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Preisexplosion : Chinas völlig verrückter Häuserboom

  • -Aktualisiert am

Verwandte müssen beim Kredit aushelfen

Da Jüngere das vorgeschriebene Eigenkapital oft nicht aufbringen können, ist es üblich, dass Verwandte zusammenlegen. Der Wohnungskauf gilt als eine Familieninvestition. Fast alle jungen Erwachsenen sind Einzelkinder. Das macht es einfacher für die Eltern, dem einzigen Kind die nötigen Mittel aufzubringen.

Ein großer Teil des privaten Wohlstandes, der in der Volksrepublik China in den vergangenen Jahren entstanden ist, stammt aus dem Immobilienboom. Außer Großinvestoren hat die neue städtische Mittelklasse davon profitiert. Die Regierung hat jetzt aber die Bremse gezogen und im vergangenen Jahr etliche Vorschriften erlassen, die den Markt abkühlen und den schnellen Verkauf von Wohnungen erschweren sollen. Es wurde eine Verkaufssteuer eingeführt und das erforderliche Eigenkapital erhöht.

Parteichef Xi Jinping sprach das Thema selbst in seiner Grundsatzrede vor dem 19. Parteikongress an. „Wohnungen sind zum Wohnen und nicht zum Spekulieren da“, sagte er, und dazu erhob sich bei den 3000 Delegierten der Kommunistischen Partei spontaner Beifall. Ganz China grübelte daraufhin, was der Parteichef damit gemeint haben könnte. Wollte er andeuten, dass die Regierung noch weitere Maßnahmen ergreifen wird, um den Immobilienmarkt abzukühlen? Oder richtete sich Xi Jinpings Aussage nur gegen Investoren und Spekulanten, die im großen Stil Wohnungen verschieben? Auch war nicht ganz klar, warum die Delegierten der Partei diesem Satz Xi Jinpings Beifall zollten. Zwar schimpfen alle in China über die hohen Immobilienpreise, doch wer im Markt ist, profitiert von den steigenden Preisen, und man kann davon ausgehen, dass gerade die Delegierten der Partei zu denen gehören, die Wohnungen besitzen.

Wanderarbeiter vom Immobilienboom ausgeschlossen

Ausgeschlossen vom Verdienst im Immobilienboom sind allerdings diejenigen, deren Familien noch kein Wohneigentum haben. Für junge Wanderarbeiter bäuerlicher Herkunft in den Städten, die selten mehr als umgerechnet 600 Euro im Monat verdienen, ist der Traum von einer Wohnung in der Stadt unerfüllbar. Zum einen gibt es administrative Beschränkungen für die Auswärtigen, die einen Wohnungskauf in den Metropolen schwermachen. Der Acker zu Hause kann nicht verkauft werden, weil dem Staat das Land gehört und die Bauern nur Pächter sind. Wenn aber Ackerland für Bauprojekte beschlagnahmt wird, wie überall in China in den vergangenen zwei Jahrzehnten, erhalten die Bauern meist nur eine kleine Entschädigung. Die reicht nicht aus, eine Wohnung zu kaufen, auf keinen Fall eine in der Großstadt. Und die Großstädte sind wiederum Ziel der Wanderarbeiter, weil es dort mehr Arbeit gibt. Trotzdem gibt es auch Wanderarbeiter, die sich krummlegen, um irgendwo zwei Stunden von Peking entfernt eine kleine Wohnung in einer Satellitenstadt zu kaufen.

Man spricht schon von einer neuen Zwei-Klassen-Gesellschaft: Immobilienbesitzer und Immobilienbesitzlose. Die chinesische Regierung weiß zugleich, dass die Preissteigerungen im Immobilienmarkt und der Wohlstand, den sie bringen, eine wichtige Stütze ihrer Herrschaft sind – besonders in der städtischen Mittelschicht. Die Käufer glauben, dass die Regierung es nicht zulassen wird, dass die Immobilienblase platzt.

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