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Präsidentenwahl in Iran : Der Schlüssel

Rouhani hat seine vier Mitbewerber bei der Präsidentenwahl deklassiert. Das ist eine echte Sensation: Die Iraner haben ihrem nicht wählbaren Revolutionsführer auf diesem Weg das Misstrauen ausgesprochen.

          Bei Wahlkampfauftritten winkte Hassan Rouhani seinen Anhängern mit einem riesigen Schlüssel zu. Das sollte ein Symbol sein: für seinen Willen, in den Präsidentenpalast einzuziehen, und für seine Absicht, dem Land die Tür zu einer besseren Zukunft aufzuschließen. Selbst gewiefte Iran-Kenner hielten das bis vor kurzem für Wunschdenken. Rouhani kam in einer Umfrage auf gerade mal 15 Prozent. Und jeder wusste, wer der Liebling des geistlichen Führers Chamenei und der Basidsch-Milizen war: Said Dschalili, ein berechenbarer Mann, der als Präsident an der kurzen Leine der Mullahs laufen würde. Die einflussreichen Reformer waren ohnehin ausgeschlossen worden.

          Und nun das: Rouhani hat seine vier Mitbewerber deklassiert und schon im ersten Wahlgang die Präsidentenwahl weit vor den Konservativen gewonnen. Dschalili kam auf kaum mehr als zehn Prozent. Eine echte Sensation: Die Iraner, die dann doch in großer Zahl wählen gingen, haben ihrem nicht wählbaren Revolutionsführer auf diesem Weg das Misstrauen ausgesprochen.

          Ajatollah Chamenei trifft zwar weiterhin alle strategisch bedeutsamen Entscheidungen; er gibt auch die Linie beim Atomprogramm vor. Doch zeigen die Jahre des machtbewussten Präsidenten Ahmadineschad, dass auch der oberste Führer sich nicht einfach gegen die öffentliche Meinung stellen kann. Darin liegt die Chance für einen Mann wie Rouhani, der außerdem von den Reformklerikern unterstützt wird. Er ist angetreten für eine Politik der „Weisheit und Hoffnung“, für „Dialog und Austausch mit der Welt“, für ein Ende der Sanktionen. Als Atomunterhändler kam er einst einer Lösung des Atomstreits sehr nahe. Wenn das Regime die Botschaft des Volkes verstanden hat, hält Rouhani den Schlüssel in der Hand, um das eiserne Tor zum Westen zu öffnen.

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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