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Präsidentschaftswahlen : Wie das schwarze Amerika wählt

  • -Aktualisiert am

Parteiinternes Wettrennen: Obama und Clinton Bild: AP

Keine andere Wählergruppe hat eine so deutliche politische Präferenz für eine Partei wie die Schwarzen. Sie sind die zuverlässigsten Abonnementswähler der Demokraten, was sowohl rechte als auch linke Schwarze in Rage bringt.

          Ein Erdrutsch war das keineswegs, aber immerhin ein Zugewinn: Bei den Präsidentenwahlen von 2004 stimmten elf Prozent der schwarzen Wähler für den Republikaner George W. Bush, 88 Prozent gaben dessen demokratischem Herausforderer John Kerry ihre Stimme. Vier Jahre zuvor hatten nur acht Prozent der Schwarzen für Bush gestimmt, 90 Prozent der Stimmen der „African Americans“ waren an Vizepräsident Al Gore gegangen.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Keine andere Wählergruppe hat eine so deutliche politische Präferenz für eine Partei wie die Schwarzen. Sie sind die zuverlässigsten Abonnementswähler der Demokraten, was rechte wie linke Schwarze gleichermaßen in Rage bringt. Die einen sagen, es sei Präsident George W. Bush gewesen, der Colin Powell und sodann Condoleezza Rice zu den ersten schwarzen Außenministern gemacht habe - und deshalb verdiene die Republikanische Partei deutlich mehr Stimmen der Schwarzen. Die anderen klagen, dass es bei den Demokraten, die sich seit je auf ihre schwarzen Stammwähler hätten verlassen können, zu wenig „African Americans“ in Führungspositionen der Partei gebe.

          Obamas historische Leistung

          Erst Anfang kommenden Jahres wird sich herausstellen, ob Barack Obama sich im parteiinternen Wettrennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten durchsetzen kann - vor allem gegen Hillary Clinton. Doch schon jetzt hat der 46 Jahre alte Senator aus Illinois eine historische Leistung vollbracht, denn Obama ist der erste schwarze Politiker, der eine reelle Chance auf die Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten und gar auf die Wahl ins Weiße Haus hat (Siehe auch: Rassismusforscher: Was Obama als Präsident bedeuten würde). Dies hätte ebenfalls Colin Powell schon 1996 gelingen können, doch der ehemalige Vorsitzende der Vereinigten Stabschefs der amerikanischen Streitkräfte ließ sich damals nicht dazu überreden.

          Die meisten schwarzen Präsidentschaftskandidaten, die bisher freilich nie eine Chance bei den Vorwahlen ihrer Parteien hatten, waren Demokraten. 2004 traten sowohl die ehemalige Senatorin Carol Moseley Braun (Illinois) wie der Bürgerrechtsaktivist Al Sharpton aus New York an. Sie kamen nicht über die ersten Termine der Vorwahlen hinaus. 1984 und 1988 hatte es schon einmal ein Bürgerrechtsaktivist versucht: Doch auch Jesse Jackson stieg schon bald aus den Vorwahlen aus.

          Schon 1972 war die demokratische Abgeordnete Shirley Chisholm angetreten. Die Psychologin Lenora Fulani hatte es 1988 und 1992 als Unabhängige versucht. Auf republikanischer Seite hat der rechtskonservative Politiker Alan Keyes, der 1983 von Präsident Ronald Reagan zum Botschafter bei den UN ernannt worden war, in den Jahren 1996 und 2000 einen allenfalls symbolischen Anlauf auf die Nominierung genommen. Und auch in diesem Jahr will es der inzwischen 57 Jahre alte Keyes noch einmal versuchen. Als Schwarzer mit dem „falschen“ Parteibuch hätte er aber keine Chance.

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