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Protest gegen Koran-Verbrennung : Toter vor Bundeswehrstützpunkt

  • Aktualisiert am

Demonstration im afghanischen Dschalalabad Bild: dapd

Wegen der von einem amerikanischen Pastor angedrohten Koran-Verbrennung ist es in Afghanistan zu Protesten gekommen. Vor dem Bundeswehr-Feldlager in Faisabad wurde ein Demonstrant erschossen. Der Pastor hat die Verbrennung abgesagt.

          Wegen der angekündigten Koran-Verbrennung in den Vereinigten Staaten ist es am Freitag zu schweren Unruhen in Afghanistan gekommen. In mehreren Teilen des Landes gingen tausende Afghanen nach den Gebeten zum Ende des Fastenmonats Ramadan auf die Straße. Bei Krawallen dem Bundeswehr-Feldlager im nordostafghanischen Faisabad nach Regierungsangaben ein Demonstrant erschossen. Zehn weitere Personen seien verletzt worden, darunter waren auch fünf Polizisten.

          Ein Sprecher der Regierung der Provinz Badachschan sagte, afghanische Polizisten hätten das Feuer eröffnet, nachdem das Camp mit Steine beworfen worden sei. Nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr in Geltow bei Potsdam wurden bei den Protesten vor dem Feldlager acht Demonstranten und zwei afghanische Polizisten verletzt. Bundeswehrsoldaten seien nicht beteiligt gewesen, sagte ein Sprecher. Die Zahl der Demonstranten bezifferte der Sprecher auf mehrere Hundert.

          Augenzeugen berichteten dagegen nach Angaben von Nachrichtenagenturen von bis zu 10.000 Demonstranten, die zum Feldlager gezogen seien. Der äußere Sicherungsring um Bundeswehr-Camps in Afghanistan wird immer von afghanischen Sicherheitskräften bemannt. Damit soll vermieden werden, dass in Fällen wie diesem deutsche Soldaten gezwungen sind, auf afghanische Zivilisten zu schießen. Polizeichef Kentus sagte, die Demonstration sei aufgelöst worden. Die Lage sei unter Kontrolle. Auch aus weiteren Provinzen wurden Demonstrationen gegen angekündigte Koran-Verbrennung gemeldet.

          Terry Jones mit Imam Mohammed Musri bei einer gemeinsamen Erklärung in Gainesville

          Koran-Verbrennung vorerst „nicht geplant“

          Unterdessn hat der Pastor einer fundamentalistischen christlichen Splittergruppe in Florida nach einem Treffen mit einem muslimischen Imam in seiner Kirche in Gainesville und einem Telefongespräch mit Verteidigungsminister Robert Gates die für diesen Samstag geplante Verbrennung von mindestens 200 Exemplaren des Korans abgesagt.

          Pastor Terry Jones stiftete aber fortgesetzt Verwirrung mit der Behauptung, im Gegenzug zum Verzicht auf die Bücherverbrennung habe er von Imam Feisal Abdul Rauf in Manhattan die Zusage erhalten, das von diesem geplante Gemeindezentrum mit einer Moschee werde nicht in der Nähe von „Ground Zero“, sondern an einem anderen Ort gebaut.

          Pastor Jones hatte am Donnerstagabend zunächst erklärt, er habe die Koranverbrennung abgesagt, weil ihm der Imam einer islamischen Gesellschaft in Gainesville, Muhammad Musri, zugesichert habe, das islamische Zentrum nahe der Stelle, an der am 11. September 2001 das „World Trade Center“ zerstört wurde, werde nun anderswo gebaut. Musri widersprach dieser Darstellung und sagte, er habe sich lediglich bereit erklärt, ein Treffen zwischen Jones und Imam Rauf in Manhattan zu vermitteln. Imam Rauf versicherte, er werde „weder mit unserer Religion noch mit irgendeiner anderen einen Tauschhandel machen“.

          Keine juristische Handhabe gegen Koranverbrennung

          Zuvor hatte der New Yorker Immobilienentwickler Donald Trump den Bauherren des geplanten islamischen Gemeindezentrums angeboten, das von diesen für den Bau vorgesehene Grundstück mit einem Preisaufschlag von 25 Prozent zu kaufen, wenn diese im Gegenzug die Moschee mindestens fünf Straßenblocks von „Ground Zero“ entfernt bauten. Nach Umfragen sind gut zwei Drittel der Amerikaner gegen den Bau der Moschee an dem geplanten Ort.

          Obwohl Jones nun einen Verzicht auf die Aktion ankündigte, äußerten sich muslimische Politiker weiter empört. „Nun, obwohl wir erfahren haben, dass sie das doch nicht tun wollen, sagen wir ihnen, dass sie nicht einmal daran denken sollten“, sagte Afghanistans Staatschef Hamid Karsai. Der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono warnte, solch ein Vorhaben gefährde „den Frieden und die internationale Sicherheit“. Indonesien hat die größte muslimische Bevölkerung der Welt.

          Die amerikanischen Behörden haben gegen die Aktion keine juristische Handhabe, da „Gotteslästerung“ nach der amerikanischen Verfassung unter dem Schutz der Meinungsfreiheit fällt. (Siehe auch: Geplante Koran-Verbrennung: Darf der das?)

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