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Präsident Ben Ali : Listenreich, gewieft - ins Wanken geraten

  • -Aktualisiert am

Nächste Runde: Ben Ali bei der jüngsten Amtsverlängerung in Tunis im November 2009 Bild: dpa

Nach einem knappen Vierteljahrhundert autokratischer Herrschaft erklärt Tunesiens Präsident Ben Ali, er habe sein Volk verstanden. Der ehemalige Geheimdienstler hat seit seiner Amtsübernahme Wohlstand und Bildung in Tunesien vermehrt - allerdings auf Kosten von Freiheit und Pluralismus.

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          Zine al Abidine Ben Ali tat es in der Pose und sogar mit den Worten des Generals de Gaulle bei seinem Abgang: „Ich habe euch verstanden.“ Der tunesische Präsident, der sich so nach einem Monat blutiger Unruhen an die Bevölkerung wandte und versprach, im Jahr 2014 nicht noch einmal zu kandidieren, mag sich in diesem Augenblick des großen Franzosen erinnert haben, den er als junger Mann auf dem Collège Militaire de Saint-Cyr noch aus der Nähe beobachten konnte.

          Es war ein reuig wirkender und Besserung gelobender Staatschef, der nach fast einem Vierteljahrhundert autokratischer Regentschaft den revoltierenden Tunesiern alles sagte, was diese von ihm hören wollten. In seiner Fernsehrede in der Nacht zum Freitag sprach er ausnahmsweise volkstümlich das lokale Arabisch, zeigte sich zerknirscht und entschlossen, nicht zu dulden, dass „auch nur ein weiterer Tropfen Blut vergossen wird“. Er versprach Reformen, mehr Demokratie und Pressefreiheit, billigere Lebensmittel und keine abermalige Verfassungsänderung, die ihn auf Lebenszeit im Amt hielte.

          Vom CIA ins Präsidentenamt

          Die Frage ist, ob die Tunesier ihm glauben und nun Ruhe geben, ob er all diese Zusagen einhalten will und vor allem, ob ein schon ins Wanken geratener nordafrikanischer Staatschef unter diesen Umständen wirklich noch drei Jahre durchhalten kann. Ben Ali, am 3. September 1935 in Hammam Sousse geboren und mit zehn Geschwistern aufgewachsen, ist ein listenreicher Mann und ein gewiefter Politiker.

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          Der Fachmann für Elektronik, der dieser Tage störende Internetportale erst blockierte und nun auch deren Freigabe versprach, machte als Geheimdienstler Karriere. Nach einer Lehrzeit bei der amerikanischen CIA kam er zum militärischen Sicherheitsdienst, wurde mit Zwischenspielen als Diplomat im Ausland, darunter als Botschafter in Polen, Innenminister und schließlich unter Staatsgründer Habib Bourguiba Ministerpräsident.

          Musterland in Stagnation

          Als dieser schon alt und geistig etwas verwirrt war, inszenierte Ben Ali im Jahr 1987 kurzerhand einen unblutigen „medizinischen Staatsreich“ und übernahm selbst die Macht. Tunesien, dem er schon damals Demokratie, Fortschritt und Entwicklung verhieß, blühte tatsächlich auf. Doch mit mehr Wohlstand, Tourismus und Bildung kamen immer weniger Freiheiten und politischer Pluralismus. Ben Alis maghrebinisches Musterland geriet in die Stagnation. Zu der bleiernen Kontrolle eines Polizeistaats kamen Korruptionsklagen, die bis in den Palast reichten.

          Vor allem die „Königin Karthagos“, wie Ben Alis zweite Frau Leila genannt wird, gilt als Schlüsselfigur in einem weit verzweigten Geschäftsnetz. Kein Wunder, dass in der wilden Gerüchteküche von Tunis, schon von Reiseplänen in ein goldenes Exil die Rede war. Doch zunächst müssen sich die Tunesier an Ben Alis Versprechen und den Satz halten: „Ich bin traurig über das, was jetzt geschieht, nach fünfzig Jahren Dienst für das Land.“

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