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Präsidentenwahl in Österreich : Warum die FPÖ für die AfD ein Vorbild ist

Wird der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer der nächste Bundespräsident in Österreich? Bild: dpa

Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland fühlt seine Partei der österreichischen FPÖ nah – und begründet das mit deren deutschnationaler Tradition und der gemeinsamen Geschichte. Aber ergibt das Sinn?

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          Alexander Gauland, der stellvertretende Vorsitzende der AfD, empfindet eine grenzüberschreitende Nähe zur österreichischen Rechtspartei FPÖ. Das hat er schon bei früheren Gelegenheiten geäußert und jetzt auch im Gespräch mit dem österreichischen Fernsehkanal ATV, der am Montagabend eine Sendung über das internationale Wirken rechtspopulistischer Parteien ausstrahlte. Dass die AfD sich die FPÖ zum Vorbild nehmen möchte, ist an sich nichts Unbegreifliches. Die Partei gehört seit mehr als 60 Jahren zum politischen Inventar der Republik, wenn auch meist in der Opposition, und befindet sich derzeit auf einem Höhenflug. Demoskopen sehen sie bei der „Sonntagsfrage“ deutlich vorn, und ihr Kandidat Norbert Hofer könnte bald das höchste Amt im Staate innehaben – vorausgesetzt, er gewinnt in der Bundespräsidenten-Stichwahl am 4. Dezember gegen den Grünen Alexander Van der Bellen. 

          Stephan Löwenstein

          Politischer Korrespondent mit Sitz in Wien.

          Gauland begründet seine Nähe zur FPÖ allerdings nicht mit der Gegenwart, sondern mit der Geschichte. Das hat ihm hier und da hämische Kommentare eingebracht, da seine Wortwahl historisch nicht unbedingt exakt ist. Brisanter ist aber, dass er an die deutschnationale Tradition der FPÖ erinnert, an die die wahlkämpfenden Freiheitlichen derzeit nicht so gerne erinnert werden möchten.

          Auf die Frage, ob die FPÖ der AfD als Vorbild diene, da sie schließlich seit Jahrzehnten mit Erfolg als populistische Partei wirke, antwortet Gauland: „Die FPÖ ist in einem gewissen Grade uns am nächsten. Das liegt an den gemeinsamen kulturellen Traditionen, die Österreich und Deutschland verbinden.“ Beide seien „immerhin bis 1866 ein Land“ gewesen. Und auf die erstaunte Nachfrage des Interviewers, ob er das wirklich so meine, wiederholt Gauland: „Natürlich. Bis zum deutsch-österreichischen Krieg waren wir in einem einheitlichen Deutschen Bund, der von Metternich geführt wurde.“ 1848, das war das Jahr der bürgerlichen Revolution und des Paulskirchen-Parlaments, sei über „großdeutsch oder kleindeutsch“ gestritten worden. „Bis 1866 waren wir im damaligen Sinne großdeutsch, waren wir ein Staat.“

          Wie war das nochmal? Schlagen wir nach in Thomas Nipperdeys Standardwerk zur deutschen Geschichte 1800-1866. Kurz gesagt, der Deutsche Bund war ein Bund souveräner Staaten und an sich gewiss kein Staat. Der österreichische Staatskanzler Metternich wehrte alle Versuche ab, ihn aufzuwerten – einerseits, um eben nicht deutschnationale Phantasien zu beflügeln, andererseits aber auch, um zu verhindern, dass Preußen mittels dieses Vehikels aus Deutschland herausdränge. Paradoxerweise wurde der Deutsche Bund dann etwas gestärkt, als es galt, die Restauration repressiv (Karlsbader Beschlüsse) durchzusetzen – wieder gegen die liberale und nationale Bewegung.

          „Die FPÖ ist in einem gewissen Grade uns am nächsten. Das liegt an den gemeinsamen kulturellen Traditionen, die Österreich und Deutschland verbinden“, sagt der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland
          „Die FPÖ ist in einem gewissen Grade uns am nächsten. Das liegt an den gemeinsamen kulturellen Traditionen, die Österreich und Deutschland verbinden“, sagt der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland : Bild: ZB

          Also, was Gauland betrifft: Der (in einer Nebenbemerkung eingeschobene) Begriff „ein Staat“ ist hier Unfug. „Ein Land“ – dieser Begriff ist unscharf, aber aus Sicht der liberalen und nationalen Bewegung war sicher alles „Deutschland“. Und als eine Nation wurden die Deutschen, gleich unter welcher Herrschaft, auch weit darüber hinaus selbstverständlich betrachtet (aber diesen Begriff verwendet Gauland hier gar nicht). Die Entscheidung zwischen „Großdeutschland“ (mit den deutschsprachigen Untertanen des Hauses Österreich) und „Kleindeutschland“ fiel endgültig im Jahr 1866.

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