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Präsidentschaftswahl in Senegal : Rappen gegen den Alten

  • -Aktualisiert am

Youssou N’Dour inmitten seiner Anhänger bei einer Kundgebung in Dakar Bild: AFP

Senegals Staatspräsident Abdoulaye Wade will sich am Sonntag für eine dritte Amtszeit wählen lassen. Insbesondere die Jugend des Landes protestiert dagegen.

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          Am Sonntag sind 5,3 Millionen Senegalesen aufgerufen, einen neuen Präsidenten zu wählen - und diese Wahl verspricht, die turbulenteste in der Geschichte des westafrikanischen Landes zu werden. Das hat allein mit dem gegenwärtigen Staatsoberhaupt Abdoulaye Wade zu tun, der im Alter von 85 Jahren für eine dritte Amtszeit von sieben Jahren kandidiert.

          Seit Wochen demonstrieren insbesondere in der Hauptstadt Dakar vor allem junge Menschen gegen Wades Absicht; die vorläufige Bilanz sind sechs Tote, mehrere Dutzende Schwerverletzte und noch mehr Inhaftierte. Die Staatsmacht, also Wade, entschuldigt sich zwar regelmäßig für das harte Vorgehen der Polizei, gleichwohl wird jeder Versuch, friedlich zu demonstrieren, umgehend verboten.

          Der Zorn entzündet sich an der phantasievollen Art, mit der Wade die verfassungsmäßig festgelegte Amtszeit von lediglich zwei Legislaturperioden für einen Präsidenten umschifft. Dieser Verfassungspassus war 2008 in Kraft getreten - als Wade bereits acht Jahre im Amt war, was er als Grund dafür angibt, dass diese Regelung erst nach seinem politischen Abschied Wirkung habe. Das Oberste Gericht bestätigte ihn in dieser Auffassung. Seither vergeht kaum ein Tag ohne blutige Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten. Dass Wade zudem die ursprünglich von sieben Jahre auf fünf Jahre verkürzte Amtszeit eines Präsidenten wieder auf sieben Jahre anheben ließ, lässt seine Gegner inzwischen glauben, der „Alte“ wolle regieren, bis er tot umfällt. Oder bis sein Sohn Karim - gegenwärtig Minister für Internationale Kooperation, Infrastruktur, Energie und Lufttransport - „reif“ sei, seine Nachfolge anzutreten, womit Wade ganz offensichtlich die Demokratie in Senegal als Erbhof interpretiert. Die Forderungen insbesondere von Frankreich und Amerika an Wade, einem „Generationswechsel“ nicht länger im Weg zu stehen, brandmarkte dieser umgehend als „Diktat“.

          Wundersamerweise wurde N’Dours Kandidatur zurückgewiesen, weil er angeblich nicht die erforderlichen 10.000 Unterschriften beibringen konnte

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