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Proteste in Albanien : Video belegt tödliche Schüsse von Sicherheitsbeamtem

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Bild: youtube

Bei Protesten in Albanien wurden in der vergangenen Woche drei Demonstranten getötet. Gerüchten zufolge sollten Provokateure unter den Demonstranten die Schüsse abgefeuert haben. Dies wird von einem privaten Video entkräftet: Es zeigt, wie ein Sicherheitsbeamter auf einen Demonstranten schießt.

          Am Freitag vergangener Woche versammelten sich Tausende Demonstranten in der albanischen Hauptstadt Tirana, um gegen „gegen Korruption, Machtmissbrauch und Wahlfälschung“ der Regierung zu protestieren. Erst flogen Steine, dann Molotowcocktails, Einsatzfahrzeuge wurden umgeworfen und in Brand gesteckt. Die Polizei setzte Tränengas, Wasserwerfer und Gummigeschosse ein. Dann fielen die tödlichen Schüsse. Zwei Demonstranten wurden aus der Nähe in die Brust getroffen, ein dritter erlitt eine tödliche Kopfverletzung.

          Das zunächst verbreitete Gerücht, Provokateure unter den Demonstranten hätten die Schüsse abgefeuert, wird von einem privaten Video entkräftet:

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          </p><p/><p>Zu sehen ist, wie ein Sicherheitsbeamter aus einem Kellerfenster des Regierungsgebäudes auf einen Demonstranten schießt, der daraufhin zusammenbricht. Die Generalstaatsanwaltschaft bestätigte bereits, dass gegen Polizisten Haftbefehle ausgestellt worden seien. Der Ablauf der Ereignisse deutet einerseits darauf hin, dass die Anwendung von Gewalt von den Organisatoren der Kundgebung beabsichtigt war; andererseits legt er nahe, dass die Sicherheitskräfte sich nicht um eine Beruhigung der Lage bemühten, sondern ein Exempel statuieren wollten.</p><p><b>FBI-Beamte sollen den Tod der drei Demonstranten untersuchen</b></p><p>Unterdessen sind in Tirana Gerichtsmediziner und Ballistik-Experten der amerikanischen Bundespolizei <a class="rtr-entity" data-rtr-entity="FBI" data-rtr-id="8811d824e113f3f4d4aef1ac2b9bb8d659829d38" data-rtr-score="20.8782201405" data-rtr-etype="organisation" href="#">FBI</a> eingetroffen, die der Staatsanwaltschaft bei der Untersuchung des Todes drei Demonstranten beistehen. Oberstaatsanwältin Ina Rama (die Namensgleichheit mit dem sozialistischen Parteichef ist zufällig) hatte beim amerikanischen Botschafter um diese Unterstützung gebeten, da sie offenbar fürchtet, dass die Ergebnisse ihrer Untersuchungen angefochten werden, wenn sie nicht auch von neutralen internationalen Experten bestätigt würden.</p><p>Berisha hatte die Oberstaatsanwältin der Komplizenschaft mit dem Oppositionsführer bezichtigt, weil sie einen Haftbefehl gegen sechs Führungsoffiziere der Nationalgarde ausgestellt hatte. Der Innenminister ordnete jedoch an, den Befehl nicht zu vollstrecken. Berisha begründete dies damit, dass die Verhaftung der sechs Offiziere die Nationalgarde in einer für den Staat gefährlichen Krise der Führung beraubt hätte.</p><p>Aufnahmen, die am Freitag voriger Woche von verschiedenen Fernsehstationen gemacht wurden, belegen eindeutig, dass die Gewalt nicht von der Polizei, sondern von einer Gruppe von Demonstranten ausging, die mit Stangen und Steinen auf die sich zunächst sehr defensiven Polizisten einschlug. Die zum Teil mit Kapuzen vermummten Schläger versuchten offenbar, Gegengewalt zu provozieren.</p><p><b>Der Schütze vom Video sei Beamter der Republikgarde</b></p><p>Als wichtigstes Beweismittel gegen die Sicherheitskräfte gilt das oben gezeigte Video, das der Fernsehjournalist Artan Hoxha mit seiner Fernsehkamera von einer Terrasse des Hochhauses aufgenommen hat, das dem Regierungsgebäude gegenüberliegt. Hoxha sagte dieser Zeitung, dass er nicht mit der Live-Übertragung der Demonstration beauftragt gewesen sei, sondern nebenbei Aufnahmen von den Operationen der Polizei und der Nationalgarde für seine regelmäßige Sendung machen wollte, die sich mit Sicherheitsproblemen beschäftigt.</p><p>Es habe sich, sagte Hoxha, bei dem Schützen um einen Beamten der Republikgarde gehandelt, einer Sondereinheit zum Schutz des Ministerpräsidenten. Während die im Hof des Regierungsgebäudes versammelten Nationalgardisten in die Luft geschossen hätten, habe der Beamte mit der AK 47 zwei Salven auf Demonstranten gefeuert. Ein Schuss der ersten Salve habe die Hand eines Journalisten durchschlagen, dann sei der Demonstrant in die Brust getroffen worden. Beide Männer hätten sich außerhalb des Geländes des Regierungsgebäudes aufgehalten. An den Aufnahmen überrascht unter anderem, dass das Tor zum Hof geöffnet war.</p><p><b>Trauermarsch in Tirana</b></p><p>Am Freitag fand in der albanischen Hauptstadt Tirana ein Trauermarsch der sozialistischen Opposition für die drei Toten statt. Der sozialistische Parteiführer Edi Rama marschierte in der ersten Reihe. Er hatte trotz der ausdrücklichen Warnung der Polizei und der mehrfach vorgetragenen Bitte des amerikanischen Botschafters Alexander Arvizu und des EU-Emissärs Miroslav Laják, von der Mobilisierung seiner Anhänger abzusehen, an dem Plan für eine Kundgebung mit 200.000 Teilnehmern festgehalten,</p><p>Die Polizei sprach von einer „Bedrohung der nationalen Sicherheit“ und gab an, sie könne die Verantwortung für einen friedlichen Verlauf nicht übernehmen. Anders als bei den Vorfällen vor einer Woche war der Sitz des Ministerpräsidenten diesmal schwer bewacht. Ministerpräsident Sali Berisha hatte eine für Samstag angekündigte Demonstration seiner Anhänger am Dienstag abgesagt.</p>

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