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Presseschau zu von der Leyen : „Die deutsche Tradition der Kunst des Kompromisses“

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Im Schloss Bellevue erhielt die neugewählte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ihre Entlassungsurkunde als Verteidigungsministerin. Bild: dpa

Europäische Medien sehen Ursula von der Leyen als gute Wahl für eine stabile EU. Aber auch die knappe Mehrheit in Straßburg für die künftige EU-Kommissionspräsidentin wird thematisiert.

          Die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ lobte die „echte europäische Identität“ von Ursula von der Leyen, die die Unterstützung vieler Staats- und Regierungschefs genieße. „Europa hat das Spitzenkandidatenprinzip in diesem Jahr geschwächt - aber seine Führung wird in den nächsten Jahren womöglich so modern und stark sein, wie nie zuvor.“

          Etwas verhaltener wertet die „Neue Osnabrücker Zeitung“ die Wahl der künftigen Kommissionspräsidentin als „nicht falsch, aber auch nicht befriedigend“. „Etlichen ging es nicht darum, die Ex-Verteidigungsministerin auf den Thron zu heben, sondern eine Destabilisierung Europas zu verhindern“, heißt es weiter.

          Brückenbauerin oder Hinterzimmerpolitikerin?

          Einige europäische Medien halten die Deutsche ebenfalls für eine gute Wahl. So auch die linksliberale slowakische Tageszeitung „Pravda“, laut der die überzeugte Europäerin ihre fehlende Regierungserfahrung mit ihrer Erfahrung in den internationalen Beziehungen ausgleiche. Auch ein Kommentar der rechtsliberalen dänischen Tageszeitung „Jyllands-Posten“ lobt die Deutsche als eine gute Wahl. „Sie ist kompetent, zuverlässig und steht in der deutschen Tradition der Kunst des Kompromisses. Das kann die EU mehr denn je gebrauchen.“ Ihre knappe Wahl sei kein Zeugnis ihrer fehlenden Qualifikationen, sondern der Zersplitterung der EU-Länder, schrieb die dänische Zeitung.

          Die tschechische, konservative Zeitung „Lidove noviny“ schrieb, dass von der Leyen es in ihrem kurzen Wahlkampf allen Parteien recht gemacht habe. „Als Ursula von der Leyen um Unterstützung warb, erschien sie nicht als Siegerin der Wahl, sondern vielmehr als diejenige, die sich bei allen einschmeicheln muss.“

          Als „Brückenbauerin“, ohne deren Fähigkeiten zur Kompromissfindung Stillstand drohe, sieht der Züricher „Tages-Anzeiger“ die künftige Kommissionspräsidentin. „Die Zeiten, in denen die EU von einer informellen großen Koalition von Konservativen und Sozialdemokraten gesteuert wurde, sind vorbei. Die neuen Mehrheiten sind fragil. Ursula von der Leyen sieht sich mit Maximalforderungen konfrontiert, hat in ihrer Bewerbungsrede viel versprochen.“

          Die knappe Mehrheit für die CDU-Politikerin bemängelte die belgische Zeitung „De Standaard“. Der „Schatten der Hinterzimmerpolitik“ würde noch lange über der Präsidentschaft von der Leyens liegen.

          Die italienische Zeitung „La Republica“ beschäftigte sich mit der Rolle der SPD bei der Wahl von der Leyens. „Traurig, einsam und final. Das, was für die SPD ein wilder und trotziger Schützengraben sein sollte - die Weigerung, für Ursula von der Leyen zu stimmen - hat sich erneut in einen Abgrund verwandelt, in den sich eine Partei in totaler Konfusion mit dem Kopf voran gestürzt hat. Damit riskiert sie in Berlin eine schwerwiegende Regierungskrise.“

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