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Präsidentenwahl in Portugal : Der Selfie-Präsident

Wenn das Staatsoberhaupt selbst fotografiert: Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa will am 24. Januar wiedergewählt werden. Bild: ddp/Global Media Group/Sipa USA

Portugals Präsident Marcelo Rebelo de Sousa gilt als volksnah und beliebt. Auf dem Höhepunkt der zweiten Corona-Welle brauche das Land einen Politiker, „der stabilisiert“, sagt er. Und obwohl der 72-Jährige keine Küsse und Umarmungen verteilen kann, braucht er die Konkurrenz nicht zu fürchten.

          4 Min.

          Marcelo Rebelo de Sousa liebt das Bad in der Menge. Portugals Präsident umarmt und küsst die Menschen, denen er begegnet. Nähe zu zeigen ist eine seiner großen Stärken. Nun zwingt ihn die Pandemie aber dazu, Abstand zu halten. Als der 72 Jahre alte Politiker bekanntgab, zum zweiten Mal für das Präsidentenamt zu kandidieren, waren nur zwei Kameraleute dabei. „Ich werde nicht mittendrin aufhören“, kündigte Rebelo de Sousa an. Auf dem Höhepunkt der zweiten Corona-Welle brauche Portugal einen Politiker, „der stabilisiert“. Er werde sich deshalb nicht aus der Verantwortung stehlen, sagte er in der Konditorei „Versailles“, gleich neben seinem Amtssitz im Lissaboner Stadtteil Belém. In dem Traditionsgeschäft unweit der Mündung des Flusses Tejo hatte er schon im Jahr 2016 während seiner ersten Kampagne seine Wahlkampfzentrale aufgeschlagen.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Ein größeres Hauptquartier braucht der frühere Jura-Professor wohl auch nicht. Umfragen zufolge wollen die Portugiesen bei der Präsidentenwahl am 24. Januar keinen Wechsel. Sie sagen Rebelo de Sousa, der als parteiloser Kandidat antritt, drei Viertel der Stimmen voraus. Vor fünf Jahren hatte er im ersten Wahlgang 52 Prozent erhalten. Manche trauen ihm sogar zu, den Rekord von Mário Soares zu brechen. Den populären Sozialisten hatten die Wähler 1991 mit gut 70 Prozent im Präsidentenamt bestätigt. Die regierenden Sozialisten und die konservative Sozialdemokratische Partei (PSD), welcher der Präsident einst angehörte, verzichteten darauf, eigene Kandidaten aufzustellen. Unter den acht Herausforderern des Amtsinhabers erregt nur André Ventura von der neuen Chega-Partei Aufsehen. Die Rechtspopulisten fristeten in Portugal bisher ein Schattendasein.

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