu zeigen. Der Sozialdemokrat und die Grüne präsentierten sich als Partner von morgen.

          Wechselnde Bündnisse im letzten Triell

          Scholz, Laschet und Baerbock : Wechselnde Bündnisse im letzten Triell

          Laschet und Baerbock wollen Spitzenreiter Scholz mit der Geldwäsche-Affäre in die Ecke drängen. Doch ansonsten liegt eher Rot-Grün als Schwarz-Grün in der Luft. Der Schlagabtausch zum Nachlesen.

          Topmeldungen

          Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet während des Triells

          Das letzte Triell : Dieses Mal war Scholz vorbereitet

          Baerbock, Scholz und Laschet hatten nochmals die Chance, ihre Schlagfertigkeit zu zeigen. Der Sozialdemokrat und die Grüne präsentierten sich als Partner von morgen.
          Ein bedrohlicher Anblick: Die feuerrote Lava schießt in die Höhe.

          Mehrere Eruptionen : Vulkanausbruch auf Kanareninsel La Palma

          Fachleute hatten es befürchtet: Nach vielen kleinen Erdstößen ist ein Vulkan auf La Palma ausgebrochen. Lava und Asche schleudern durch die Luft. Seit Sonntagnachmittag wurden mehrere Tausend Menschen in Sicherheit gebracht.
          Christian Lindner beim FDP-Parteitag am Sonntag in Berlin.

          FDP vor der Wahl : Lindner will Stimmen aus Überzeugung, nicht aus Kalkül

          Die Freidemokraten sinnieren darüber, wer sie wählt und warum. Aus Taktik sollten die Leute nicht für die FDP stimmen, sagt Parteichef Lindner. Doch die Vorzeichen haben sich während des Wahlkampfs dramatisch verändert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.