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Petro Poroschenko : Der Oligarch des Majdan

Einer der reichsten Männer der Ukraine: Petro Poroschenko am Mittwoch in Berlin Bild: AFP

Zu seinen Gunsten verzichtete Vitali Klitschko auf eine Kandidatur: „Schokoladenkönig“ Petro Poroschenko hat beste Chancen, Präsident der Ukraine zu werden. Bei seinem Besuch in Berlin verteidigt der Oligarch den gewaltsamen Einsatz gegen prorussische Separatisten.

          Als der Kreml im Sommer vergangenen Jahres versuchte, die Ukraine mit Wirtschaftssanktionen von der Annäherung an die EU abzuhalten, ließ er die Einfuhr ukrainischer Süßigkeiten nach Russland verbieten. Das war ein gezielter Schlag gegen einen Mann, der nun gute Chancen hat, Präsident der Ukraine zu werden: Petro Poroschenko, der in der Ukraine den Spitznamen „Schokoladenkönig“ trägt. In allen Umfragen führt Poroschenko mit großem Abstand. Zu seinen Gunsten verzichtete Boxweltmeister Vitali Klitschko auf eine Kandidatur.

          Reinhard Veser

          Redakteur in der Politik.

          Petro Poroschenko ist einer der reichsten Männer der Ukraine, aber er ist keiner der Oligarchen, die das Regime des gestürzten Präsidenten Janukowitsch unterstützt haben. Von diesen Männern, die in den Schwerindustriegebieten der Ostukraine groß geworden sind und ihr Vermögen mit Gas, Stahl oder Kohle gemacht haben, unterscheidet er sich durch Herkunft und Branche.

          Geboren wurde Poroschenko 1965 in der Kleinstadt Bolgrad im äußersten Südwesten der Ukraine, nach dem Studium in Kiew begann er in den Wendejahren, mit Kakaobohnen zu handeln, und die größten Fabriken seines Süßwarenkonzerns „Roschen“ liegen in Winniza im Westen der Ukraine. Sein Portfolio hat er freilich inzwischen erweitert, darin sind außer dem Süßen auch Autohersteller und Medien zu finden.

          Sprachrohr während der orangen Revolution

          Poroschenko ist der Oligarch des Majdan. Als während der Proteste im Winter das staatliche Fernsehen und die Sender der anderen Oligarchen nur Schlechtes über die Demonstranten berichteten, war sein „Fünfter Kanal“ das Sprachrohr der Regimegegner - wie schon während der orangen Revolution 2004. Poroschenko selbst gehörte in den vergangenen Monaten so wie damals zur Führung der Protestbewegung, hielt sich aber meist im Hintergrund. Dafür fiel sein Name stets, wenn darüber spekuliert wurde, wer ein für Opposition wie Regime akzeptabler Kompromisskandidat für das Amt des Regierungschefs sein könnte.

          Das hat seine Gründe. Poroschenko war im Jahr 2000 zusammen mit einigen führenden Politikern des Janukowitsch-Lagers ein Mitbegründer der Partei der Regionen. Schon im Jahr darauf schloss er sich zwar der westlich orientierten Opposition an und übernahm nach dem Sieg der orangen Revolution wichtige Ämter (er war Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates, Außenminister und Aufsichtsratschef der Nationalbank), aber die Kontakte in das andere Lager sind offensichtlich nie ganz abgerissen: Von März bis November 2012 war er unter Präsident Janukowitsch Wirtschaftsminister.

          Diese Episode endete mit der Parlamentswahl im Herbst 2012, als Poroschenko als parteiloser Kandidat ins Parlament gewählt wurde. Seither stimmte er meist mit der Opposition, ohne freilich einer ihrer Fraktionen beizutreten. Ganz zurück in die Reihen der Opposition fand er erst nach dem Beginn der Proteste. Das Einfuhrverbot für seine Pralinen nach Russland, wo er etwa die Hälfte seines Umsatzes machte, hatte auf Poroschenko nicht die beabsichtigte Wirkung: Es bestärkte ihn in seiner Unterstützung für eine Annäherung der Ukraine an die EU.

          Besuch in Berlin

          Bei seinem Besuch in Berlin an diesem Mittwoch verteidigte Poroschenko, den gewaltsamen Einsatz der Sicherheitskräfte gegen prorussische Separatisten. „Für Terroristen müssen wir eine Sprache finden, die sie verstehen, und das ist Druck“, sagte Poroschenko. Es sei das oberste Ziel, „Recht und Ordnung wiederherzustellen“, fügte er hinzu.

          „Der einzige Weg heraus aus der Krise sei die für den 25. Mai geplante Präsidentschaftswahl. Zugleich verurteilte er die von den Separatisten in der Ostukraine geplanten Referenden über eine Abspaltung von der Ukraine nach dem Vorbild der Schwarzmeerhalbinsel Krim. Die Abstimmungen würden von  Russland unterstützt, sagte Poroschenko. Falls Moskau dieses Vorhaben nicht stoppe, forderte er eine „dritte Stufe der Sanktionen, gut koordiniert zwischen Amerika und der EU“,

          Poroschenko äußerte sich nach einem Gespräch mit dem stellvertretenden Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag,  Andreas Schockenhoff (CDU). Weiter standen bei seinem Besuch in Berlin Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und  Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf seinem Programm.

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