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„Pro Pope Francis“ : Eine Kampagne für den Papst zieht Kreise

  • Aktualisiert am

Papst Franziskus winkt am 8.Dezember 2017 in Rom aus dem Fenster eines Autos. Bild: dpa

Früher forderten katholische Traditionalisten stets die Treue zum Papst ein. Nicht so beim jetzigen Amtsinhaber. Dagegen regt sich nun Widerstand.

          Unterschriften sammeln für den Papst? Das ist eine recht ungewöhnliche Aktion, die seit einigen Wochen für Aufsehen sorgt. Rund 63.000 Gläubige, darunter viele prominente Namen, haben sich der Online-Petition „Pro Pope Francis“ bisher angeschlossen.

          In einem offenen Brief bitten sie den Papst darum, von seinem Reformkurs nicht abzuweichen. Und sie loben seine „theologisch wohlbegründete Amtsführung“.

          Genau daran gibt es Zweifel. Konservative Bischöfe und Kardinäle warfen dem Papst vor, mit seinem Familienschreiben „Amoris Laetitia“ (2016) die traditionelle Lehre der katholischen Kirche zu verwischen. Franziskus machte darin den Weg frei für die Zulassung wiederverheirateter Geschiedener zur Kommunion.

          Mehr als 60 katholische Priester und Gelehrte beschuldigten ihn daraufhin der Häresie, also der Leugnung einer Glaubenswahrheit. Unter einem Pseudonym erschien im Internethandel jetzt auch ein Buch, das den Papst als „Diktator“ darstellt, der Kritiker mundtot mache und desorganisiert sei. Es gibt schönere Geschenke zum 81. Geburtstag, den Franziskus am Sonntag feierte.

          Für Aufregung sorgte zuletzt auch eine Interviewäußerung des Papstes: Die Vaterunser-Bitte „Und führe uns nicht in Versuchung“ sei „keine gute Übersetzung“, sagte er Anfang Dezember. „Lass mich nicht in Versuchung geraten“ träfe es besser. Kritiker warnen nun davor, das wichtigste Gebet des Christentums, das laut Bibel von Jesus selbst gesprochen wurde, dem Zeitgeist anzupassen.

          Nur kleine Gruppe widersetze sich Papst

          Kritik am Papst sei natürlich zulässig, meint der Initiator der Unterschriftenaktion, der Pastoraltheologe Prof. Paul Zulehner, der viele Jahre an der Universität Wien gelehrt hat. „Aber die Kritiker übernehmen sich maßlos.“ In der Öffentlichkeit sei der Eindruck entstanden, dass eine Mehrheit in der Kirche dem pastoralen Kurs des Papstes nicht mehr folge. Tatsächlich handele es sich aber nur um eine kleine lautstarke Gruppe, die sich der Öffnung der Kirche zur Welt widersetze.

          So sieht das auch der ehemalige Regensburger Dogmatikprofessor Wolfgang Beinert, einer der Unterzeichner von „Pro Pope Francis“: „Mindestens zwei Drittel der Bischöfe in Deutschland sehen klar, dass sich bestimmte Glaubensvorgaben ändern müssen, weil die Zeiten sich geändert haben. Nicht nur in Deutschland ist auch die Mehrheit aller Katholiken für eine aufgeschlossene Haltung.“

          Letztlich gehe es um die Frage, „ob die Kirche versteinert in ihren bisherigen Festlegungen einschließlich der Dogmen oder ob sie diese flexibel deutet und an die jeweiligen Umstände der Zeit anpasst“.

          Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, unterstützt die Kampagne ebenfalls. Allerdings findet er es „schade, um nicht zu sagen fatal, dass es eine solche Kampagne überhaupt geben muss“.

          „Papst hat nicht an Autorität verloren“

          Unterschrieben haben auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Rottenburger Weihbischof Matthäus Karrer. Doch die meisten katholischen Bischöfe scheuen diese Art der Solidaritätsbekundung. Gehorsam gegenüber dem Papst ist für sie offiziell ja auch eine Selbstverständlichkeit. Zudem gibt es die Sorge, die Aktion könne den Eindruck erwecken, der Papst sei schwer angeschlagen und dringend auf Unterstützung angewiesen.

          „Ich kann nicht feststellen, dass der Papst an Autorität im Vatikan verloren hat“, betonte am Freitag der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx. „Er ist einer, der regiert. (...) Es gibt aus den ganz konservativen Kreisen scheinbar einige, die das nicht akzeptieren wollen.“ Marx ergänzte: „Mir macht es etwas Sorge, dass diese Kritik sehr auf die Reputation einer Person ausgerichtet ist.“

          Im März hat Franziskus sein fünftes Amtsjubiläum. Schon jetzt ziehen manche eine Bilanz seines Pontifikats. Ob er sich mit seinem Kurs durchsetzen wird? „Ich denke ja, weil der Kirche keine Alternative bleibt“, sagt Beinert. „Sie hat eigentlich nur die Wahl, entweder zur Großsekte zu degenerieren oder weiter Weltkirche zu sein.“

          Aus der Online-Petition, die im Frühjahr abgeschlossen wird, soll daher eine größere Bewegung zur Erneuerung der Kirche entstehen.

          Dies erinnert an die Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“, die im Herbst 1995 einige Reformforderungen erhoben hatte. Damals unterschrieben allein in Deutschland fast 1,5 Millionen Katholiken. Von einer solchen Zahl ist „Pro Pope Francis“ noch weit entfernt.

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