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Mammutwahl in Indonesien : „Wie soll das jemand verstehen, der nur in der Grundschule war?“

Studieren der Wahlscheine vor dem Wahllokal in Menteng. Bild: Till Fähnders, Menteng, Jakarta

Indonesien hat 17.000 Inseln und 193 Millionen Wahlberechtigte – und wählt an diesem Mittwoch ein neuen Präsidenten sowie eine neues Parlament. Ortsbesuch in einem der 800.000 Wahllokale.

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          In dem kleinen Wahllokal in Menteng im Zentrum Jakartas wirkt es nicht so, als würde das Schicksal der Welt von dieser Wahl abhängen. Die Stimmenabgabe beginnt mit fast vierzigminütiger Verspätung. Nachdem die Wahlhelfer auf die Nationaldoktrin Pancasila eingeschworen worden waren, mussten sie erst einmal prüfen, ob auch genug Wahlscheine vorhanden sind. Doch dann verschwinden die ersten Wähler hinter den Papp-Kabinen, die unter einem Zelt aufgestellt wurden. Sie kommen mit vier Wahlzetteln hervor, die sie in vier verschiedene farbig markierte Urnen stecken.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Denn am Mittwoch wird in Indonesien nicht nur der Präsident, sondern zum ersten Mal gleichzeitig das Nationalparlament, die Provinz- und Bezirksvertreter gewählt. Die Wahlscheine haben die Größe von Wandpostern. „Es ist sehr kompliziert. Wie soll jemand das verstehen, der nur Grundschulbildung hat?“, fragt der 81 Jahre alte Patana Maloni Tosalili, der zu den Ersten gehört, die hier ihre Stimme abgeben.

          Das gilt allerdings nicht für die Präsidentenwahl. Die ist denkbar einfach. Denn es gibt nur zwei Kandidaten: Den Amtsträger Joko Widodo und seinen Herausforderer, den reichen Unternehmer und früheren General Prabowo Subianto. Es ist eine Wiederauflage des Duells, aus dem Joko Widodo, oder „Jokowi“ wie er überall in Indonesien nur genannt wird, vor fünf Jahren als knapper Sieger hervorgegangen war.

          Jokowi gegen Prabowo

          Die Konstellation ist die gleiche, aber die Sicht auf die Kandidaten mittlerweile eine andere. Joko Widodo ist nicht mehr der politische Außenseiter und Hoffnungsträger der Liberalen und Demokraten, der er mal war. Und Prabowo ist zwar immer noch ein Nationalist mit den Zügen eines Autokraten, wirkt auf viele aber weniger bedrohlich als noch vor fünf Jahren. Beide versuchen außerdem, die konservativen Muslime in dem mehrheitlich muslimischen Land anzusprechen.

          Nachdem die Wahlhelfer auf die Nationaldoktrin Pancasila eingeschworen wurden, müssen sie prüfen, ob auch genug Wahlscheine vorhanden sind.
          Nachdem die Wahlhelfer auf die Nationaldoktrin Pancasila eingeschworen wurden, müssen sie prüfen, ob auch genug Wahlscheine vorhanden sind. : Bild: Fotos Till Fähnders, Menteng, Jakarta

          Der Anwohner Patana Maloni Tosalili sagt, „Jokowi“ sei zwar „ein guter Mann“. „Aber er hat nicht die Führungsstärke.“ Einer seiner Nachbarn sieht das ähnlich. „Jokowi selbst ist gut, aber nicht die Leute um ihn herum. Prabowo ist ein starker Führer, der von den richtigen Leuten unterstützt wird“, sagt Martin Salam, ein 55 Jahre alter Finanzhändler von Online-Währungen. Er glaubt deshalb, dass Prabowo, der einst mit einer Tochter des damaligen Diktators Suharto verheiratet war, die Wahl doch noch gewinnen könnte. Dabei sehen die meisten Umfrageinstitute den Amtsinhaber Joko Widodo deutlich vorn, auch wenn die Führung etwas zusammengeschrumpft ist. Aber diese Institute seien eben selbst parteiisch, behauptet Martin Salam. Prabowo selbst hat gesagt, er werde nicht zulassen, dass die Wahl noch einmal „gestohlen“ werde.   

          Am Ende geht es in dem Land, das sich erst vor seit rund zwei Jahrzehnten von den Fesseln der Diktatur befreit hat, dann eben doch um mehr, als das ruhige Treiben an der Wahlstation in Menteng erahnen lässt. Schon von der Logistik her ist die Wahl in dem Land mit 17.000 Inseln ein gewaltiges Unterfangen. Die Wahlunterlagen und Urnen wurden mit Booten, Hubschraubern und Motorrädern in die entlegenen Dörfer gebracht. Mit rund 193 Millionen Wahlberechtigten ist der Urnengang in Indonesien sogar der größte der Welt, der an nur einem Tag stattfindet. Die Parlamentswahl in Indien, die vor gut einer Woche begonnen hat, ist mit 900 Millionen Wahlberechtigten zwar noch größer. Aber die Inder wählen in sieben Phasen und lassen sich dafür mehrere Wochen Zeit.

          In Indonesien sind es tatsächlich nur ein paar Stunden. Um 13 Uhr schließen die Wahllokale schon wieder. Dann beginnt die Auszählung. Schon am Abend Ortszeit könnte ein vorläufiges Ergebnis feststehen. Das offizielle Endergebnis wird dann im Mai verkündet.

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