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Prostitution in Indonesien : Die Reinemachefrau von Surabaya

Der Islam in Indonesien ist gemäßigt, doch der Widerstand gegen „Dolly“ wächst. Bild: REUTERS

Die Bürgermeisterin von Indonesiens zweitgrößter Stadt wird für ihre Erfolge gefeiert. Doch nun will sie das berühmte Rotlichtviertel „Dolly“ schließen. Es regt sich sanfter Widerstand.

          6 Min.

          Anita lässt sich auf das zerschlissene Sofa fallen. Sie schüttet warmes Bier in schmierige Gläser. Eine Händlerin tischt Melonenstücke und Litschis auf. Es wird geredet, gelacht. Es ist ein Ritual, mit dem sich die Gäste in Stimmung bringen. Doch nun ist ausnahmsweise einmal nicht das Ziel, in Verhandlungen über Anitas Körper einzutreten. Es geht um Fragen der Politik, genauer gesagt, um die Pläne der populären Bürgermeisterin Surabayas, den berühmten Rotlichtbezirk der zweitgrößten indonesischen Stadt zu schließen. „Wirklich? Dann muss es Geld geben. Ich bin Witwe und muss zwei Kinder ernähren“, sagt Anita. Sie schaut mit großen Augen ihre Gäste an. „Vielleicht könnte ich ein kleines ‚Warung‘ aufmachen, ein kleines Geschäft“, meint die 35 Jahre alte Prostituierte.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Die Bürgermeisterin, von der die Rede ist, heißt Tri Rismaharini. Genannt wird sie nur Ibu Risma. „Ibu“ bedeutet „Mutter“ auf Bahasa Indonesia und ist eine höfliche Art, eine Frau anzureden. In den mehr als drei Jahren, in denen Tri Rismaharini die Verwaltung der Stadt leitet, hat sie sich auch landesweit einen Namen gemacht. „Sie ist sehr gut. Wir haben sie zu einer der sieben vielversprechendsten lokalen Politiker gekürt“, sagt Bambang Harymurti, der Chefredakteur des angesehenen Nachrichtenmagazins „Tempo“. Tri Rismaharini sei die erste Frau Indonesiens, die bei direkten Wahlen zur Bürgermeisterin bestimmt wurde. Auf die Frage dieser Zeitung, wie sie es in der von Männern dominierten Politik Indonesiens geschafft habe, weicht sie allerdings aus: „Ich bin keine Politikerin, ich war Beamtin und weiß, wie man dem Volk dient“, sagt sie.

          Kostenlose Schulausbildung für arme Menschen

          Die Politik selbst war erst etwa im Jahr 2005 auf die Architektin aufmerksam geworden. Damals leitete sie eine Abteilung, die für die Gärten und Grünflächen der Stadt zuständig ist. Sie begrünte hässliche Brachflächen und brachte vernachlässigte Parks auf Vordermann. Aus Surabaya, das ein holländischer Schriftsteller einst als „schmutzige Stadt voller Anmaßungen und Gier“ bezeichnet hatte, wurde die „Stadt der Millionen Parks“. In ihrer seit dem Jahr 2010 laufenden Amtszeit hat sie den Armen unter den drei Millionen Stadtbewohnern eine kostenlose Schulausbildung und Krankenversorgung ermöglicht. Eine internationale Organisation wählte sie im Februar dieses Jahres zum Bürgermeister des Monats. Ein deutscher Geschäftsmann, der die Stadt seit Jahrzehnten bereist, lobt die Bürgermeisterin: Vor ihrer Amtszeit habe man noch über die auf der Straße liegenden Armen herübersteigen müssen.

          Dabei erinnert der Name Surabaya die meisten in Deutschland wohl nach wie vor an die süßlich-dreckige Exotik, die dem Gassenhauer „Surabaya-Johnny“ von Kurt Weill und Bertolt Brecht einst zu seiner Popularität unter Chanson-Sängerinnen verhalf. „Surabaya-Johnny, warum bist du so roh? / Surabaya-Johnny, mein Gott, ich liebe dich so“, lautete damals der Refrain. Im Lied beschuldigt ein Mädchen ihren „Johnny“, nicht weniger als ein Schuft zu sein. Die Assoziationen, mit denen der Text spielt, passen wohl auch noch recht gut zu den Vorgängen in „Dolly“, dem angeblich größten Rotlichtbezirk Südostasiens. Er wurde nach einer holländischen Dame benannt, die an diesem Ort einst ein Bordell für die niederländischen Soldaten betrieben haben soll.

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