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Rohani in Rom : Geld und Glauben

  • -Aktualisiert am

Papst Franziskus empfängt den iranischen Präsidenten Rohani. Bild: epd

Italien hofft in Iran auf Milliardenumsätze, der Papst auf Dialog mit dem Islam. Präsident Rohani wird zu Beginn seiner Europareise in Rom mit offenen Armen empfangen.

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          Italien ist für uns die wichtigste Nation in Europa“, hatte Hassan Rohani schon vor der ersten Europareise eines iranischen Präsidenten nach Jahren diplomatischer und wirtschaftlicher Isolation gesagt. Er besuche Italien noch vor Frankreich auch deswegen, „weil uns eine uralte Freundschaft verbindet. Hier fühlen wir Iraner uns daheim“, sagte der iranische Präsident im Beisein des italienischen Präsidenten Sergio Mattarella. Italien hofft auf Milliardenumsätze in Iran nach der Aufhebung der Sanktionen im Zuge des Atomabkommens mit Iran. Auch Papst Franziskus empfing Rohani mit offenen Armen, will er doch trotz der Kritik an der iranischen Menschenrechtslage den nie unterbrochenen Dialog mit Iran fortsetzen – in der Hoffnung auf „pastorale Konversionen“, also dass er, Franziskus, als Pastor auf die Gedanken und das Wirken Rohanis einwirken könne. Es gehe um keine „Heilige Allianz, sondern eine pragmatische Beziehung“.

          Der Protest gegen den Besuch Rohanis war darum auch kaum zu hören: Oberrabbiner Riccardo Di Segni bezeichnete es als „unerträglich“, dass der Vertreter eines Staates, der den Mord an Millionen von Juden in der Schoa leugne, kurz vor dem 27. Januar empfangen wird, also dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts. Gianni Rufini, Landesdirektor der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in Italien, forderte Ministerpräsident Matteo Renzi auf, beim Gespräch mit Rohani nicht zu vergessen, dass iranische Gerichte allein im vergangenen Jahr mehr als zweitausend Todesurteile verhängt hätten. Klein war die Demonstration am Dienstag vor dem Pantheon, wo vor allem Exil-Iraner gegen Rohani protestierten und nicht zuletzt die Presse- und Literaturzensur in ihrem Heimatland anprangerten. Von all dem bekamen Rohani und seine Entourage aus 45 Politikern und Wirtschaftsvertretern nichts mit. Für sie wurden „aus Respekt vor religiösen Gefühlen“ sogar die nackten Marmorgestalten antiker Götter im Quirinal verhüllt.

          Zeit für Geschäfte

          Nur mit einem Halbsatz ging Ministerpräsident Renzi auf die Bitte des Menschenrechtlers Rufini ein, indem er es nach seinem Treffen mit Rohani ein „politisches Wunder“ nannte, „dass wir auch bei Themen, in denen unsere Unterschiede besonders groß sind, wie bei den Menschenrechten, zeigen konnten, dass wir darüber reden können“. Mehr Kritik an der Politik Irans gab es nicht – auch nicht mit Blick etwa auf die Unterstützung der libanesischen Hizbullah oder des syrischen Diktators Assad. Die „Rolle Irans für die Stabilität in der Region des mittleren Ostens ist fundamental“, sagte Renzi. Mit Iran zusammen sei es leichter, den Terrorismus zu besiegen. Renzi und Rohani unterzeichneten eine Erklärung für Frieden und bilaterale Kooperation. Zudem sagte Teheran zu, sich dafür einzusetzen, dass Italien ständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat wird.

          Derweilen ging dem Füllfederhalter von Federica Guidi, der italienischen Wirtschaftsministerin, fast die Tinte aus. Italien hat mit Iran Wirtschaftsverträge im Wert von mehr als 17 Milliarden Euro abgeschlossen; nach zehn Jahren der ökonomischen Isolation sei es Zeit für Geschäfte, sagte Guidi im Gespräch mit der Zeitung „Repubblica“. Einst sei Italien für Iran nach Deutschland der wichtigste Wirtschaftspartner in Europa gewesen; vor allem im Energiesektor.

          Die Wirtschaftsleistung Irans – das derzeit wie alle erdölproduzierenden Länder unter dem niedrigen Ölpreis leidet – könnte nach manchen Schätzungen in den kommenden zehn Jahren jene Saudi-Arabiens und der Türkei überholen. Das italienische Unternehmen Saipem, das auf die Herstellung und Installation von Infrastruktur für die Ölgewinnung spezialisiert ist, schloss einen Vertrag über vier Milliarden Euro mit der nationalen iranischen Gasgesellschaft ab. Die Danieli-Gruppe, die Anlagen für die Metallindustrie herstellt, unterschrieb mit mehreren iranischen Partnern Verträge über ebenfalls vier Milliarden. Drei Milliarden Euro will der Infrastrukturkonzern Itinera/Condotte in Iran umsetzen. Selbst Italiens Modebranche habe mit iranischen Partnern Verträge abgeschlossen, teilte Guidi mit.

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