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Präsidentenwahl in Amerika : Rick Perrys Heilsversprechen aus Texas

Rick Perry sorgte für den peinlichsten Moment der Fernsehdebatte. Bild: REUTERS

Gouverneur Rick Perry will Kandidat der Republikaner für die Präsidentenwahl in den Vereinigten Staaten werden. Mit seinen Chancen wächst auch die Kritik am texanischen Jobwunder, mit dem er wirbt. Die Demokraten warnen: Ein neuer Bush.

          Mit einem strahlenden Lachen im Gesicht reckt Rick Perry seine Faust nach vorne, den Daumen nach oben gerichtet. Lange hatte der Gouverneur von Texas gezögert. Soeben aber hat er angekündigt, er wolle für die Präsidentschaft der Vereinigten Staaten kandidieren. In seiner Bewerbungsrede schlug Perry Töne an, die an den früheren Präsidenten Reagan erinnern. „Ich werde jeden Tag arbeiten, um Washington so unbedeutsam wie möglich in eurem Leben zu machen“, sagt er, um sich vom unbeliebten Politikbetrieb in Washington zu distanzieren. „Es ist an der Zeit zu glauben, dass unsere Zukunft viel größer sein wird als die besten Tagen hinter uns.“

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          1200 Meilen entfernt, im Örtchen Ames in Iowa, konkurrieren derweil in einer traditionellen Schauwahl andere Präsidentschaftskandidaten um die Gunst des republikanischen Parteivolkes. Das Ereignis erinnert mit Barbecue und Hüpfburgen an ein Volksfest. Die Schauwahl dient als erster Test vor allem der Organisationsfähigkeit der Wahlkampagnen. Von der Tea-Party-Größe Michele Bachmann bis zu Tim Pawlenty, dem früheren Gouverneur von Minnesota, präsentieren sich die Kandidaten den Wählern, für die sie den Eintrittspreis von 30 Dollar oft übernommen haben.

          Perry kann Wähler mobilisieren

          In Ames ging am Schluss die Abgeordnete Frau Bachmann mit rund einem Viertel der Stimmen der knapp 18.000 republikanischen Wählern als Siegerin hervor, knapp vor dem libertären Außenseiter Ron Paul. Frau Bachmann nutzte ihr Heimvorteil, sie ist in Iowa geboren. Beide sind Favoriten der Protestbewegung Tea Party. Alle anderen Kandidaten waren in der Gunst der Schauwähler weit abgeschlagen. Pawlenty zog nach dem enttäuschenden Ergebnis am Sonntag sogar seine Kandidatur zurück. Der bisherige Spitzenreiter in der republikanischen Vorentscheidung, Mitt Romney, der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, absolvierte nur einen kurzen Gastauftritt. Er erhielt noch weniger Stimmen als Perry, der erst am Wochenende nach Iowa reiste.

          Doch der Texaner hat dem kleinen Weltereignis in Ames den Glanz gestohlen und dem müden und lustlosen Vorwahlkampf der Republikaner Leben eingehaucht. In den kommenden Wochen dürfte sich die Aufmerksamkeit vor allem auf die Kandidaten Bachmann, Romney und Perry konzentrieren. Die Abgeordnete Bachmann kämpft dabei gegen den Ruf der Unerfahrenheit an, hatte sie doch nie eine führende politische Position inne. Dem Investor und früheren Gouverneur Romney hängt die Gesundheitsreform an, die er in Massachusetts einführte. Der 64 Jahre alte Romney aber hat vor allem Mühe, die Wähler zu begeistern, und er wirkt oft abgehoben. „Unternehmen bedeuten Menschen, mein Freund“, schleuderte er bei seinem Kurzauftritt in Ames einem Zuhörer entgegen, der sich für höhere Steuern auf Unternehmen einsetzte.

          Perry dagegen ist jemand, der Wähler mobilisieren kann. Ob das dem Mann mit dem texanischen Akzent auch außerhalb seines Heimatstaates gelingen würde, ist die offene Frage der republikanischen Kandidatenkür, die erst 2012 mit den Vorwahlen richtig beginnen wird. Die Demokraten ziehen Vergleiche zu George W. Bush. Wolle das Land wirklich wieder einen texanischen Gouverneur ins Weiße Haus rufen, fragen sie.

          Perrys erster Auftritt als Wahlkämpfer machte klar, wo er seine Stärke sieht und wo er Präsident Obama packen will: am Arbeitsmarkt. Der Einundsechzigjährige kann auf eine glänzende Bilanz verweisen. Mehr als eine Million Stellen wurden seit seinem Amtsantritt als Gouverneur vor bald elf Jahren in Texas geschaffen. Seit Juni 2009, dem offiziellen Ende der Rezession, entstanden je nach Zählung zwischen 30 und 50 Prozent aller neuen Stellen in Amerika in dem mit 24 Millionen Einwohnern zweitgrößten Bundesstaat. Die Rezession hat Texas kaum berührt. Perry verspricht, er werde Amerika „wieder in Gang bringen“. Das wird das Hauptmotiv seiner Kampagne sein. Im englischen Original bedeutet der Spruch zugleich, Amerika wieder in Arbeit zu bringen.

          Die Kritiker des „texanischen Wunders“ nehmen zu

          Mit Perrys Chancen wächst die Zahl der Kritiker des „texanischen Wunders“, auf das sich der Kandidat beruft. Sie verweisen darauf, dass viele neue Stellen in Texas Niedriglohnjobs sind. Texas profitiert mit seiner Energiewirtschaft auch stark von der großen Nachfrage nach Erdöl. Perry aber sieht als Gründe für den wirtschaftlichen Erfolg die niedrigen Steuern, den Verzicht auf zu viel Regulierung und geringere Staatsausgaben. Texas ist einer von sieben Bundesstaaten, die keine Einkommensteuer erheben. Unternehmen zahlen mit vielen Ausnahmen eine „Margins Tax“, die sich im Kern auf den Umsatz bezieht. Ein mit 25 Milliarden Dollar erwartetes Defizit im Haushalt der kommenden beiden Fiskaljahre hat Perry ohne Steuererhöhung geschlossen.

          Perry ist ein harter Wahlkämpfer und erfolgreicher Spendensammler. Im vergangenen Jahr wurde er zum dritten Mal zum Gouverneur in Texas gewählt. Kein anderer der 50 Gouverneure amtiert schon so lange wie er. Als Vorsitzender der Vereinigung republikanischer Gouverneure hat er sein Beziehungsnetz über die gesamten Vereinigten Staaten ausgeweitet.

          Er wuchs in kleinen Verhältnissen im Westen von Texas auf, wo seine Eltern eine Farm gepachtet hatten. Der ehemalige Frachtpilot der Luftwaffe begann seine politische Laufbahn als demokratischer Abgeordneter 1984. Fünf Jahre später wechselte er zu den Republikanern und wurde Gouverneur, als Bush die Präsidentschaft übernahm. Der Texaner ist ein zutiefst gottesfürchtiger Mann. Die evangelikalen Christen, die in der republikanischen Partei großes Gewicht haben, könnten sich hinter ihm versammeln. Erst vor einer Woche hatte Perry zu einem Tag des Betens und Fastens nach Houston geladen. Im Fußballstadion betete er vor 30.000 Menschen: „Vater, unser Herz bricht für Amerika.“

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