https://www.faz.net/-gpf-9p4q1

Presseschau zu von der Leyen : „Die deutsche Tradition der Kunst des Kompromisses“

  • Aktualisiert am

Im Schloss Bellevue erhielt die neugewählte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihre Entlassungsurkunde als Verteidigungsministerin. Bild: dpa

Europäische Medien sehen Ursula von der Leyen als gute Wahl für eine stabile EU. Aber auch die knappe Mehrheit in Straßburg für die künftige EU-Kommissionspräsidentin wird thematisiert.

          2 Min.

          Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ lobte die „echte europäische Identität“ von Ursula von der Leyen, die die Unterstützung vieler Staats- und Regierungschefs genieße. „Europa hat das Spitzenkandidatenprinzip in diesem Jahr geschwächt - aber seine Führung wird in den nächsten Jahren womöglich so modern und stark sein, wie nie zuvor.“

          Etwas verhaltener wertet die „Neue Osnabrücker Zeitung“ die Wahl der künftigen Kommissionspräsidentin als „nicht falsch, aber auch nicht befriedigend“. „Etlichen ging es nicht darum, die Ex-Verteidigungsministerin auf den Thron zu heben, sondern eine Destabilisierung Europas zu verhindern“, heißt es weiter.

          Brückenbauerin oder Hinterzimmerpolitikerin?

          Einige europäische Medien halten die Deutsche ebenfalls für eine gute Wahl. So auch die linksliberale slowakische Tageszeitung „Pravda“, laut der die überzeugte Europäerin ihre fehlende Regierungserfahrung mit ihrer Erfahrung in den internationalen Beziehungen ausgleiche. Auch ein Kommentar der rechtsliberalen dänischen Tageszeitung „Jyllands-Posten“ lobt die Deutsche als eine gute Wahl. „Sie ist kompetent, zuverlässig und steht in der deutschen Tradition der Kunst des Kompromisses. Das kann die EU mehr denn je gebrauchen.“ Ihre knappe Wahl sei kein Zeugnis ihrer fehlenden Qualifikationen, sondern der Zersplitterung der EU-Länder, schrieb die dänische Zeitung.

          Die tschechische, konservative Zeitung „Lidove noviny“ schrieb, dass von der Leyen es in ihrem kurzen Wahlkampf allen Parteien recht gemacht habe. „Als Ursula von der Leyen um Unterstützung warb, erschien sie nicht als Siegerin der Wahl, sondern vielmehr als diejenige, die sich bei allen einschmeicheln muss.“

          Als „Brückenbauerin“, ohne deren Fähigkeiten zur Kompromissfindung Stillstand drohe, sieht der Züricher „Tages-Anzeiger“ die künftige Kommissionspräsidentin. „Die Zeiten, in denen die EU von einer informellen großen Koalition von Konservativen und Sozialdemokraten gesteuert wurde, sind vorbei. Die neuen Mehrheiten sind fragil. Ursula von der Leyen sieht sich mit Maximalforderungen konfrontiert, hat in ihrer Bewerbungsrede viel versprochen.“

          Die knappe Mehrheit für die CDU-Politikerin bemängelte die belgische Zeitung „De Standaard“. Der „Schatten der Hinterzimmerpolitik“ würde noch lange über der Präsidentschaft von der Leyens liegen.

          Die italienische Zeitung „La Republica“ beschäftigte sich mit der Rolle der SPD bei der Wahl von der Leyens. „Traurig, einsam und final. Das, was für die SPD ein wilder und trotziger Schützengraben sein sollte - die Weigerung, für Ursula von der Leyen zu stimmen - hat sich erneut in einen Abgrund verwandelt, in den sich eine Partei in totaler Konfusion mit dem Kopf voran gestürzt hat. Damit riskiert sie in Berlin eine schwerwiegende Regierungskrise.“

          Weitere Themen

          Giffey will Bürgermeisterin von Berlin werden

          Wahl zur SPD-Landeschefin : Giffey will Bürgermeisterin von Berlin werden

          Franziska Giffey und Raed Seleh werden zu neuen Vorsitzenden der Berliner SPD gewählt. Die Bundesfamilienministerin kündigt an, bei der Bürgermeisterwahl anzutreten. Bei dem Parteitag wird auch klar: Andere Optionen hat die SPD nicht.

          Überlebende berichten Video-Seite öffnen

          Massaker in Tigray : Überlebende berichten

          Beim Überfall auf die Stadt Mai-Kadra in der Konfliktregion Tigray sind hunderte Zivilisten getötet worden. Ein Überlebender berichtet von dem Angriff. Unklar ist, wer für das Blutbad verantwortlich ist.

          Topmeldungen

          Franziska Giffey: Möchte die Berliner mit dem Thema Innere Sicherheit überzeugen.

          Wahl zur SPD-Landeschefin : Giffey will Bürgermeisterin von Berlin werden

          Franziska Giffey und Raed Seleh werden zu neuen Vorsitzenden der Berliner SPD gewählt. Die Bundesfamilienministerin kündigt an, bei der Bürgermeisterwahl anzutreten. Bei dem Parteitag wird auch klar: Andere Optionen hat die SPD nicht.
          Elektronenmikroskopische Aufnahme des neuartigen Coronavirus (SARS-CoV-2), das Covid-19 verursacht

          Coronavirus : Mehr als 21.600 Neuinfektionen in Deutschland

          Das RKI meldet 379 Todesfälle binnen 24 Stunden. Am Freitag wurde die Marke von einer Million Covid-19-Fällen in Deutschland überschritten. Die Zahl der Neuinfektionen liegt unter dem Stand der Vorwoche.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.