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Proteste in Belarus : Die Angst ist überwunden

Gläubige verschiedener christlicher Konfessionen nehmen am 13. August an einer friedlichen Prozession in Minsk teil. Auf einem Banner steht: „Wir sind gegen Gewalt.“ Bild: AFP

Ärzte, frühere Soldaten und Frauen mit Kinderwagen: Die Proteste in Belarus greifen auf immer weitere Kreise der Bevölkerung über. Gerät Lukaschenkas Macht nun ins Wanken?

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          Frauen sind ein Problem für Alexandr Lukaschenka. Im Wahlkampf stahl dem belarussischen Autokraten ein Frauen-Trio um die Kandidatin Swetlana Tichanowskaja die Schau, das Regime musste das Wahlergebnis allen Anzeichen nach absurder fälschen als jemals zuvor. Für Lukaschenka verheißt es nichts Gutes, dass nun auch noch der Protest gegen das offizielle Ergebnis und die anschließende Staatsgewalt gegen Demonstranten weiblicher geworden ist.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Das Beispiel einiger hundert Frauen, die am Mittwoch in der Hauptstadt Minsk in Weiß und mit Blumen der Hand eine Menschenkette gegen die Gewalt bildeten, machte schnell Schule: Noch am selben Tag folgten Frauen in weiteren Städten.

          Auch am Donnerstag bildeten sich „Solidaritätsketten“ und entsprechende Märsche in mehreren Teilen von Minsk und in weiteren Städten des Landes. Es geht dabei auch um Solidarität mit den Festgenommenen, nach offiziellen Angaben vom Donnerstag schon mehr als 6700 seit Sonntagabend. Viele der Teilnehmerinnen hatten ihre Kinder dabei, schoben Kinderwagen.

          Das Aufbegehren von Arbeitern ist beispiellos 

          Das durchkreuzt die Pläne des Regimes, das gerade begonnen hatte, einige junge und männliche „Koordinatoren der Massenunruhen“ zu präsentieren, um die übliche Mär von ausländischen Verschwörern erzählen, die sich heimischer, vorbestrafter Taugenichtse bedienten. Und jetzt sollen die Einsatzkräfte gegen Frauen und Kinder mit Blumen vorgehen, denen Passanten zujubeln? Man ließ sie zunächst gewähren.

          Zudem griffen die Protestaktionen auf die Arbeitswelt über. Allen voran auf Ärzte und medizinisches Personal, die direkt mit denjenigen zu tun haben, die durch Gummigeschosse, Knüppelhiebe, Lärm- und Blendgranaten verwundet wurden. Schon am Mittwochabend demonstrierten einige von ihnen vor der Staatlichen Medizinischen Universität. Der Gesundheitsminister kam dazu und bezeichnete die Aktion als inszeniert: Die Mediziner würden „benutzt, um Bilder zu erzeugen und eine gewaltsame Antwort zu provozieren“.

          Ausländische Diplomaten besuchen am 13. August den Ort in Minsk, an dem drei Tage zuvor ein Demonstrant ums Leben gekommen war.
          Ausländische Diplomaten besuchen am 13. August den Ort in Minsk, an dem drei Tage zuvor ein Demonstrant ums Leben gekommen war. : Bild: AFP

          Aber das zieht nicht mehr, am Donnerstag folgten weitere Mediziner, Sanitäter, nicht nur in Minsk; „Ärzte gegen Gewalt“ steht zum Beispiel auf ihren Zetteln. Einige hundert Menschen sind bei den Einsätzen der Sicherheitskräfte nach der Wahl schon verletzt worden, am Mittwochabend wurde bekannt, dass ein zweiter Protesttestteilnehmer zu Tode gekommen ist: In der ostbelarussischen Stadt Gomel starb ein 25 Jahre alter Mann, den ein Gericht zu zehn Tagen Arrest verurteilt hatte, im Krankenhaus.

          Am Donnerstag zeigten die Aufrufe zum Streik, die Oppositionelle seit Tagen verbreiten, erstmals in größerem Umfang Wirkung. Meldungen über einzelne Arbeitsniederlegungen mit Festnahmen hatte es zuvor gegeben, die Lage blieb undurchsichtig. Aber seit Mittwoch läuft das Internet wieder, die Belarussen können sich wieder besser informieren. Prompt wurde aus Staatsbetrieben in vielen Teilen des Landes über Proteste und Streiks berichtet. Die Staatsbetriebe sind eine Säule des Regimes, auch aufgrund der Einbindung ihrer Führungen in die Wahlmanipulationen. So ist das Aufbegehren der Arbeiter nicht nur beispiellos, sondern auch für Lukaschenka äußerst bedrohlich.

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