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Lob von Macron : Das Wunder von der Leyen

Macron zählt zu den größten Fans der frisch gewählten deutschen EU-Kommissionspräsidentin. Bild: dpa

Emmanuel Macron ist der erste ausländische Staatschef, den EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besucht. Und der Präsident gerät abermals ins Schwärmen.

          Nur kurz wird Emmanuel Macron ganz förmlich, als er „Madame la Présidente Ursula von der Leyen“ im Innenhof des Elysée-Palastes vorstellt. Doch dann kann der französische Präsident seine Freude nicht mehr verbergen, der erste ausländische Staatschef zu sein, den die gewählte EU-Kommissionsvorsitzende besucht. „Wir werden ein neues Kapitel öffnen“, verspricht er am Dienstag. „Ich finde mich voll in Ihrer Rede wieder“, sagt er mit Blick auf ihre Bewerbungsrede im Europäischen Parlament. Dann zählt er die Gemeinsamkeiten auf, die er ausgemacht hat. „Von der Leyen“ spricht er mit französischem Akzent wie „wonder Leyen“ aus. Sie steht dabei und lächelt, als sei es auch für sie ein kleines Wunder, vom französischen Staatschef so bejubelt zu werden.

          Michaela Wiegel

          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Macron spricht vom Klimaschutz und dem gemeinsamen Ehrgeiz, eine Steuer auf Kohlenstoffdioxid zu erheben, eine Klimabank zu gründen sowie Klimaneutralität bis 2050 zu erreichen. Ein wenig klingt es, als lobe der Präsident seine eigenen Vorschläge, die von der Leyen aufgegriffen hat. Auch ihr Eintreten für einen europaweiten Mindestlohn findet sein Wohlgefallen, schließlich hatte er selbst seine Kandidatin Nathalie Loiseau mit dem Vorschlag in den französischen Europawahlkampf ziehen lassen. Macron hebt auch die große Übereinstimmung mit der künftigen EU-Kommissionsvorsitzenden in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik hervor. „Wir wollen ein Europa, das schützt“, sagt er. Sie würden auch gemeinsam für die Werte Europas eintreten, „die Rechtsstaatlichkeit“ und „die Pressefreiheit“, sagt Macron. „40 Jahre nach Simone Veil verkörpern Sie Europa!“, sagt er.

          „Das neue Gesicht Europas“

          Mit viel Pathos nennt er sie „das neue Gesicht Europas“, eines Europas, „das sich erneuern will!“ Die Deutsche erwidert die Charmeoffensive des Franzosen mit mildem Lächeln. Sie sei froh, dass sie nach Berlin nun als erstes nach Paris komme , sagt von der Leyen. Sie spricht gewandt Französisch, als müsse sie sich nicht erst in ihre neue Rolle einfinden. Es gelingt ihr, ein paar eigene Akzente zu setzen, etwa als sie auf die Bedeutung eines auskömmlichen transatlantischen Verhältnisses hinweist. In englischer Sprache verspricht sie, mit dem neuen britischen Premierminister Boris Johnson ein gutes Arbeitsverhältnis begründen zu wollen. In ihrer Bewerbungsrede in Straßburg hatte von der Leyen gezeigt, dass sie beim Brexit nicht mit Macron übereinstimmt. Sie stellte den Briten einen neuen Aufschub des Austrittstermins in Aussicht. Macron drängt auf eine schnelle Entscheidung.

          Aus Macrons Hemdsärmel lugte ein blau-weiß-rotes Armband hervor, als wolle er diskret darauf hinweisen, dass er sich ganz der französischen Trikolore verschrieben hat. Der Präsident will seinem Land einen wichtiges Ressort in der EU-Kommission sichern. Für sein Armband hat der Präsident dann aber doch eine ganz andere Erklärung parat: Es sei ein Geschenk des Paralympics-Sportlers Rémy Boullé und stehe für „Mut, Kraft und Entschlossenheit“.

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