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Proteste in Russland : Zehntausende demonstrieren für Nawalnyj

  • Aktualisiert am

Polizisten stehen bei einer Demonstration für die Freilassung des Kremlkritikers Nawalnyj am Samstag in Sankt Petersburg Wache. Bild: dpa

Bei den Protesten für die Freilassung des Kremlkritikers werden landesweit nach Angaben von Bürgerrechtlern mehr als 1600 Menschen festgenommen. Unter ihnen ist offenbar auch die Frau Nawalnyjs, wie sie auf Instagram mitteilte.

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          Zehntausende Menschen haben in Russland für eine Freilassung des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalnyj demonstriert. Allein in Moskau versammelten sich nach Schätzungen von Reuters-Reportern am Samstag mindestens 40.000 Anhänger des Oppositionspolitikers zu einer größten unerlaubten Demonstrationen seit Jahren. Das Innenministerium sprach von lediglich 4000 Demonstranten im Zentrum der Hauptstadt. Die Polizei ging vielfach gewaltsam gegen die Proteste in rund 70 Städten vor und nahm nach Angaben der Beobachtergruppe „OVD.info“ landesweit mehr als 1600 Menschen fest. Nawalnyj hatte seine Anhänger zu den Demonstrationen aufgerufen.

          Unter den Festgenommenen in Moskau war auch Nawalnyjs Ehefrau Julia Nawalnaja, wie sie auf Instagram mitteilte. „Bitte entschuldigt die schlechte Bildqualität. Es ist sehr dunkel im Polizeiwagen“, schrieb sie zu einem von ihr veröffentlichten Foto. Es sollte sie in einem Gefangenentransporter der Polizei in der russischen Hauptstadt zeigen. Auch Nawalnyjs engste Mitarbeiterin, die Juristin Ljubow Sobol, wurde festgenommen. Seine Mutter Ljudmila nahm ebenfalls an der Demonstration teil.

          Demonstranten äußerten ihren Unmut über Präsident Wladimir Putin. Sie riefen „Putin ist ein Dieb“, „Schande“ und „Freiheit für Nawalnyj“. Nawalnyj hat immer wieder Korruption in Russland angeprangert. Nawalnyjs Team hatte Anfang der Woche unter dem Titel „Ein Palast für Putin“ ein Enthüllungsvideo veröffentlicht, das beweisen soll, dass der Präsident sich aus Schmiergeldern ein „Zarenreich“ am Schwarzen Meer bauen ließ. Der Kreml bezeichnete die Vorwürfe in dem mehr als 67 Millionen Mal angeklickten Film als „Unsinn“ und „Lüge“.

          Proteste in mehr als 90 Städten geplant

          Unter den Zehntausenden Protestierenden waren am Samstag viele junge Leute und Angehörige der Mittelschicht. Anders als bei nicht genehmigten Kundgebungen in der Vergangenheit war der zentrale Puschkin-Platz nicht weiträumig abgesperrt. Aktivisten beklagten eine Drosselung des Internets.

          Nawalnyjs Anhänger hatten für diesen Samstag in mehr als 90 russischen Städten zu Protesten aufgerufen. Sie fordern die Freilassung des Oppositionellen, der am Montag in einem umstrittenen Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt worden war. Nawalnyj soll gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben, während er sich in Deutschland von einem Giftanschlag erholte. Der 44 Jahre alte Oppositionelle und sein Team sehen das Vorgehen der Justiz als politisch motiviert an.

          Nawalnyj sitzt nun im berüchtigten Hochsicherheitsgefängnis Matrosskaja Tischina, in dem bereits mehrere Oppositionelle zu Tode kamen. Sein enger Verbündeter Leonid Wolkow sagte der F.A.S. im Interview, es sei in Russland schon vorgekommen, dass Oppositionelle zwei Mal hintereinander vergiftet worden seien. Die russische Zivilbevölkerung rief er deshalb zum Protest auf. „Der einzige Schutz“ für Nawalny seien „maximale Sichtbarkeit und Unterstützung in der Bevölkerung“.

          Das vollständige Interview mit Nawalnyjs Stabschef Leonid Wolkow können Sie hier (mit Fplus) nachlesen.

          „Einer für alle, alle für einen“: Pro-Nawalnyj-Protestler am Samstag in Moskau
          „Einer für alle, alle für einen“: Pro-Nawalnyj-Protestler am Samstag in Moskau : Bild: Reuters

          Die russischen Behörden drohen mit hohen Strafen für die Teilnahme an den nicht genehmigten Kundgebungen am Samstag. In den vergangenen Tagen waren bereits zahlreiche Mitstreiter des Oppositionspolitikers festgenommen worden.

          Nawalnyj macht Kremlchef Putin und den Inlandsgeheimdienst FSB für den Anschlag mit dem Nervengift Nowitschok im August verantwortlich. Putin und der FSB weisen das zurück.

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