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Präsidentschaftswahl in Paraguay : Bischof, General oder Psychologin

  • -Aktualisiert am

An diesem Sonntag wird in Paraguay gewählt Bild: AP

An diesem Sonntag wird in Paraguay gewählt. Um das Präsidentenamt bewerben sich drei Kandidaten: der ehemalige Bischof Fernando Lugo, der Putsch-General im Ruhestand Lino Oviedo und die Psychologin Blanca Ovelar.

          Über Farblosigkeit der Kandidaten können sich die mehr als 2,8 Millionen Wahlberechtigten an diesem Sonntag bei der Präsidentschaftswahl in Paraguay nicht beklagen. Um das Amt bewerben sich drei Kandidaten: der ehemalige Bischof Fernando Lugo, der je nach Umfrage mit 31 bis 39 Prozent führt, der Putsch-General im Ruhestand Lino Oviedo, der vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen wurde, und die 49 Jahre alte Psychologin und frühere Erziehungsministerin Blanca Ovelar, die für die Regierungspartei der Colorados antritt, die seit 60 Jahren an der Macht ist.

          Die konservative Partei des früheren Diktators Stroessner kämpft mit einer schweren inneren Spaltung, seit der frühere Vizepräsident Luis Castiglioni den Vorwurf des Betrugs bei internen Wahlen erhoben hat. Die Colorado-Bewerberin liegt in den Umfragen mit Oviedo praktisch gleichauf, Ovelar ist die Favoritin des amtierenden Präsidenten Nicanor Duarte. Während Bischof Lugo mit seinem linksgerichteten Bündnis verschiedenster sozialer und landwirtschaftlicher Organisationen nach sechs Jahrzehnten Colorado-Herrschaft frischen Wind in die Politik zu bringen verspricht, sieht Ovelar die Erneuerung in der „Präsidentschaft einer Frau“ verkörpert. Von der „Diktatur der Colorados“ versucht sie sich mit dem Hinweis zu distanzieren, dass ihr Vater selbst politisch verfolgt worden sei.

          Lugo: „Ich verstehe die Position des Vatikans“

          Fernando Lugo, der sich als Anwalt der Armen darstellt und dem Sympathien mit der „Bolivarischen Revolution“ des Präsidenten Hugo Chávez nachgesagt werden, befürwortet eine umfassende Landreform. Die gegenwärtige Landverteilung - 90 Prozent des produktiven Terrains gehören in Paraguay fünf Prozent der Bevölkerung - hält er für „skandalös“. Ein weiteres Thema seiner Kampagne war die Wiedergewinnung der Souveränität Paraguays auf dem Energiesektor.

          „Frischer Wind” dank Blanca Ovelar?

          Die Verträge über die Kraftwerke Itaipú und Yacyretá, deren Betrieb sich Paraguay mit Brasilien und Argentinien teilt, will Lugo neu aushandeln, um „gerechtere Preise“ zu erzielen. Mit dem so gewonnenen Geld will er das Gesundheits- und Erziehungswesen verbessern. Der Vatikan hat darauf hingewiesen, dass Lugos Priestergelöbnis trotz seines offiziell bekundeten Verzichts auf das geistliche Amt unaufkündbar sei. Er sei mit der Suspendierung „a divinis“ wegen Verstoßes gegen das kanonische Recht bestraft worden, gesteht Lugo. „Das war aber keine Überraschung, denn ich verstehe die Position des Vatikans. Ich glaube, es gab weltweit nie den Fall, dass ein Bischof auf sein Amt verzichtet hat, um in die Politik zu gehen.“

          Kontakte zu Drogenkartellen? Waffenschmuggel?

          Sein Konkurrent Lino Oviedo war wegen eines Putschversuchs zu zehn Jahren Gefängnisstrafe verurteilt worden. Ende der neunziger Jahre tauchte er in Argentinien unter und ließ sich später in Brasilien nieder. Ihm werden Kontakte zu Drogenkartellen, Waffenschmuggel und Beteiligung an der Ermordung des früheren Vizepräsidenten Luis María Argaña vorgeworfen.

          Mit der von ihm gegründeten Partei Unace, der dritten Oppositionspartei, und einem Programm populistischen Zuschnitts will er das Land wie einen schwerkranken Patienten aufpäppeln. Gesundheits- und Erziehungswesen sollen gratis sein. Als „Krebsgeschwür“ bezeichnet Oviedo die Korruption, der er mit Entbürokratisierung zu Leibe rücken will. Am Sonntag werden in Paraguay außer dem Präsidenten die Gouverneure von 17 Provinzen, 45 Senatoren und 80 Abgeordnete für den Kongress sowie 18 Parlamentarier für das Parlament des Staatenbundes Mercosur gewählt.

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