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Trotz hoher Impfquote : Portugal verschärft Corona-Regeln vor Weihnachten

Mit Abstand und Maske: Menschen in einer U-Bahn in Lissabon im Oktober Bild: AP

Trotz einer der höchsten Impfquoten auf der Welt verschärft das Land seine Covid-Restriktionen. Nach Weihnachten sollen die Portugiesen eine Woche zu Hause bleiben, geimpfte Fluggäste einen negativen Test vorlegen.

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          Eigentlich könnten sich die Portugiesen entspannt zurücklehnen. Fast 88 Prozent der gesamten Bevölkerung sind vollständig geimpft – so viele, wie in fast keinem anderen Land. Dennoch bleibt die Regierung vorsichtig und zieht wieder die Bremse, denn die Infektionszahlen steigen schon seit Ende September wieder. Die Siebentagesinzidenz von zuletzt mehr als 160 Fällen je 100.000 Einwohnern ist kein Vergleich zu Deutschland oder Österreich.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Aber die verheerende Corona-Welle, die das Land nach dem letzten Weihnachtsfest überrollte, hat man nicht vergessen. Vom 1. Dezember an tritt wieder der nationale Notstand in Kraft. Dessen Maßnahmen werden in der ersten Januarwoche ihren Höhepunkt erreichen, wie der amtierende Ministerpräsident António Costa mitteilte.

          „Tragischen Januar 2021 verhindern“

          „Um den tragischen Januar 2021 zu verhindern“, wie er sagte, werden alle Portugiesen nach den Feiertagen erst einmal im Homeoffice arbeiten und die Schüler statt am 3. Januar eine Woche später in die Klassenzimmer zurückkehren. Bars und Nachtclubs bleiben geschlossen. „Mit der Woche der Eindämmung“ hofft man nach den kontaktintensiven Feiertagen, die Lage wieder in den Griff zu bekommen. Die Regierung rief die Bürger dazu auf, sich vor Familientreffen testen zu lassen.

          „Die Portugiesen wissen, dass ihr eigenes Verhalten die Entwicklung der Pandemie steuert, zusätzlich zum Schutz durch die Impfung“, sagte der Regierungschef. Dabei ist die Lage angesichts der hohen Impfquote (acht Prozent haben schon die Auffrischung erhalten) und der Lage in den Kliniken nicht mit der von Ende 2020 nicht zu vergleichen. Die Beunruhigung war jedoch gewachsen, nachdem in den vergangenen Tagen die Zahl der Krankenhausbehandlungen und Todesfällen von Covid-Erkrankten wieder zugenommen und die von den Behörden festgelegte „rote Linie“ überschritten hatte.

          Deshalb gilt schon vom 1. Dezember an wieder ausnahmslos eine Maskenpflicht in geschlossenen Räumen. Beim Betreten von Restaurants, Hotels, Fitnessstudios und anderen Veranstaltungen muss ein digitales Impfzertifikat vorgelegt werden. Geimpfte müssen bei Besuchen in Krankenhäusern und Altersheimen ebenfalls einen negativen Antigen- oder PCR-Test mitbringen. Diese Vorschrift gilt zudem bei Großveranstaltungen ohne feste Sitzplätze, in Sportstätten, Diskotheken und Bars.

          Auch geimpfte oder genesene Flugpassagiere dürfen nur mit einem negativen Testergebnis einreisen. Costa kritisierte die Kontrollen, die zuletzt oft lax gehandhabt wurden, was von großer Verantwortungslosigkeit zeuge. Fluggesellschaften drohen nun Strafen, die von 20.000 Euro bis zu einem Entzug der Flugerlaubnis reichen können. Der sozialistische Ministerpräsident, der Ende Januar bei den vorgezogenen Parlamentswahlen wiedergewählt werden will, möchte kein Risiko eingehen.

          So beginnt vom 20. Dezember an zudem die Impfkampagne für Kinder im Alter zwischen fünf und elf Jahren. Am Donnerstag wurden in dem Land mit gut zehn Millionen Einwohnern am zweiten Tag in Folge mehr als 3000 Neuinfektionen registriert. Es gab 15 Todesfälle und die Zahl der Covid-Patienten in den Krankenhäusern stieg auf fast 700, 103 davon liegen auf der Intensivstation.

          Im Nachbarland Spanien, wo die Impfquote der gesamten Bevölkerung bei mehr als 79 Prozent liegt, steigen die Zahlen langsam wieder; sie sind aber immer noch deutlich niedriger als in Portugal und Deutschland. Am Donnerstagabend meldete das Gesundheitsministerium in Madrid eine Siebentagesinzidenz von 75. Einige autonome Regionen wie die Balearen, Katalonien, Navarra, Aragón und Galicien haben mit Zustimmung der Gerichte schon 3-G-Regeln eingeführt.

          Im Baskenland, auf den Kanaren und in Valencia steht eine Gerichtsentscheidung über die Einführung einer 3-G-Pflicht für Restaurants und Nachtlokale noch aus. In Gibraltar, wo die Impfquote bei deutlich mehr als 90 Prozent liegt, sagte die Regierung alle offiziellen Weihnachtsfeiern ab. Zuvor hatte die britische Kronkolonie einen starken Anstieg der Neuinfektionen verzeichnet.

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