https://www.faz.net/-gpf-a0ugv

Amerikanische Eliteuniversität : Princeton streicht Woodrow Wilsons Namen

  • Aktualisiert am

Auf dem Campus der Princeton-Universität (Archivbild) Bild: AP

Amerikas Eliteuniversität Princeton hat den Namen des ehemaligen Präsidenten Woodrow Wilson von seinem Politik-Institut entfernt. In der Begründung hieß es, Wilson stünde für ein „rassistisches Denken“ und eine „rassistische Politik“.

          2 Min.

          Die amerikanische Eliteuniversität Princeton im Bundesstaat New Jersey streicht den Namen des ehemaligen Präsidenten Woodrow Wilson von seiner angesehenen Schule für Public Policy (ähnlich der deutschen Politikwissenschaft) und einem Internat. Zur Begründung hieß es, der ehemalige Präsident der Vereinigten Staaten sei aufgrund seines „rassistischen Denkens und seiner rassistischen Politik“ ein „unangemessener Namensgeber“ für die beiden Einrichtungen. Der politische Fachbereich der Princeton-Universität wird nun in „Princeton School of Public and International Affairs“ umbenannt.

          Der Demokrat Wilson hatte von 1902 bis 1910 die Rolle des Präsidenten der amerikanischen Eliteuniversität inne, bevor er 1912 die Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten gewann und bis 1921 der 28. Präsident Amerikas war. Ein Kuratorium der Ivy-League, einer zusammengeschlossenen Kommission der amerikanischen Eliteuniversitäten, entschied nun, dass Wilsons Name nicht mit der Schule in Verbindung stehen solle. „Wilsons Rassismus war bedeutend und folgenschwer, selbst nach den Maßstäben seiner Zeit“, sagte der Präsident der Princeton-Universität, Christopher L. Eisgruber, in einer Erklärung. Darin heißt es weiter: „Er (Wilson, Anm. d. R.) segregierte den föderalen öffentlichen Dienst, nachdem er bereits jahrzehntelang rassisch integriert war, und warf damit die Vereinigten Staaten in seinem Streben nach Gerechtigkeit zurück. Er hat die anhaltende Praxis des Rassismus in diesem Land nicht nur geduldet, sondern sie noch verstärkt, eine Praxis, die bis heute Schaden anrichtet.“

          Princeton habe Wilson nicht wegen seines Rassismus geehrt, habe sich davon aber nicht abhalten lassen, so Eisgruber weiter. „Das jedoch ist letztlich das Problem. Princeton ist Teil eines Amerikas, das Rassismus zu oft gering geschätzt, ignoriert oder entschuldigt hat.“ Dies habe das Andauern von „Systemen, die gegen Schwarze diskriminieren, erlaubt“, sagte der Präsident der Hochschule.

          Wilson, auf dessen Initiative hin die Gründung des Völkerbunds geschah, galt auch als ein Präsident, der die Südstaaten unterstützte. Er brachte viele Südstaatler in politische Ämter und versuchte, die Wahlrechtsbenachteiligungen der Schwarzen fortzuführen. Wie in der Begründung der Hochschule zu lesen, galt Wilson weiterhin als Befürworter und Unterstützer der Segregation, der Rassentrennung. Er führte innerhalb von Bundesbehörden und im Militär trotz Protesten die Rassentrennung wieder ein.

          Princeton, 1776 gegründet, ist die viertälteste Universität Amerikas. Als eine der ältesten Universitäten der Vereinigten Staaten hat die Eliteuniversität eine bewegte Geschichte hinter sich – vor allem hinsichtlich Rasse und Geschlecht. Die ersten schwarzen Studenten wurden 1945 aufgenommen, Jahrzehnte nach anderen Ivy League-Schulen. Frauen wurden erst 1969 als Studentinnen zugelassen – selbst dann noch gegen den Widerstand einiger ehemaliger Studenten, berichtet der Nachrichtendienst Bloomberg.

          Noch 2016 hatte das Gremium der Ivy-League eine Umbenennung des Politik-Instituts trotz Protesten von Studierenden abgelehnt. Der Tod George Floyds bei einem brutalen Polizeieinsatz habe aber eine neue kritische Auseinandersetzung mit dem Thema Rassismus hervorgerufen, erklärte Eisgruber, nachdem abermals zwei Studierendengruppen Forderungen nach antirassistischen Aktionen an der Universität einbrachten.

          Seit Floyds Tod vor gut einem Monat und den darauffolgenden Massenprotesten gegen Polizeigewalt und Rassismus haben in den Vereinigten Staaten bereits viele Institutionen und Firmen Umbenennungen angestoßen. Im südlichen Bundesstaat Mississippi debattierten Abgeordnete eine Änderung der seit 1894 gültigen Flagge des Staates, weil diese an die einstigen Sklavenhalter des Südens, die Konföderierten, erinnert. Gouverneur Tate Reeves erklärte am Samstag, er werde das Gesetz unterschreiben, wenn die Abgeordneten für eine Änderung stimmten.

          Weitere Themen

          Der Rassentrenner

          FAZ Plus Artikel: Woodrow Wilson : Der Rassentrenner

          Ein Vorfall aus dem Jahre 1914 lässt den Schluss zu, dass Präsident Woodrow Wilson auch eine „dunkle Seite“ hatte. Er trat vehement für die Rassentrennung ein. Seine Universität zieht Konsequenzen.

          Topmeldungen

          Ein provisorisches Krankenhaus für die Corona-Infizierten in der Stadt Lleida.

          Corona- und Wirtschaftskrise : Spaniens Kampf ums Überleben

          Das südeuropäische Land muss wegen des heftigsten Corona-Ausbruchs seit der Öffnung neue Ausgangssperren verhängen. Und auch wirtschaftlich sieht es düster aus: Ministerpräsident Sánchez kämpft um die Kredite und Zuschüsse der EU.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.