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Präsidentenwahl : Uruguays Linke erringt historischen Wahlsieg

  • Aktualisiert am

Vom Arzt zum Präsidenten: Tabaré Vázquez Bild: REUTERS

Uruguays Linke hat mit ihrem Kandidaten Tabaré Vázquez bei der Präsidentenwahl am Sonntag einen historischen Sieg errungen. Der 64 Jahre alte Politiker ist der erste linksgerichtete Staats- und Regierungschef in der Geschichte des südamerikanischen Staates.

          Nach Argentinien, Brasilien und Venezuela hat auch Uruguay einen linksgerichteten Präsidenten gewählt. Im dritten Anlauf erreichte der 64 Jahre alte Tabaré Vázquez eine Mehrheit in der Präsidentenwahl. Nach dem amtlichen Endergebnis vom Montag erhielt der Kandidat des Bündnis Frente Amplio (Breite Front) 50,2 Prozent der Stimmen.

          Der Politiker hatte sich zuvor schon auf Grundlage von Wählernachfragen zum Sieger erklärt und damit Jubelfeiern unter seinen Anhängern ausgelöst. Er ist der erste linksgerichtete Staats- und Regierungschef in der Geschichte des südamerikanischen Staates.

          „Dies ist eine stolze Nacht für die Uruguayer“, erklärte Vásquez nach Bekanntgabe der Wählernachfragen vor tausenden Anhängern in der Hauptstadt Montevideo. Der Kandidat der Nationalpartei, Jorge Larranaga erhielt 34 Prozent. Mit etwa 10 Prozent kam Guillermo Stirling von der regierenden Colorado-Partei nur auf Platz drei. Amtsinhaber Jorge Batlle durfte nicht erneut kandidieren.

          Hundertausende Menschen feiern ihren neuen Präsidenten in Montevideo

          Vázquez verspricht tiefgreifenden Wandel

          Die Colorado- und die Nationalpartei haben sich in Uruguay mehr als 170 Jahre lang in der Regierung abgewechselt - unterbrochen von Zeiten der Militärherrschaft wie zuletzt von 1973 bis 1984. Viele Uruguayer machten die beiden großen Parteien für die schwere Wirtschaftskrise im Jahr 2002 verantwortlich. Damals sank die Wirtschaftsleistung um elf Prozent; drei Viertel der 3,4 Millionen Einwohner rutschten unter die Armutsgrenze.

          Vázquez versprach einen tiefgreifenden Wandel für eine „gerechtere und menschlichere“ Gesellschaft. Neben Soforthilfen für die etwa 30 Prozent in Armut lebende Bevölkerung will er Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie ankurbeln sowie den gemeinsamen Markt des Südens, Mercosur, stärken. Bildung und Gesundheit sollen Vorrang genießen.

          Der künftige Präsident Uruguays, Tabaré Vázquez, spricht mit Bürgern oft wie mit Patienten. In seiner Heimat, wo die schwierige Lage des heruntergewirtschafteten Landes in der Bevölkerung meist auf Bitterkeit stößt, macht der am 17. Januar 1940 in Montevideo geborene Vázquez den Menschen Mut. Mit seiner Vision von einer gerechteren und ehrlicheren Gesellschaft hat es der Arzt und Krebsspezialist geschafft, der erste linksgerichtete Staats- und Regierungschef in der Geschichte des südamerikanischen Staates zu werden.

          Dabei kam Vázquez eher durch Zufall in die Politik. In den goldenen Jahren Uruguays, als sich das kleine Land am Rio de la Plata wegen seines Wohlstands den Beinamen „Schweiz Lateinamerikas“ erwarb, war das kostenlose Medizinstudium für das Kind einer Mittelstandsfamilie selbstverständlich, und so schlug Vázquez eine Karriere als Facharzt und Dozent ein, bevor er Ende der achtziger Jahre in die Politik einstieg.

          1990 wurde er zum Bürgermeister seiner Heimatstadt gewählt. Vier Jahre später war er Präsidentschaftskandidat, und 1996 wurde er zur Führungsfigur der Linken, als er den Vorsitz des linken Bündnisses Frente Ampli (Breite Front) übernahm. Bei der Präsidentenwahl 1999 verfehlte er den Sieg nur knapp. (dpa)

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