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Biden über Coronavirus : „Die Pandemie ist vorbei“

Der amerikanische Präsident Joe Biden am 16. August in Washington Bild: dpa

Nach zweieinhalb Jahren Pandemie hat der amerikanische Präsident nun deren Ende ausgerufen. Vor wenigen Wochen hatten sich seine Berater allerdings noch ganz anders geäußert.

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          Präsident Joe Biden hat am Sonntag nach zweieinhalb Jahren das Ende der Corona-Pandemie in Amerika ausgerufen. „Die Pandemie ist vorbei“, sagte Biden in einem Interview mit dem Sender CBS. „Wir haben immer noch ein Problem mit dem Coronavirus. Wir arbeiten immer noch daran. Aber die Pandemie ist vorbei.“ Eine vorab aufgezeichnete Videoaufnahme zeigte ihn zu diesem Zeitpunkt auf einer Autoshow in Detroit, die zum ersten Mal seit drei Jahren wieder stattfand. Biden verwies darauf, dass niemand dort Maske trage und alle in „ziemlich guter Verfassung“ zu sein schienen. Die Dinge veränderten sich, „und das hier ist das perfekte Beispiel dafür“.

          Sofia Dreisbach
          Politische Korrespondentin für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Anfang September hatte Biden die Zulassung der auf die BA.5-Variante angepassten Boosterimpfung als Meilenstein gefeiert. Schon damals sprach der Präsident von einer „neuen Phase“ der Corona-Politik. Amerikaner sollten sich von nun an jeden Herbst, ähnlich wie bei der Grippe, gegen das Coronavirus impfen lassen. Damals warnte Biden jedoch auch noch davor, dass im Winter die Zahl der Corona-Todesfälle abermals in die Höhe schießen könnte. Ashish Jha, der Corona-Koordinator des Weißen Hauses, sagte damals: „Die Pandemie ist nicht vorbei. Wir werden weiter wachsam bleiben.“ Es gehe immer noch ein Virus um, das immer noch Hunderte Amerikaner am Tag töte.

          Gesundheitsnotstand im Juli noch verlängert

          Biden dürfte es seiner Regierung mit der Bemerkung zum Ende der Pandemie erschweren, im Kongress die Unterstützung für weitere geplante Finanzmittel zur Pandemiebekämpfung durchzusetzen. Republikaner im Senat hatten in den vergangenen Wochen schon mehrfach geäußert, weitere 22,4 Milliarden Dollar für Corona nicht bewilligen zu wollen. Die Demokraten argumentieren, das Geld würde für die Verteilung der Impfstoffe und zum Vorbeugen abermaliger Corona-Wellen benötigt.

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          Jüngst hatte die Regierung unter Verweis auf die verweigerte Unterstützung des Covid-Ausgabenpakets den Versand kostenfreier Schnelltests gestoppt. Zuvor konnte jeder Haushalt bis zu 16 Tests bestellen. Das Nachrichtenmagazin Politico zitierte zwei Regierungsbeamte mit der Angabe, Bidens Äußerungen seien nicht geplant und überraschend gewesen. Im Juli hatte Gesundheitsminister Xavier Beverra den nationalen Gesundheitsnotstand wegen des Coronavirus um weitere drei Monate bis Mitte Oktober verlängert. Der Notstand ermöglicht der Regierung etwa schnelleres Handeln in der Pandemie und vereinfacht Behandlungen.

          Die Zahl der täglichen Infektionen fällt seit dem Sommer immer weiter auf derzeit durchschnittlich rund 60.000 Fälle, doch Fachleute vermuten eine weitaus höhere tatsächliche Fallzahl, weil kaum noch offiziell getestet wird. Wer sich zu Hause testet, meldet die Erkrankung im Regelfall kaum noch den Behörden. Im Sieben-Tages-Durchschnitt sterben laut jüngsten Zahlen der Seuchenschutzbehörde 391 Personen pro Tag an Covid; insgesamt gibt es in Amerika bislang 1,1 Millionen Corona-Tote.

          Im späteren Verlauf des Interviews machte Biden denn auch auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie aufmerksam. „Der Einfluss auf die Psyche der Amerikaner durch die Pandemie ist gewaltig“, sagte der Präsident. Sie habe alles verändert: die Einstellung der Menschen zu sich selbst, zu ihren Familien, zum Zustand des Landes und ihren Gemeinden. „Es herrscht also eine große Unsicherheit da draußen, eine sehr große. Und wir haben ein Million Menschen verloren.“

          Bis Mitte September sind in den Vereinigten Staaten gut 610 Millionen Impfdosen verabreicht worden. 79 Prozent der Bevölkerung haben mindestens eine Impfung erhalten, doch nur 67 Prozent sind vollständig geimpft, das heißt entweder ein zweites Mal oder mit dem Einmalimpfstoff von Johnson&Johnson. Seit Anfang September kann sich in Amerika jede Person über 12 oder 18 Jahre – je nach Impfstoff – einen Termin für die auf die BA.5-Variante angepasste Boosterimpfung machen; es gibt keine Vorranglisten mehr. In der Regel ist spätestens nach fünf Tagen ein Termin frei.

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