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Präsidentenwahl in Bolivien : Morales muss in die Stichwahl

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Evo Morales wird vor seiner Stimmabgabe am Sonntag von Anhängern umringt. Bild: AP

Der am längsten regierende Staatschef Südamerikas muss um seine Wiederwahl kämpfen: Zum ersten Mal verfehlt Evo Morales in Bolivien die absolute Mehrheit.

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          Bei der Präsidentschaftswahl in Bolivien muss Amtsinhaber Evo Morales offenbar erstmals in die Stichwahl. Im ersten Wahlgang am Sonntag landete der Sozialist mit rund 45 Prozent vorne, wie die Wahlbehörden nach Auszählung von knapp 84 Prozent der Stimmen mitteilten.

          Für einen Sieg in der ersten Wahlrunde sind entweder eine absolute Mehrheit der Stimmen oder mindestens 40 Prozent mit zehn Prozentpunkten Vorsprung auf den nächsten Rivalen erforderlich. Morales muss in der zweiten Wahlrunde gegen den eher wirtschaftsfreundlichen früheren Präsidenten Carlos Mesa (2003-2005) antreten. Dieser kam auf rund 38 Prozent der Stimmen. Ein möglicher Termin ist der 15. Dezember.

          Bislang hatte Morales drei Präsidentschaftswahlen im ersten Wahlgang gewonnen. Der erste indigene Staatschef des südamerikanischen Landes regiert seit 2006 und strebt eine vierte Amtszeit an.

          „Wir haben noch einmal gewonnen“, sagte Morales am Sonntagabend vor dem Präsidentenpalast in La Paz. Er rechnete da noch mit einem Sieg in der ersten Wahlrunde mit der vollständigen Auszählung der Stimmen vor allem aus ländlichen Bezirken.

          Umstrittene Kandidatur

          „Wir haben einen unwiderruflichen Sieg erreicht“, erklärte Mesa zu dem vorläufigen Ergebnis, das ihm den Weg zur Stichwahl freigibt. Mesa könnte von dem Unmut gegen Morales’ Umgehung des Verbots einer neuen Wiederwahl profitieren. Im Februar 2016 scheiterte Morales zunächst mit dem Versuch, das Grundgesetz per Referendum zu ändern, um seine erneute Wiederwahl zu genehmigen. Ende 2018 ließ er sich jedoch eine vierte Kandidatur durch das Verfassungsgericht genehmigen.

          Dieses juristisch-politische Manöver löste eine Protestbewegung aus, die selbst am Wahltag noch öffentlich zum Ausdruck kam. Rund hundert Menschen wurden am Sonntag in Santa Cruz de la Sierra festgenommen, als sie gegen die erneute Kandidatur von Morales protestierten.

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