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Präsidentenwahl in Südkorea : Triumph für Lee Myung-bak

  • Aktualisiert am

Die Anhänger von Lee Myung-Bak feiern dessen Wahlsieg Bild: AFP

Der frühere Hyundai-Chef Lee Myung-bak hat die Präsidentenwahl in Südkorea klar gewonnen. Lee, gegen den zuletzt Betrugsvorwürfe laut wurden, kann nach Prognosen staatlicher und privater Fernsehsender mit 50,3 Prozent der Stimmen rechnen.

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          Lee Myung-bak, der ehemalige Oberbürgermeister der Hauptstadt Seoul hat am Mittwoch die Präsidentenwahl in Südkorea klar gewonnen.

          Der Kandidat der konservativen Großen Nationalpartei (GNP), der im Wahlkampf vor allem auf seinen wirtschaftlichen Sachverstand als ehemaliger Unternehmer gesetzt hatte, erzielte nach Auszählung von mehr als 90 Prozent der Stimmen am späten Abend 48,3 Prozent der Stimmen. Sein wichtigster Konkurrent, der ehemalige Fernsehmoderator Chung Dong-young von der Vereinigten Neuen Demokratischen Partei, erreichte nur 26,5 Prozent.

          Wahlbeteiligung sinkt

          Chung gestand früh seine Niederlage ein. Er akzeptiere das Votum des Volkes. Lee Hoi-chang, der vor einigen Wochen aus der GNP ausgetreten war und sich den Wählern als „wirklicher Konservativer“ empfahl, kam wie erwartet nicht über Platz drei hinaus. Er erzielte 15,3 Prozent.

          Über sein Ergebnis zeigte er sich schockiert. Die Wahlbeteiligung sank abermals. Nur gut 62 Prozent der 37,7 Millionen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab. Das ist Negativrekord. Vor fünf Jahren waren es noch 70,8 Prozent gewesen.

          „Verlorenes Jahrzehnt“

          Am letzten Tag des Wahlkampfs hatte Lee Myung-bak die Messlatte für einen Erfolg noch einmal höher gelegt. Er nannte als Ziel einen Stimmenanteil von über 50 Prozent. Das hatte unter demokratischen Verhältnissen zuvor noch nie ein Präsidentschaftskandidat in Südkorea erreicht. Im Wahllokal sagte Lee am Mittwoch, endlich habe Südkorea die Chance auf einen Regierungswechsel.

          Die vergangenen zehn Jahre hatte seine Partei als „verlorenes Jahrzehnt“ bezeichnet, das dem Land wirtschaftlichen Stillstand gebracht habe. Chung sagte bei seiner Stimmabgabe, es gehe um die Wahl zwischen Wahrheit und Lüge. Wenn der Lügner Lee Myung-bak gewinne, wäre das eine Schande für das ganze Land. Die „Kräfte der Vergangenheit“ würden Südkorea in eine dunkle Zeit zurückführen.

          Der Wahlsieger hingegen blickte schon am Wahlabend in die Zukunft. Vor jubelnden Anhängern sagte er, jetzt gelte es, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Er werde dem Land in Demut dienen und versuchen, die gespaltene Gesellschaft zu einen und die unterschiedlichen Gruppen miteinander zu versöhnen.

          Betrugsvorwürfe

          Lee Myung-bak wird jetzt schnell ein Übergangsteam ernennen, das die Regierungsübernahme Ende Februar vorbereiten soll. Die Regierung des scheidenden Präsidenten Roh Moo-hyun ist per Gesetz verpflichtet, ihre Nachfolger über alle wesentlichen Dinge zu informieren. An Kabinettssitzungen teilnehmen darf die neue Mannschaft aber noch nicht.

          Juristen streiten sich, ob ein gewählter Präsident vor der Amtsübernahme angeklagt werden darf: Ein vom Parlament eingesetzter Sonderermittler soll das Finanzgebaren des Wahlsiegers noch einmal untersuchen. Staatsanwälte hatten ihn kürzlich freigesprochen.

          Lees politische Gegner hingegen behaupten, die Ermittlungsergebnisse seien von politischen Rücksichten geprägt gewesen. GNP-Vertreter kündigten am Wahlabend an, den Parlamentsbeschluss über die Einsetzung des Sonderermittlers zu Fall bringen zu wollen.

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