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Präsidentenwahl in Russland : Sieben gegen Putin

  • Aktualisiert am

Eine Studentin hält bei einer Wahlveranstaltung von Wladimir Putin im Luschniki-Olympiastadion ein Plakat in den Händen, auf dem „Putin ist der Beste“ steht. Bild: dpa

Der wohl gefährlichste Kontrahent von Wladimir Putin darf nicht an der Präsidentenwahl teilnehmen. Doch sieben andere Kandidaten treten gegen den Amtsinhaber an. Wer sie sind und wie gewählt wird – die wichtigsten Antworten zur Wahl in Russland.

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          Am Sonntag wählt Russland einen Präsidenten – auf den Tag genau vier Jahre nach der Annexion der Krim. Aller Voraussicht nach steuert Wladimir Putin dabei auf seine nächste Amtszeit zu. Sein größter Kritiker, der Antikorruptionsaktivist und Blogger Alexej Nawalnyj, wurde nicht zur Wahl zugelassen. Die offizielle Begründung: Nawalnyj ist vorbestraft, gegen ihn laufen Ermittlungen. Doch die Vorwürfe, die dem 41 Jahre alten Kreml-Kritiker gemacht werden, sind umstritten. Nawalnyj rief zum Boykott der Wahl auf und versuchte, selbst Wahlbeobachter zu engagieren. Offen bleibt, inwiefern er Putins Macht als Präsidentschaftskandidat hätte gefährden können. Ein Überblick über die – wohl chancenlosen – tatsächlichen Herausforderer des 65 Jahre alten Kremlchefs und den Ablauf der Wahl:

          Wer darf wählen?

          Wahlberechtigt sind etwa 107 Millionen der insgesamt etwa 140 Millionen Bürger Russlands. Medienberichten zufolge sind davon etwa sieben Millionen Erstwähler. Bei der vergangenen Wahl lag die Wahlbeteiligung nach offiziellen Angaben bei 65,3 Prozent. Dieses Mal wird eine Wahlbeteiligung von etwa 70 Prozent angestrebt.

          Wie wird gewählt?

          In 98.000 Wahllokalen können die Wähler per Direktwahl darüber abstimmen, wer in den kommenden sechs Jahren an der Spitze des russischen Staates steht. Gewählt wird von 8 bis 21 Uhr Ortszeit. Doch dadurch dass das riesige Land in elf verschiedene Zeitzonen eingeteilt ist, liegen zwischen dem Beginn und dem Ende der Wahl etwa 22 Stunden. Im Osten Russlands öffnen die Wahllokale schon am Samstagabend unserer Zeit. Die letzten Wahllokale schließen nach unserer Zeit morgen Abend um 19 Uhr im im westlichsten Teil Russlands, der Ostsee-Exklave Kaliningrad. Sollte kein Kandidat nach dem ersten Wahlgang eine absolute Mehrheit erreichen, ist eine Stichwahl vorgesehen. Wie die Umfragen zeigen, ist dieses Szenario allerdings eher unwahrscheinlich. 

          Wer steht zur Wahl?

          WLADIMIR PUTIN

          Der Amtsinhaber ist seit 18 Jahren an der Macht. Von 2000 bis 2008 war er zwei Amtszeiten lang Staatspräsident. Gemäß der Verfassung durfte er 2008 nicht noch einmal als Präsident kandidieren – und regierte Russland so von 2008 bis 2012 als Ministerpräsident, während Dmitrij Medwedjew das Amt des Präsidenten übernahm. Seine dritte Amtszeit als Staatspräsident wurden 2012 überschattet von Putin-kritischen Protesten und den schärfsten Spannungen mit dem Westen seit dem Kalten Krieg durch die Annexion der Krim 2014 und die Unterstützung prorussischer Separatisten in der Ostukraine. Vor der Politik machte Putin im sowjetischen Geheimdienst KBG Karriere und war zu Zeiten der DDR auch in Dresden stationiert. Seine Beliebtheitswerte sind hoch, trotz sozialer Verwerfungen, wirtschaftlicher Schwierigkeiten und außenpolitischer Konflikte wie etwa jüngst den Fall Skripal.

          XENIJA SOBTSCHAK

          Im Oktober überraschte die 36 Jahre alte Mode-Ikone die Russen mit ihrer Kandidatur. 2012 hatte Xenija Sobtschak an den Putin-kritischen Protesten teilgenommen, bevor sie Moderatorin beim unabhängigen Fernsehsender TV Doschd wurde. Sobtschak, die mit den Slogans „Gegen sie alle“ und „Keiner von denen da oben“ antritt, ist Tochter des Putin-Mentors Anatoli Sobtschak. Viele vermuten deshalb, dass Sobtschaks Kandidatur der Wahl nur den Anschein von Wettbewerb geben und die Opposition spalten soll. Kurz vor der Wahl überrasche Sobtschak mit der Äußerung, wegen des Skandals um den ehemaligen russisch-britischen Doppelagenten Sergej Skripal seien Sanktionen gegen ihr Land eine berechtigte Maßnahme.

          PAWEL GRUDININ

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