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Anti-Rassismus-Proteste : China und Iran werfen Amerika Doppelmoral vor

  • Aktualisiert am

Auf der Straße: Demonstranten in New York. Bild: AFP

Die heftigen Proteste in Hongkong und Iran gegen die Obrigkeiten hat die Regierung Trump begrüßt. Nun folgt die Retourkutsche aus Peking und Teheran.

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          China und Iran haben die von schweren Ausschreitungen begleiteten Anti-Rassismus-Proteste in den Vereinigten Staaten für Kritik an Washington genutzt. Der Rassismus sei „eine chronische Krankheit der amerikanischen Gesellschaft“, sagte ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums am Montag in Peking. Teheran forderte Washington auf, „die Gewalt“ gegen die eigene Bevölkerung zu beenden.

          „An die amerikanische Bevölkerung: Die Welt hat Ihren Aufschrei über diese Unterdrückung gehört. Die Welt steht an Ihrer Seite“, sagte der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Abbas Mussawi, in Teheran. „Und an die amerikanischen Beamten und Polizisten: Stoppen Sie die Gewalt gegen Ihr Volk und lassen Sie ihm Luft zum Atmen“, fügte er in Anlehnung an die letzten Worte des bei einem brutalen Polizeieinsatz in Minneapolis getöteten Schwarzen George Floyd hinzu, der mehrfach gesagt hatte, er könne nicht mehr atmen.

          Mussawi beschuldigte den Erzfeind Amerika auch, friedliche Demonstranten „mit äußerster Gewalt wahllos zu unterdrücken“. Die Vereinigten Staaten übten „Gewalt und Mobbing im In- und Ausland“ aus.

          Die Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und Iran haben seit dem amerikanischen Rückzug aus dem Internationalen Atomabkommen 2018 deutlich zugenommen. Im November hatten die Vereinigten Staaten Iran nach tödlichen Protesten gegen steigende Benzinpreise scharf kritisiert.

          Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums, Zhao Lijian, sagte in Peking, die nach dem Vorfall entbrannten Unruhen zeigten „die Schwere der Probleme von Rassismus und Polizeigewalt in den Vereinigten Staaten“. Die Reaktion der amerikanischen Regierung auf die Anti-Rassismus-Proteste sei ein „Lehrbuchbeispiel für ihre weltberühmte Doppelmoral“, sagte er und verglich dabei die Demonstranten in den Vereinigten Staaten mit den pro-demokratischen Demonstranten in Hongkong.

          Im Streit um die Zukunft Hongkongs nutzten auch chinesische Staatsmedien am Wochenende die Ausschreitungen in den Vereinigten Staaten für Kritik an Washington. „Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, hat die gewaltsamen Proteste in Hongkong einst als ’schönen Anblick’ bezeichnet - nun können die amerikanischen Politiker diesen Anblick von ihren eigenen Fenstern aus genießen“, schrieb der Chefredakteur der staatlichen chinesischen Boulevardzeitung „Global Times“, Hu Xijin.

          Der unbewaffnete Floyd war am vergangenen Montag gestorben, nachdem der weiße Polizist Derek Chauvin ihm fast neun Minuten lang sein Knie in den Nacken gedrückt hatte. Vergeblich stöhnte der Afroamerikaner, dass er keine Luft bekomme, bevor er bewusstlos wurde und später im Krankenhaus verstarb. Ein Video des Vorfalls löste landesweites Entsetzen aus. Seither kommt es landesweit zu schweren Ausschreitungen.

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