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Präsidentenwahl in Peru : Nur Almosen für die Armen

  • -Aktualisiert am

Ollanta Humala wird vom Nobelpreisträger Mario Vargas Llosa unterstützt Bild: dapd

Am Sonntag kommt es bei der Präsidentenwahl in Peru zur Stichwahl zwischen Keiko Fujimori und Ollanta Humala. Sowohl die Tochter des ehemaligen Präsidenten Alberto Fujimori als auch der frühere Oberstleutnant haben gute Chancen auf den Sieg.

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          San Juan de Lurigancho ist ein Spiegelbild Perus. Der größte Distrikt von Lima ist weit über die Ebenen und die Hügel im Osten der Hauptstadt hinweggewuchert. Adrette Zonen mit Villen, Einkaufszentren und gepflegten Wohnhäusern wechseln mit Vierteln aus halbfertigen Ziegelsteinbauten und staubigen Straßen. Über die Anhöhen sind Slums und Ansiedlungen von Landbesetzern verteilt. In San Juan de Lurigancho leben mehr als eine Million Menschen. Wer in den besseren Bezirken wohnt, zählt zu jenen Peruanern, die von der wirtschaftlichen Prosperität der vergangenen Jahre profitiert haben. Die größte Ansammlung von Elendssiedlungen Perus wiederum ist Sammelbecken für alle, die es nicht geschafft haben, der Armut zu entkommen.

          Sein größtes Wachstum verzeichnete der Distrikt in den siebziger und achtziger Jahren, als der „Leuchtende Pfad“ in Peru wütete, als Vertreibung und Flucht vor der politischen Gewalt viele Peruaner zu Binnenflüchtlingen machten. Vor der Guerrilla-Gruppe suchten sich die Menschen aus dem Landesinneren nach San Juan zu retten. Doch bald fing der „Leuchtende Pfad“ an, gerade hier neue Kämpfer zu rekrutieren. Es gab rote Zonen im Distrikt, die die Guerrilla besetzt hielt und in denen sie brutal ihre vermeintliche Heilslehre zu verbreiten trachtete. Es gab aber auch Viertel, in denen die Zuwanderer vergleichsweise ungestört leben und die Bräuche aus ihrer Herkunftsregion pflegen konnten.

          In San Juan de Lurigancho hat der frühere Präsident Alberto Fujimori während seiner zwei Amtszeiten in den neunziger Jahren viel gebaut, nachdem er dem „Leuchtenden Pfad“ den Garaus gemacht hatte. Er hat mancherorts Straßen und Gehsteige anlegen lassen. Das haben ihm viele Bewohner nicht vergessen. Über die in seiner Regierungszeit begangenen Menschenrechtsverletzungen, für die Fujimori inzwischen im Gefängnis sitzt, sehen sie hinweg. Seine Tochter Keiko, die seine Nachfolge im Präsidentenamt antreten möchte, hätte in dem Distrikt eigentlich leichtes Spiel haben müssen. Doch in der ersten Wahlrunde war sie in San Juan de Lurigancho knapp dem früheren Oberstleutnant Ollanta Humala unterlegen.

          Ein Wahlplakat für Keiko Fujimori in Cuzco, Peru
          Ein Wahlplakat für Keiko Fujimori in Cuzco, Peru : Bild: dapd

          Am Sonntag stellen sich beide nun der Stichwahl, und auch sie dürfte knapp ausgehen. In Limas Osten hat Humala gepunktet, weil ihm die verarmte Bevölkerung eher abnimmt, dass er ihre Lage verbessern kann. Auch Frau Fujimori hat im Wahlkampf ein ums andere Mal gelobt, die Armut in Peru bekämpfen zu wollen. Beide Bewerber freilich wurden einsilbig, wenn sie erklären sollten, was genau sie vorhaben. Die meisten Fachleute rechnen damit, dass sich auch künftig die Hilfe für die Armen auf Almosen beschränken wird.

          Lieber auf fremde Hilfe bauen denn auf Eigeninitiative

          „Assistenzialismus“ nennt man die im Land verwurzelte Kultur, eher auf fremde Hilfe denn auf Eigeninitiative zu setzen. Das Sozial-, Bildungs- und Familienzentrum „Tacif“ ist seit drei Jahrezehnten in San Juan aktiv und bietet unter anderem ein Programm für sozial benachteiligte Kinder an. Dabei räumt sie mit dem Klischee vom „Straßenkind“ auf, das es aufzulesen und in einem Heim zu sozialisieren gelte. Wichtigstes Ziel sei die Integration der Minderjährigen in ihre Familien - oder in das, was davon noch übrig ist, nachdem Vater oder Mutter weggelaufen oder gestorben sind. „Tacif“ betreut nicht nur die Kinder, sondern auch die anderen Familienmitglieder, arbeitet mit den Lehrern in elf Schulen zusammen und bietet Nachhilfe an.

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